Fußball Bundesliga
1. FC Köln entlässt Rapolder

Mit dem Personalchaos beim 1. FC Köln, einem neuen Trainer in Duisburg und dem einsamen Rekord des Herbstmeisters Bayern München hat sich die Fußball-Bundesliga turbulent in die 40- tägige Winterpause verabschiedet.

Beim Bundesligisten 1. FC Köln stehen weitere personelle Veränderungen an. Nachdem am Samstag nach dem 2:3 bei Arminia Bielefeld bereits FC-Manager Andreas Rettig zurückgetreten war, wurde nun, nach der schlechtesten Hinrunde der Klubgeschichte, am Sonntag Trainer Uwe Rapolder entlassen.

Der 47-Jährige war erst seit Saisonbeginn beim ersten Bundesliga-Meister tätig. Nach dem 12. Spiel in Folge ohne Sieg und der neunten Niederlage seit dem letzten Erfolg am 17. September gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) überwintert Köln als Tabellen-16. mit mickrigen zwölf Punkten auf einem Abstiegsplatz.

Overrath: "Mannschaft war nicht mehr bereit alles für den Trainer zu geben"

Präsident Wolfgang Overath beendete am Sonntag nach einem Gespräch mit dem 47-jährigen Rapolder das Engagement des Coaches, der erst am 1. Juli das Kommando in Köln übernommen hatte. "Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft oder Teile der Mannschaft nicht mehr voll hinter ihm gestanden hat. Ein Teil war nicht mehr bereit, aber auch alles für den Trainer zu geben", sagte der 74er-Weltmeister Overath auf einer Pressekonferenz: "Die Entscheidung ist mir sehr, sehr schwer gefallen. Das Spiel in Bielefeld hat mich zur Überzeugung gebracht, dass wir nach zwölf Spielen ohne Sieg etwas Neues, etwas Anderes machen müsen."

Am Samstagabend um 22.30 Uhr hatte Overath nochmals mit Rapolder Kontakt. Der FC-Boss erklärte, dass man nochmals eine Nacht drüber schlafen wolle. Um 10.30 Uhr am Sonntagmorgen rief die FC-Ikone den Trainer erneut: "Ich habe habe ihn gefragt: Wie hast du geschlafen? Er sagte mir sehr schlecht, ich habe ihm geantwortet: Ich auch!" Daraufhin wurde Rapolder über die Trennung unterrichtet. Um 12.05 Uhr am Sonntag fuhr Overath am Geißbockheim vor und hielt um 13.00 Uhr die Pressekonferenz ab. "Die Entwicklung hat mich nach den sportlichen Misserfolgen und dem Spiel in Bielefeld natürlich nicht mehr überrascht getroffen", erklärte der entlassene FC-Trainer.

Hektische Wochen für den 1. FC Köln

Angesichts des personellen Radikalschlags stehen Overath und seiner Führungscrew hektische Wochen bevor. Als Rapolder-Nachfolger werden Christoph Daum, Klaus Toppmöller, Ralf Rangnick und Matthias Sammer gehandelt, für die Position von Rettig sind Rolf Rüssmann, der ehemalige Kölner Manager Michael Meier (zuletzt Borussia Dortmund) und Edgar Geenen offenbar Kandidaten. "Mit einem Klub wie dem 1. FC Köln spricht man immer", sagte Rüssmann auf sid-Anfrage.

Der neue Manager soll "relativ schnell" verpflichtet werden und laut Overath in die "Trainersuche mit eingebunden" werden. Über das Profil des künftigen FC-Coaches sagte der Klub-Chef: "Wichtig ist, dass er die Mannschaft motivieren kann. Noch wichtiger ist aber: Wir müssen in der 1. Liga bleiben, wenn wir es nicht schaffen, wird es sehr schlecht für den Verein."

Rettig: "Ich bin verantwortlich"

Bereits am Samstag hatte der seit März 2002 im Amt befindliche Rettig das Handtuch geworfen. "Ich bin verantwortlich für die Personalsituation, die Zusammenstellung des Kaders und die Verpflichtung des Trainers. Ich habe dem Präsidenten Wolfgang Overath meinen Rücktritt angeboten und werde den Verein mit sofortiger Wirkung verlassen", erklärte der ehemalige Freiburg-Manager auf der Pressekonferenz.

Noch auf der Tribüne hatte er Overath ("Das hat mich sehr überrascht") von seinem Entschluss unterrichtet, später verabschiedete er sich von der Mannschaft. Weltmeister Overath und seine Vorstandskollegen Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch sowie Hauptgeschäftsführer Claus Horstmann machten dann am Sonntag die siebte Trainerentlassung der Saison 2005/2 006 und die 291. seit Bundesliga-Gründung 1963 perfekt.

Rapolder wollte nicht aufgeben

Rapolder sah am Samstag keinen Anlass, es Rettig nachzutun und selbst die Konsequenzen zu ziehen. "Ich werde auf keinen Fall aufgeben. Ich will weiterarbeiten und gemeinsam mit der Mannschaft da rauskommen. Natürlich habe ich ein schlechtes Gefühl, schließlich muss ich mich auch wie alle anderen Kollegen in diesem Geschäft an den Ergebnissen messen lassen. Ich werde warten, bis der Präsident anruft. Die Gremien im Verein werden die Situation nun durchleuchten und dann eine Entscheidung treffen", erklärte der Fußball-Lehrer nach der bitteren Niederlage an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Bielefelder Alm.

Der Schwabe machte das Verletzungspech für die Talfahrt nach gutem Saisonstart mit neun Punkten aus den ersten fünf Punktspielen verantwortlich. "Fest steht, dass ich in der Hinrunde nur reagieren, aber nie agieren konnte. Ich konnte nie mit der selben Mannschaft spielen, dazu fehlte einem in gewissen Situationen auch das nötige Glück", sagte Rapolder. Trotzdem wurde er am Sonntag entlassen.

© SID

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