Fußball Bundesliga
Auftakt in den Alltag für die EM-Heldinnen

Nur zehn Tage nach dem EM-Finale startet die Frauen-Bundesliga in die neue Saison. Dabei wollen mit Potsdam, München, Duisburg und Frankfurt gleich vier Teams den Meistertitel.

Keine Atempause für die EM-Heldinnen: Nur zehn Tage nach dem 6:2-Sieg der deutschen Fußballerinnen im Finale von Helsinki gegen England startet die Bundesliga heute in die neue Saison. Von einem Fußball-Überdruss ist allerdings nichts zu spüren. Schließlich verspricht die anstehende Spielzeit mehr Spannung als die von den Deutschen dominierte Endrunde in Finnland. Mindestens vier Klubs peilen mit ihren Europameisterinnen im Team den Titel an.

Vor allem der ehemalige Serienmeister 1. FFC Frankfurt will mit aller Macht wieder ganz nach oben. "Nach der grottenschlechten Saison haben wir nichts anderes im Blick, als auf die Erfolgsstraße zurückzukehren", sagte Manager Siegfried Dietrich. Der siebenmalige Titelträger landete nach der vergangenen Spielzeit hinter Turbine Potsdam, Bayern München und dem FCR Duisburg - die alle drei am letzten Spieltag noch Chancen auf den Titel hatten - nur auf dem vierten Platz.

"Das Imperium wird zurückschlagen"

Dieses Debakel soll sich nach dem Willen von Dietrich, dessen Klub mit 1,3 Mill. Euro den größten Etat vorgelegt hat, nicht wiederholen: "Wir stellen uns dem Kampf in der stärker gewordenen Liga und wollen wieder Meister werden." Auch für die Frankfurter Nationaltorhüterin Nadine Angerer ist eines klar: "Das Imperium wird zurückschlagen."

Allerdings zittert die Konkurrenz nicht gerade vor Angst. Bei einer Umfrage von dfb.de unter den Trainern und Trainerinnen der Bundesligavereine landeten die Hessinnen lediglich auf Platz vier. Die Trainerfavoriten sind dagegen Titelverteidiger Turbine Potsdam sowie Uefa-Cup-Gewinner und DFB-Pokalsieger FCR Duisburg (jeweils sieben Stimmen). Dahinter folgen Vizemeister Bayern München (4) vor dem 1. FFC (3). Dementsprechend selbstbewusst melden die Duisburgerinnen höhere Ansprüche als der FFC an. Der FCR will in der anstehenden Spielzeit, in der gleich drei deutsche Teams (Potsdam, Duisburg und München) in der neu geschaffenen Champions League antreten werden, auf allen drei Hochzeiten tanzen.

"Wir wollen um alle drei Titel - also Meisterschaft, DFB-Pokal sowie Champions League - mitspielen und mindestens einen davon gewinnen", äußerte FCR-Trainerin Martina Voss, die allerdings ohne die zum Meister nach Potsdam abgewanderte Europameisterin Fatmire Bajramaj auskommen muss.

"Wir wollen ins Champions-League-Finale"

Nicht zuletzt aufgrund dieser Verstärkung hat Potsdam ähnlich hohe Ziele wie Duisburg. "Wir wollen ins Champions-League-Finale nach Madrid", meinte Turbine-Spielführerin und Europameisterin Jennifer Zietz: "Ich freue mich auf die Liga. Das Umschalten von der EM fällt mir nicht schwer. Ich denke positiv. Alle wollen die Europameisterinnen sehen."

Wie die Potsdamerinnen erhoffen sich auch die anderen Klubs einen Schub durch den siebten EM-Triumph. "Wir werden von der gestiegenen Aufmerksamkeit profitieren", sagte Duisburgs Manager Guido Lutz. Darauf baut auch der Vizemeister aus München. "Es kommt darauf an, wie lange wir den Rückenwind der EM nutzen können", äußerte Frauen-Koordinatorin Karin Danner: "Wir richten uns jedenfalls auf die spannendste Saison ein, die es je gegeben hat."

Allerdings gab es auch kritische Töne nach dem EM-Sieg. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der zum Zweck der Professionalisierung in jeden Klub 180 000 Euro pumpt, musste sich Vorwürfe von Potsdams Trainer Bernd Schröder gefallen lassen.

Der Coach hatte es vor allem auf Präsident Theo Zwanziger und Trainerin Silvia Neid abgesehen: "Trainerin und Präsident hätten sich in der Stunde des Triumphes ruhig bei den Vereinen für ihre Arbeit bedanken können. Nationalspielerinnen werden nicht einfach geboren, sondern in den Vereinen ausgebildet."

© SID

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