Fußball
Bayern geben Signal zum Gruppensieg

Das Aha-Erlebnis ist da: Nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg beim selbst ernannten Titelkandidaten Inter Mailand feierten Spieler, Vorstand und Edelfans im „Grand Hotel Brun“ gelöst das lange vermisste Ausrufezeichen des FC Bayern München auf der europäischen Fußball-Bühne.

dpa MAILAND. Das Aha-Erlebnis ist da: Nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg beim selbst ernannten Titelkandidaten Inter Mailand feierten Spieler, Vorstand und Edelfans im „Grand Hotel Brun“ gelöst das lange vermisste Ausrufezeichen des FC Bayern München auf der europäischen Fußball-Bühne.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schwärmte in seiner Bankettrede von einem „großen und wichtigen Sieg“, mit dem der Rekordmeister 18 sieglose Europapokal-Jahre in Italien beendet hatte. Felix Magath bewertete den wertvollsten Sieg des FC Bayern in der Champions League seit dem Titelgewinn 2001 sogar als Balsam für die gesamte deutsche Fußball-Seele. „Jetzt können wir endlich wieder beim Italiener eine Pizza essen gehen“, verkündete der Bayern-Trainer auch in Anspielung auf die Halbfinal-Niederlage der Nationalmannschaft gegen die Italiener bei der Weltmeisterschaft.

Seit dem Spiel in Mailand ist die Bayern-Welt wieder in Ordnung, auch wenn nach den in Überzahl erzielten Toren von Claudio Pizarro (81.) und Lukas Podolski (90.+1) noch keiner von der endgültigen Wende zum Guten reden wollte. Viel zu schwach präsentierte sich das ideenlose Star-Ensemble von Inter, das sich durch die Platzverweise von Zlatan Ibrahimovic (58.) und Fabio Grosso (85.) noch zusätzlich schwächte. Das Spiel werde „garantiert nicht als eines der allerbesten in die Annalen eingehen“, nörgelte Franz Beckenbauer trotz des Sieges.

Rummenigge warnte die Spieler davor, „jetzt nicht euphorisch oder überheblich“ zu werden: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und Titel werden nicht im September, sondern im Mai vergeben.“ Dennoch gaben Trainer und Vorstand nach dem Traumstart mit sechs Punkten selbstbewusst ein neues Etappenziel aus. „Das Ziel ist, den Steilpass aufzunehmen und Gruppen-Erster zu werden“, sagte Rummenigge.

Auch Oliver Kahn, der die Bayern mit zwei Glanzparaden gegen Ibrahimovic (12.) und Hernan Crespo (61.) vor einem Rückstand bewahrt hatte, forderte nach der bestandenen Kraftprobe weitere Taten. „Es war mal wieder ganz wichtig für uns, dass wir auswärts einen der ganz Großen geschlagen haben“, sagte der Torhüter. „Aber man darf das nicht zu hoch hängen. Ich bewerte den Sieg nur dann hoch, wenn wir es jetzt schaffen, am Samstag in Wolfsburg zu gewinnen. Dann haben wir in dieser Woche etwas Großes geleistet.“

Magath wies jegliche Kritik zurück, auch die von Beckenbauer. „Das war rundherum eine Klasseleistung der Mannschaft“, erklärte Magath. Kahn hob die Disziplin, Ordnung und lange vermisste Kompaktheit in der Abwehr hervor. „Das war eine sehr clevere Mannschaftsleistung.“

Die Entdeckung des Abends war Andreas Ottl. Der 21-Jährige lieferte bei seinem Debüt in der Champions League im defensiven Mittelfeld gegen Portugals alternden Star Luis Figo eine „exzellente Partie“ ab, wie Magath lobte. Der U 21-Nationalspieler habe sogar das Spiel nach vorne „gelenkt“. Ottl selbst reagierte bescheiden: „Ich will jetzt keine zu hohen Luftsprünge machen.“ Auch für den kurz vor Schluss eingewechselten Podolski war sein erstes Champions-League-Tor ein kleiner Schritt nach vorne: „Klar, freut mich der Treffer.“

Uli Hoeneß lobte „die Art und Weise“ des Sieges, weil man sich nicht „von den harten Attacken“ des Gegners habe provozieren lassen. Er persönlich bezahlte den Sieg „mit dem ersten Platzverweis in meinem Leben“. Ein brutales Foul des Italieners Marco Materazzi, der im WM-Finale Zinedine Zidane zum folgenschweren Kopfstoß provoziert hatte, an Lucio bewertete Hoeneß als „vorsätzliche Körperverletzung“.

Als Grosso den Franzosen Willy Sagnol direkt vor der Münchner Ersatzbank mit dem Ellbogen niederstreckte, sah auch Hoeneß rot. „Als ich Willy fliegen sah, habe ich eingegriffen. Ich habe ihn geschützt und dann alle Betreuer und Trainer von Inter darauf hingewiesen, was das für ein Fußball ist, den sie da zeigen.“ Für den Sturmlauf aus der Coaching-Zone und seine Flüche verwies ihn Schiedsrichter Stephen Bennett auf die Tribüne. „Das war okay“, bemerkte Hoeneß lächelnd.

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