Fußball
Bremer genießen erneut eine magische Nacht

dpa BREMEN. Solch eine Ehrenrunde hat es selbst in Bremen noch nicht gegeben. Ganz langsam gingen die Werder-Spieler durch das Weserstadion, ganz, ganz langsam.

Geradezu genüsslich schritten sie an den ausgelassen schunkelnden und winkenden Fans vorbei, die enthusiastisch den kaum mehr für möglich gehaltenen Sprung ins Achtelfinale der Champions League bejubelten. Es schien, als könnten die Fußball-Profis gar nicht genug bekommen von diesem außergewöhnlichen Moment, als wollten sie jede Sekunde aufsaugen. Das an denkwürdigen Europapokal-Abenden reiche Bremer Stadion erlebte beim 5:1-Sieg gegen Panathinaikos Athen eine weitere magische Nacht.

Nur widerwillig verriet Thomas Schaaf später ein wenig von dem, was in ihm vorgegangen war. „Das packt einen“, sagte der Trainer, der nach dem Schlusspfiff in ähnlichem Tempo von seiner Bank ins Stadion-Innere gegangen war - ganz, ganz langsam. „Das sind die Momente, die man für sich selber festhalten möchte.“ Wenige Stunden später sorgte der dienstälteste Coach der Bundesliga bei den Bremern für einen erneuten Glücksmoment und verlängerte seinen bis Vertrag bis 2008.

„Hier habe ich meine Freiheit bei der Arbeit“, sagte Schaaf, der sich seit 1999 zu einem der absoluten Toptrainer entwickelt hat und mit Manager Klaus Allofs den Erfolgsgaranten für Werders Aufschwung bildet. „Es gibt eine Übereinstimmung der Gedanken.“ Clubchef Jürgen Born sagte: „Wir versprechen uns noch viel von der Zusammenarbeit mit Thomas. Er hat hier ehrliche und großartige Arbeit abgeliefert.“

Eine der vielen Galavorstellung unter Schaaf hatte Werder am Vorabend hingelegt. Doch trotz der Tore von Johan Micoud (2., Foulelfmeter), Nelson Valdez (28./31.), Miroslav Klose (51.) und Torsten Frings (90.+1) hatte es lange nicht nach einem Happy End ausgesehen. „Es war so still, dass ich mir schon Sorgen gemacht hatte, dass Udinese die Führung erzielt hatte“, sagte Allofs. Werder drohte das Aus, weil Barcelona nicht der notwendige Sieg bei Udinese Calcio zu gelingen schien. Doch fünf Minuten vor dem Abpfiff breitete sich im Weserstadion die Kunde vom ersten „Barca“-Treffer aus: Es gab kein Halten mehr. Die Party begann. „Trotz meiner beiden Tore habe ich die größte Freude in der 85. Minute verspürt“, betonte Valdez. Und: „Spätestens ab heute bin ich Fan des FC Barcelona.“

Während die Anhänger lauthals feierten, präsentierten sich Spieler und Verantwortliche als stille Genießer. Zu spüren war eher Erleichterung denn überschäumende Freude. „Das Gebetbuch und die Gnade haben geholfen“, sagte Clubchef Jürgen Born. Der Dank ging aber auch an Barcelonas Spieler, ohne deren Hilfe Werder nur Gruppen-Dritter gewesen wäre. „Mein Kompliment, dass sie sich dort durchgesetzt haben“, sagte Frings, während Allofs augenzwinkernd meinte: „Das kann man von einer großen Mannschaft auch erwarten.“

Der Manager ließ sich - zumindest äußerlich - von den Emotionen nicht mitreißen und versuchte, den Erfolg seines Teams nüchtern einzuordnen: „Es ist ganz außergewöhnlich, dass ein Verein wie wir zwei Mal hintereinander das Achtelfinale erreicht.“ Für ihn zählen neben dem sportlichen Erfolg auch die zusätzlichen Millioneneinnahmen in der K.o.-Runde, die am 16. Dezember in Nyon ausgelost wird und für Werder sieben mögliche Gruppengegner bereit hält: Inter und AC Mailand, Juventus Turin, FC Liverpool, Arsenal London, FC Villareal und Olympique Lyon. Angesichts der 0:3- und 2:7-Lehrstunden durch die Franzosen in der vorigen Saison meinte Valdez: „Egal wer, nur nicht wieder gegen Lyon.“ Und Allofs fügte hinzu: „Die wollen wir nicht unbedingt, die heben wir uns für später auf.“

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