Fußball Bundesliga
Babbel: "Jeder fängt bei null an"

Beim VfB Stuttgart ticken die Uhren unter Teamchef Markus Babbel anders. Das bekommt auch Jens Lehmann zu spüren, der künftig am Auslaufen der Mannschaft teilnehmen muss.

Im Stil seines Vorbildes Ottmar Hitzfeld hat Markus Babbel als neuer Teamchef des Bundesligisten VfB Stuttgart die Zügel gleich einmal deutlich angezogen. Der Nachfolger des am Sonntag beurlaubten Armin Veh setzte am eigentlich trainingsfreien Montag gleich zwei Einheiten an. Zudem will der Europameister von 1996 seinem Torwart Jens Lehmann (39) das Privileg streichen, beim Auslaufen der Mannschaft nicht dabei sein zu müssen.

"Ich werde mit Jens sprechen und ihm sagen, wann es wichtig sein wird, bei der Mannschaft zu sein", sagte der 36 Jahre alte Babbel der Bild. Er hatte bereits am Sonntag auf der Pressekonferenz für die kommenden Wochen eine kompromisslose Linie angekündigt, um den VfB aus der Krise zu führen: "Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme mit mir."

Ottmar Hitzfeld als großes Vorbild

Als Vorbild dient dem früheren Nationalspieler, der als Profi bei Bayern München, dem VfB Stuttgart, dem FC Liverpool und den Blackburn Rovers reichlich Erfahrung gesammelt und insgesamt 17 Titel gewonnen hat, insbesondere Ex-Bayern-Coach Hitzfeld: "Er war stets sachlich, aber knallhart in seinen Entscheidungen."

Entsprechend will auch Trainer-Novize Babbel handeln, der den Schwaben die Siegermentalität zurückgeben soll. "Jeder fängt bei null an", verdeutlichte der neue starke Mann beim VfB bei seinem Amtsantritt am Sonntag, nachdem Veh nach der Meisterschaft 2007 wohl zu lange an einigen altgedienten Akteuren festgehalten und einigen talentierten Nachwuchskräften kaum Bewährungschancen eingeräumt hatte.

Beförderung für Sebastian Rudy

So gehört ab sofort Sebastian Rudy wieder dem Profi-Kader des VfB an. "Er wird wieder bei uns mittrainieren. Den jungen Spielern muss bewusst sein, dass sie beim VfB wie bei kaum einem anderen Verein die Chance haben, nach oben zu kommen", erklärte der bisherige Veh-Assistent, der von Trainer Rainer Widmayer unterstützt wird.

Widmayer war zuletzt Assistent von Krassimir Balakow beim FC St. Gallen und früher Co der zweiten Mannschaft des VfB. "Die zwischenmenschliche Ebene ist sehr gut. Wir werden eng zusammenarbeiten", sagte Babbel, betonte aber gleichzeitig: "Die letzte Entscheidung treffe ich."

Viele Namen im Gespräch

Ob Babbel beim VfB nur eine Übergangslösung bis Weihnachten sein wird, hängt von den Ergebnissen ab. Doch schon jetzt wird über mögliche Trainer-Kandidaten (Balakow, Soldo, Finke, Doll, Slomka) spekuliert.

Bereits am Donnerstag steht im Uefa-Cup-Gruppenspiel bei Sampdoria Genua die erste Bewährungsprobe für den 51-maligen Nationalspieler an. Bis dahin bleibt nicht allzu viel Zeit, die Babbel aber mit vielen Gesprächen und intensivem Training nutzen will. "Wir müssen das letztlich auf dem Platz regeln. Ich will den Spielern schnell meine Philosophie nahebringen. Der VfB stand immer für offensiven Fußball", gab der frühere Abwehrspieler die Richtung vor.

"Wir müssen die Köpfe freibekommen"

Es liege nun an ihm und seinem Trainerteam, "das Ruder herumzureißen. Es gilt, den Ballast beiseitezuschaffen. Wir müssen die Köpfe freibekommen. Ich werde viel mit den Spielern reden, um zu sehen, wo ihre Probleme liegen", kündigte er an, wohlwissend, "dass wir im Moment eine schwierige Phase haben, aber das Potenzial ist vorhanden".

Babbel, der (noch) nicht mit der nötigen Trainerlizenz ausgestattet ist, traut sich die Aufgabe auf jeden Fall zu. "Der Glaube und Wille, Spiele zu gewinnen, muss zurückkehren. Und ich bin davon überzeugt, dass uns das auch gelingen wird", sagte er.

Mit eisernem Willen zurück

Zumal Babbel schon ganz andere Aufgaben in seinem Leben gemeistert hat. 2001 erkrankte er zunächst am Pfeifferschen Drüsenfieber und danach am Guillain-Barre-Syndrom (eine Nervenkrankheit mit Lähmungserscheinungen). Fast ein Jahr dauerte damals die Auszeit, doch mit eisernem Willen kämpfte er sich wieder heran. Ohnehin habe er in seiner Karriere alles erlebt, "vom Stammspieler bis zum Tribünenhocker. Deshalb kann ich mich gut in die Spieler hineinversetzen".

Vor seinem Debüt als Teamchef fühle er sich "ein bisschen wie vor meinem ersten Bundesligaspiel. Es ist sicher nicht so schlecht, mal eine Situation zu haben, in der man sich ein Stück weit freischwimmen muss."

© SID

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