Fußball
Bremen tanzt, Frings warnt

Werder hat in Wolfsburg in einer rauschenden Pokal-Nacht das Comeback des Zauber-Fußballs gefeiert. Doch beim unerwartet klaren 5:2-Sieg der schlechtesten gegen die beste Mannschaft der Bundesliga-Rückrunde wurde zwischenzeitlich wieder einmal deutlich, wie schmal bei den Bremer Pokal-Spezialisten der Grat zwischen Hurra- und Harakiri-Fußball ist.

dpa WOLFSBURG. Mit fast schon vergessener Fußballkunst nahmen die Bremer den zuletzt hoch gehandelten VfL Wolfsburg auseinander, tanzten mit einer Gala ins Pokal-Halbfinale und ließen die Fans übermütig singen: "Berlin, Berlin, wir fahren über Hamburg nach Berlin." Und Doppel-Torschütze Claudio Pizarro frohlockte: "Jetzt ist es möglich, den Pokal zu gewinnen."

Insgesamt waren die Reaktionen der Bremer allerdings eher von Erleichterung als von Euphorie geprägt. "Wir müssen am Boden bleiben", forderte Torsten Frings. Der Nationalspieler wollte sich nicht blenden lassen von den fünf Treffern durch das magische Offensiv-Dreieck Diego (3. Minute, 55./Foulelfmeter), Mesut Özil (6.) und Pizarro (71./89.). Auch Frings hatte die Probleme gesehen, die Manager Klaus Allofs in deutliche Worte fasste: "Wir haben uns nach dem 2:0 dumm angestellt. Wenn man früh mit zwei Toren führt, muss man Ruhe ins Spiel bringen." Stattdessen lieferte Werder aber ab Mitte der ersten Halbzeit den altbekannten Schlendrian und ermöglichte dem starken VfL-Stürmer Edin Dzeko (16./42.) durch Abwehrfehler den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Doch die Bremer besannen sich und kamen mit Leidenschaft und schnellem Kombinations-Fußball zurück, so dass Allofs mit Recht sagen durfte: "Das war phasenweise das echte Werder." Jenes Werder also, das zu Saisonbeginn die Fußballfans begeistert hatte. Viele hatten den Bremer Profis und ihrem Trainer Thomas Schaaf dies zuletzt nicht mehr zugetraut. Allofs durfte sich daher bestätigt fühlen. "Wir sind nach dem Weiterkommen im Uefa-Pokal jetzt auch mit dem Halbfinale im DFB-Pokal dafür belohnt worden, dass wir Ruhe bewahrt haben", sagte er und spielte damit auf die in Bremen bisher unbekannte Trainer- Diskussion an.

Beeindruckt von der Werder-Wiedergeburt war auch VfL-Trainer Felix Magath, dessen Team im neuen Jahr glänzende Kritiken bekommen hatte und als Meisterschaft-Kandidat gilt. Doch die Niedersachsen waren klar unterlegen. "Werder hat eine tolle Offensive", schwärmte Magath: "Wenn die gut drauf sind, wird es für jede Mannschaft schwer." Es lag indes auch an der eigenen Abwehr, dass die in der Liga überzeugenden Wolfsburger eine Woche nach dem Uefa-Cup-Aus einen weiteren Tiefschlag kassierten. "Fünf Gegentore zu Hause, das darf nicht passieren", kritisierte Torschütze Dzeko: "Die ganze Mannschaft hat sich in der Defensive nicht gut verhalten."

Wenig souverän war auch der Auftritt von VfL-Keeper Diego Benaglio, der nach Patellasehnen-Problemen sein Comeback gab. Magath nahm den Keeper jedoch in Schutz: "Ich glaube nicht, dass man ihm einen Vorwurf machen kann. Er wurde teilweise im Stich gelassen." Für Werders Ersatz-Ersatz-Keeper Nico Pellatz war es hingegen trotz der zwei Gegentore und einiger Unsicherheiten zu Beginn ein gelungener Abend. "Er hat das hervorragend gemacht", lobte Werder-Coach Thomas Schaaf den dritten Torwart, der durch die Verletzungen von Tim Wiese und Christian Vander zu seinem ersten Profi-Auftritt kam. "Sicher war er nervös, aber wir sind sehr zufrieden mit ihm."

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