Fußball Bundesliga
Angerer: "Mein Leben hat sich total verändert"

Fast mutet es wie eine Flucht an, wenn sich Potsdams Torhüterin Nadine Angerer demnächst in Richtung Stockholm aufmacht. "Ich bin völlig leer im Kopf", sagte die 29-Jährige, die partout keine Heldin sein will.

Die braune Wollmütze tief ins Gesicht gezogen, die Winterjacke hoch verschlossen und die Augen müde und leer: Torhüterin Nadine Angerer macht keinen fröhlichen Eindruck. "Ich bin völlig leer im Kopf, und auch mein Körper gibt mir das Signal, es geht nicht mehr", sagt sie. Nach der WM musste sie acht Wochen wegen einer Lungenentzündung, eines Magen-Darm-Infekts und einer Medikamentenallergie pausieren. "Ich war völlig platt. Das war die Reaktion auf ein wahnsinnig stressiges Jahr."

Der Stress kam für die 29-Jährige mit dem Erfolg. Ihr großer Auftritt bei der WM-Endrunde im September faszinierte Fußball-Deutschland. Als sie im Finale gegen Brasilien in der 64. Minute den Elfmeter von Welt-Fußballerin Marta abgewehrt und ihr Team auf der Siegerstraße gehalten hatte, war das Märchen geschrieben. Doch mittlerweile haftet der Elfmeter wie ein klebriges Kaugummi an Angerer. "Es war nicht der schönste Moment des vergangenen Jahres, auch wenn das alle glauben."

Raus aus dem Rampenlicht

Doch auch wenn die 29-Jährige selbst die Momente der WM nicht verherrlichen will und das Rampenlicht eher scheut, reißen sich die Medien seither um sie. "Ich hetze von Termin zu Termin und könnte seit vier Monaten jeden Tag ein Interview geben."

Damit soll nun Schluss sein. Wegen des großen Interesses an ihrer Person "flieht" die Keeperin von Bundesligist Turbine Potsdam ins Ausland. Beim schwedischen Spitzenklub Djurgarden Stockholm will sie sich "voll und ganz auf den Sport konzentrieren und die schwedische Meisterschaft holen". Angerer hofft endlich Zeit für sich und ihren Sport zu haben: "Seit der WM hat sich mein Leben total verändert. Alle wollen etwas von mir."

"Ich werde mein Team vermissen"

Ihre Gründe, Turbine nach sechs Jahren und zwei Meistertiteln zu verlassen, formuliert die Weltmeisterin zunächst sachlich: "Ich habe schon immer vom Ausland geträumt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Ich werde ja auch nicht jünger." Doch dann gibt sie doch noch zu: "Der Abschied geht mir emotional nahe. Ich werde mein Team vermissen. Mein Herz hängt an Potsdam." Trotzdem ist sie Anfang Januar weg.

Verändert hat der plötzliche Erfolg Angerer offenbar nicht. Noch immer gibt sie sich bescheiden: "Eine Heldin war und bin ich nicht. Dieses Prädikat haben andere verdient. Es ist mir unangenehm, mich selbst zu feiern. Ich stehe lieber auf dem Platz und bringe meine Leistung."

Diese will sie in Schweden möglichst schnell zeigen. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Turbine-Kollegin Ariane Hingst will sie zudem möglichst schnell Schwedisch lernen. Hingst spielt bereits seit einem Jahr bei Djurgarden.

© SID

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