Fußball
Betriebsaufflug zu Fußball-Zwerg 191

dpa RICCIONE. Sonne, Meer, Blasmusik und ein Fußball-Zwerg: Für die deutsche Nationalmannschaft können die Kontraste beim zweiten Europameisterschafts-Qualifikationsspiel kaum größer sein.

Als das Team von Bundestrainer Joachim Löw mit dem Sonderflieger LH 5 010 in Rimini gelandet war, deuteten endgültig alle Vorzeichen auf einen entspannten Betriebsausflug hin: Knapp 30 Grad, ein Hotel in bester Urlaubslage und ein Gegner, der im Gegensatz zu den kampfstarken Iren (1:0) ein munteres Schützenfest verheißt.

„Blauer Himmel hebt die Stimmung“, erklärte Löw, der in seinem ersten Auswärtsspiel als Bundestrainer gegen San Marino auch mit dem angeschlagene Manuel Friedrich (Kapsel- Blessur) in der Abwehr planen kann. Auf dem Rollfeld wurden Michael Ballack & Co von einer Blaskapelle und netten jungen Damen in Deutschland-Trikots überrascht. Zum Empfang der Abordnung aus San Marino wurde die deutsche Nationalhymne gespielt.

Der Mainzer Manuel Friedrich konnte anschließend mit den anderen 18 deutschen Spielern das Grand Hotel „Des Bains“ in Riccione beziehen. „Manuel ist absolut fit“, berichtete Assistenzcoach Hans-Dieter Flick. Dagegen plagen Stürmer Oliver Neuville Probleme mit der Leiste und Achillessehne, der Einsatz des Gladbacher Routiniers ist fraglich. „Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, wieder auswärts zu spielen“, betonte WM-Torschützenkönig Miroslav Klose vor der ersten Reise nach einem halben Jahr, die ausgerechnet wieder nach Italien führte: Vor sechs Monaten hatte es in Florenz ein blamables 1:4 gegen den späteren Weltmeister Italien gegeben.

Diesmal aber sind die Rollen zwischen dem WM-Dritten Deutschland und dem Sechstletzten der Weltrangliste San Marino völlig anders verteilt. „Da ist ein Sieg ganz einfach Pflicht“, erklärte der Bundestrainer deutlich. Nur sechs der 197 Fußball-Nationen sind vom Weltverband Fifa schlechter als San Marino eingestuft, darunter mit Luxemburg lediglich eine europäische Nation. Die Qualifikation zur WM 2006 beendete Zwerg Nummer 191 mit zehn Niederlagen in zehn Spielen und 2:40 Toren. In der gesamten bisherigen EM-Ausscheidung hagelte es 34 Pleiten in 34 Partien mit 4:143 Treffern. Noch nie wurde von den Feierabend-Kickern San Marinos ein Pflichtspiel gewonnen.

„Wir sind klarer Favorit und müssen so viele Tore wie möglich schießen“, eröffnete Manager Oliver Bierhoff verbal die Treffer-Jagd von Serravalle - auch wenn am Ende der Qualifikation bei Punktgleichheit nicht die Tordifferenz, sondern der direkte Vergleich über das Ticket zur EM-Endrunde 2008 entscheiden würde. Auch für Klose, der in San Marino in die Top Ten der deutschen Stürmer-Elite vorstoßen kann, zählt nur „ein hohes Ergebnis“. Der Kapitän der Lufthansa-Maschine machte kurz vor der Landung ebenfalls klar, was die deutschen Fans erwarten: „Den Spielern wünsche ich den richtigen Torhunger.“ Unter den rund 5 000 Zuschauern im „Stadio Olimpico“ werden rund 2000 deutsche Fans und Touristen erwartet.

Bis auf einen Profi, der in Italiens Serie C kickt, verdienen die San Marinesen ihre Brötchen mit Berufen wie Fitnesstrainer oder Lagerarbeiter. Der einzige Berufsspieler, Andy Selva, mit sechs Toren erfolgreichster Schütze im 25-köpfigen Aufgebot, schoss auch den historischen Treffer zum 1:0 gegen Luxemburg am 28. April 2004 - der bisher einzige Länderspielsieg. „Wir wissen, wenn wir unsere Leistung bringen, haben die keine Chance“, betonte Torsten Frings.

Dennoch wollten die deutschen Spieler von einem Betriebsausflug zum 83. Länderspiel-Partner des DFB nichts wissen. „Nein, nein, das ist gerade das Gefährliche an solchen Gegner, wenn man anfängt, sie zu unterschätzen. Wir müssen uns gut darauf vorbereiten“, forderte Kapitän Michael Ballack. Frings erinnerte an den Ausflug im September 2003 auf die Färöer-Inseln, als man erst in den letzten Minuten einen 2:0-Sieg sicherstellte. „Da haben wir gesehen, was passieren kann, wenn man den Gegner unterschätzt. Da sind wir gerade noch an einer Blamage vorbei geschrammt, das wollen wir diesmal vermeiden.“

Löw wird an seiner Startformation gegenüber dem Irland-Spiel wohl kaum etwas ändern, auch um ein Zeichen zu setzen, dass er die Partie genauso ernst nimmt wie den Qualifikations-Start. Kurz vor dem Abflug ins sonnige Italien hatte der Bundestrainer seinem Stammpersonal bei Nieselregen in Stuttgart noch ein Regenerations-Training verordnet, während die Reservisten bei Co-Trainer Flick intensiver ran mussten. „Das Schwierigste ist, vom Kopf her wieder hellwach zu sein“, erklärte Philipp Lahm nach den WM-Strapazen, der kurzen Vorbereitungszeit und dem Abnutzungskampf beim 1:0 gegen die robusten Iren. „Man macht das nicht mit links. Aber ich bin überzeugt, dass wir nichts anbrennen lassen“, sagte Arne Friedrich.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Lehmann - Lahm, Arne Friedrich, Manuel Friedrich, Jansen - Schneider, Ballack, Frings, Schweinsteiger - Klose, Podolski

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