Fußball
Bestechungsskandal im englischen Fußball

London (dpa) - Dem englischen Profi-Fußball droht ein Bestechungsskandal. Mehrere Premier-League-Clubs sollen nach Informationen der BBC in illegale Transaktionen bei Spielerwechseln verwickelt sein.

Der nationale Fußballverband FA und die Premier League kündigten an, alle „Vorwürfe aktiv und schnellstens zu untersuchen“. In einer bereits ausgestrahlten TV-Sendung hatten verdeckt recherchierende BBC-Journalisten die Affäre öffentlich gemacht. Demnach soll auch der englische Meister FC Chelsea, neuer Club von Michael Ballack, Transferbestimmungen der FA verletzt haben.

Im Zentrum der Vorwürfe stehen jedoch Sam Allardyce, Coach der Bolton Wanderers, und Harry Redknapp, der mit dem FC Portsmouth nach fünf Spieltagen sensationell die Tabelle anführt. Beide Trainer sollen bei Spielertransfers illegal Handgelder kassiert haben. Chelseas Jugendkoordinator Frank Arnesen wurde heimlich dabei gefilmt, wie er verbotenerweise umgerechnet 220 000 Euro für einen 15 Jahre alten Jugendspieler des FC Middlesbrough bot.

In der BBC-Dokumentation bezeichneten drei Spielerberater Bolton- Trainer Allardyce, der vor der Weltmeisterschaft als heißer Anwärter auf den Posten des englischen Nationaltrainers gehandelt wurde, als „korrupt“. So soll er bei der Verpflichtung des israelischen Nationalspielers Tal Ben Haim ein Handgeld von rund 75 000 Euro eingestrichen haben. Eine entscheidende Rolle habe sein Sohn Craig gespielt. Dieser besitzt zwar eine offizielle Lizenz als Spielerberater, durfte aber keine Geschäfte mit den Wanderers abwickeln, die sein Vater seit 1999 betreut.

Sam Allardyce wies die Vorwürfe zurück und kündigte rechtliche Schritte an. „Natürlich weise ich sämtliche Anschuldigungen, die gegen mich erhoben wurden, zurück. Ich habe meine Anwälte damit beauftragt, entsprechend dagegen vorzugehen“, erklärte er am Mittwoch. Bolton forderte bei der BBC weitere Informationen an.

Auch die FA hat den Fernsehsender gebeten, weitere Aufnahmen und Erkenntnisse weiter zu reichen. „Wir nehmen jeden Korruptionsvorwurf äußerst ernst und behandeln dies mit höchster Dringlichkeit“, teilte die FA mit. „Wir werden in enger Zusammenarbeit mit der Premier League ermitteln.“ Englands Sportminister Richard Caborn zeigte sich geschockt. „Diese Vorwürfe beschädigen den Ruf des Fußballs und müssen genau geprüft werden“, sagte Caborn.

Der beschuldigte Redknapp will auf rechtliche Schritte gegen die BBC verzichten. „Ich habe nichts zu befürchten, da ich nichts falsch gemacht habe“, sagte der Coach des FC Portsmouth.

Dem FC Chelsea droht als Wiederholungstäter im schlimmsten Fall der Abzug von drei Punkten. Die FA hatte dem Meister bereits im vergangenen Jahr wegen illegaler Vertragsverhandlungen mit dem damaligen Arsenal-Verteidiger Ashley Cole eine Drei-Punkte-Strafe „auf Bewährung“ auferlegt. Experten zufolge ist es aber unwahrscheinlich, dass Arnesens Verhalten ausreicht, diese Strafe zu „aktivieren“.

Bereits in den 90er Jahren gab es im englischen Profifußball einen Schmiergeldskandal. Der damalige Trainer des FC Arsenal, George Graham, hatte bei der Verpflichtung von Pal Lydersen und John Jensen umgerechnet 635 000 Euro von einem Spielervermittler erhalten. Als die illegale Zahlung Jahre später aufflog, wurde Graham entlassen und von der FA für ein Jahr gesperrt.

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