Fußball 2.Bundesliga
Reuter nun alleiniger Geschäftsführer der "Löwen"

Die Entlassung von Geschäftsführer Stefan Ziffzer bei 1 860 München ist perfekt. Sportdirektor Stefan Reuter übernimmt nun vorläufig die alleinige Geschäftsführung.

Zwei Tage nach seiner Brandrede gegen Präsident Albrecht von Linde ist die Entlassung von Geschäftsführer Stefan Ziffzer beim Zweitligisten 1 860 München perfekt. Wie angekündigt war Ziffzer am Dienstagvormittag an der Grünwalder Straße in der Geschäftsstelle erschienen, zwei Stunden später reiste er in aufgeheizter Atmosphäre wieder ab, nachdem ihm die schriftliche Kündigung übergeben worden war. Das Präsidium um von Linde und seine beiden Stellvertreter Karsten Wettberg und Franz Maget hatte sich einstimmig zur Entlassung entschieden.

Reuter übernimmt vorläufig Geschäftsführung

Wie der Verein mitteilte, übernimmt Sportdirektor Stefan Reuter vorläufig die alleinige Geschäftsführung. Der 34 Jahre alte Volkswirt Markus Kern, bisher zuständig für Finanzen und Controlling, vertritt als Prokurist kommissarisch den kaufmännischen Bereich.

Über die Nachfolge von Ziffzer, der seit April 2006 im Amt war und maßgeblich zur Stabilisierung des von der Insolvenz bedrohten Traditionsvereins beigetragen hatte, wird viel spekuliert. Man habe einen "Finanzfachmann mit tiefblauem Herzen" im Auge, erklärte von Linde. Spekuliert wurde zuletzt unter anderen auch über Ex-Profi Miroslav Stevic als möglichem Nachfolger für Reuter.

Abgeschlossen sind die Chaos-Tage für den Meister von 1966 mit der Trennung vom Haupt-Geschäftsführer aber noch lange nicht. Bis Ende des Jahres müssen die "Löwen" 1,5 Mill. Euro Eigenkapital aufbringen, um die Auflagen bzw. Bedingungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu erfüllen.

Gleichzeitig steht weiterhin die Drohung Ziffzers im Raum, dass die Sponsoren dem Verein im Falle seiner Entlassung den Rücken kehren würden. Inwieweit das überhaupt möglich ist, ist unklar. Zumindest aber ist eine Verlängerung der Verträge fraglich. Das Vertrauen der Geldgeber ins Präsidium soll erschüttert sein.

Auslöser der neuerlichen Krise beim durch interne Machtkämpfe und finanzielle Schwierigkeiten gebeutelten Verein war eine Pressekonferenz nach dem 1:1 am Sonntag gegen den VfL Osnabrück, durch das die "Löwen" den Klassenerhalt endgültig sicherten.

Ziffzer hatte von Linde dabei scharf angegriffen. "Der Fisch stinkt vom Kopf her, und bei uns ist der Kopf der Präsident", erklärte Ziffzer und kam zu dem vernichtenden Urteil: "Dieser Präsident ist eine Schande." Als Ziffzer wenige Minuten nach seiner öffentliche Schelte in den VIP-Raum kam, trat ihm von Linde entgegen und sagte: "Sie sind fristlos entlassen." Ziffzer habe nie verstanden, "wer Koch und wer Kellner ist".

Reuter hatte am Montag einen Rücktritt derweil ausgeschlossen. Allerdings seien in den kommenden Tagen viele Gespräche notwendig, um die Weichen richtig zu stellen. Reuter wollte sich nicht von Ziffzer distanzieren, merkte aber an, dass er von dessen Art und Weise der Kritik überrascht gewesen sei.

Der Konflikt zwischen Präsidium und Ziffzer schwelte bereits lange. Immer wieder soll es zu heftigen Disputen zwischen von Linde und Ziffzer gekommen sein, schriftliche Abmahnungen inklusive. Der jüngste Auslöser für die Eskalation war offenbar die Tatsache, dass der sich seit 14 Monaten im Amt befindende von Linde einem Bericht des Fachblatts kicker vom Donnerstag nicht energisch widersprochen hatte. In der Meldung war davon die Rede gewesen, Weltmeister Reuter stehe vor der Ablösung als Sportdirektor bei den Sechzigern.

© SID

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