Fußball 2.Bundesliga: Umgangston zwischen Siegen und Lorant wird rauher

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Umgangston zwischen Siegen und Lorant wird rauher

Der Hickhack um die geplatzte Tätigkeit von Werner Lorant als Coach bei den Sportfeunden Siegen endet in gegenseitigen Schuldzuweisungen. Der Verein wirft dem 57-Jährigen Charakterlosigkeit vor.

Nach der geplatzten Zusammenarbeit zwischen Zweitligist Sportfreunde Siegen und Trainer Werner Lorant hat sich die Wortwahl zwischen den beiden Parteien immer mehr verschärft. Während der 57-Jährige behauptet, nie mit den Siegerländern konkret verhandelt zu haben, wird dem Coach von Seiten des Vereins "Wortbruch und Unzuverlässigkeit" vorgeworfen. Ex-Bundestrainer Berti Vogts geht sogar noch einen Schritt weiter und unterstellt dem gebürtigen Westfalen: "Lorant hat Siegen eiskalt abgezockt. Er wollte eine Vertragsverlängerung und mehr Geld in der Türkei."

Nach der plötzlichen Kehrtwende im Vertragspoker herrscht in Siegen Wut und Enttäuschung über das Verhalten des langjährigen Trainers von 1 860 München. "Wir sind stinksauer", sagte der Sportliche Leiter Rolf Bleck. Noch am Montag hatte der Klub die Einigung mit Lorant bekanntgegeben, zwei Tage später folgte die "Rolle rückwärts".

Lorant und sein Berater mit widersprüchlichen Aussagen

Lorant, der seinen Vertrag beim türkischen Erstligisten Sivaspor erfüllen will, verstrickt sich indes in weitere Ungereimtheiten. "Ich bin kein Trainer, der Verträge bricht. Das mache ich aus Prinzip nicht. Das wäre charakterlos. Ich war in der vergangenen Woche in München, weil mein Sohn Geburtstag hatte und nicht, um mit Siegen zu verhandeln", beteuerte der Coach in der Türkei: "Während meines Aufenthalts hat mich der Verein kontaktiert und wir haben eine Stunde lang miteinander gesprochen. Ich habe aber nichts unterschrieben und keinem versprochen, einen Vertrag zu unterschreiben."

Rechtsanwalt Axel Ulmer, der für Lorant den Vertrag mit Siegen aushandeln sollte, stellt die Sachlage indes ein wenig anders dar: "Ich hatte einen klaren Auftrag, mit Siegen zu verhandeln. Das geschah in einer sehr guten Atmosphäre. Wir waren uns in allen Punkten einig. Die ganze Sache hat einen bitteren Beigeschmack. Wir stehen alle ziemlich belämmert da", sagte der frühere Vizepräsident des 1. FC Kaiserslautern dem Sport-Informations-Dienst (sid).

"Da kann man nicht meckern, ich mache das."

Laut Bleck habe sich Lorants Berater Gerd Welz bereits einen Tag nach der Entlassung des bisherigen SF-Trainers Jan Kocian am 4. Februar gemeldet. Am 5. Februar sei es bereits zu ersten Gesprächen gekommen, zwei Tage später ein Vertrag entworfen worden. Wie Bleck betonte, habe Lorant noch am gleichen Tag mit folgenden Worten zugesagt: "Da kann man nicht meckern, ich mache das. Ich habe eine Ausstiegsklausel und werde erst noch mit meinem Präsidenten sprechen."

Am Mittwoch folgte schließlich der Sinneswandel von "Werner Beinhart". Der Coach teilte Ulmer ("Man macht ungern etwas, was nicht zustande kommt") mit, dass er bei Sivaspor keine Freigabe erhalten habe. Wie aus der Türkei durchsickerte, ist aber vermutlich eine Strafklausel, die der Vertrag von Lorant beinhalten soll, der Grund für die Absage. Demnach hätte der Coach bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung dem Klub eine Abfindung zahlen müssen. "Das Kapitel Lorant ist für uns erledigt. Die ganze Geschichte wirft kein gutes Licht auf die Charaktereigenschaft von Herrn Lorant", sagte Siegens Vorstandsmitglied Holger Rathke abschließend.

Auch Ristic steht nicht mehr zur Verfügung

Abgeschlossen ist dagegen für den Zweitliga-Neuling die Suche nach einem neuen Coach keineswegs. Vielmehr steht der Klub 13 Spieltage vor Saisonende mit leeren Händen da, und auch weitere Alternative haben sich zerschlagen. Armin Veh hat inzwischen beim VfB Stuttgart unterschrieben, und auch Aleksandar Ristic steht nicht mehr zur Verfügung.

"Ich hatte mit dem Präsidenten ein Gespräch und mich einverstanden erklärt, das Traineramt zu übernehmen. Danach hat sich der Klub mit Lorant geeinigt. Jetzt sind es wieder zwei Spiele weniger. Ich werde es definitiv nicht mehr machen", sagte "König Aleks" auf sid-Anfrage. So wird vorerst weiter Interimscoach Uwe Helmes im wichtigen Keller-Duell am Sonntag gegen LR Ahlen auf der Bank der seit sechs Spielen sieglosen Sporfreunde sitzen.

© SID

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