Fußball Bundesliga
Bayer will Labbadia halten

Bayer Leverkusen will Coach Bruno Labbadia nicht zum Ligakonkurrent Hamburger SV ziehen lassen. Bayer Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser reagierte verärgert auf die Gerüchte.

Zwischen den Bundesligisten Hamburger SV und Bayer Leverkusen tobt ein Kampf um Trainer Bruno Labbadia. Während die Hamburger am Freitag Optimismus ausstrahlten, den 42-Jährigen kurzfristig als neuen Übungsleiter vorstellen zu können, reagierten die Verantwortlichen in Leverkusen äußerst ungehalten über das Werben des Ligakontrahenten und stellten sich stur. Es geht dabei sicherlich um Geld in Form einer hohen Ablösesumme für den Trainer, der noch bis 2010 bei Bayer unter Vertrag steht. Aber auch um den Stolz, nicht zum Spielball eines Angestellten zu werden.

"Der HSV hat Kontakt zu uns aufgenommen. Ich habe allerdings deutlich erklärt, dass Herr Labbadia noch ein Jahr Vertrag bei uns hat und ich bitte, dies zu respektieren", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser auf Anfrage des Sport-Informations-Dienst (SID): "Ich kann verhindern, dass er woanders arbeitet."

Labbadia gilt bei den Hamburgern als Favorit

Labbadia galt beim HSV seit dem überraschenden Weggang von Martin Jol zu Ajax Amsterdam vor zehn Tagen als Favorit. Der ehemalige Nationalspieler war bereits bei der Hamburger Trainersuche vor anderthalb Jahren im engsten Auswahlkreis und hatte sich damals mit seinem Konzept offenbar erstklassig verkauft.

Noch in der vergangenen Woche war sich HSV-Chef Bernd Hoffmann sicher, den neuen Trainer bereits bis spätestens Ende dieser Woche präsentieren zu können. "Wir sind positiv gestimmt", sagte ein HSV-Sprecher am Freitagmorgen, "noch ist allerdings nichts perfekt. " Es seien noch letzte Details sowohl mit Labbadia als auch mit Bayer Leverkusen zu klären.

Dass Labadia beim HSV an erster Stelle steht, sickerte schon unmittelbar nach Jols Abgang durch. Lucien Favre (Hertha BSC) und der vereinslose Mirko Slomka galten als Alternativkandidaten. Offenbar ist sich Labbadia auch bereits mit dem HSV über die wesentlichen Vertragsinhalte einig. Erst kürzlich wurde er in Hamburg gesehen, wo seine Tochter studiert. Der ehemalige Stürmer, der zwischen 1987 und 1989 gemeinsam mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer beim HSV spielte, hat sich anscheinend bereits für die Norddeutschen entschieden.

Der 42-Jährige selbst bereitete vor dem Pokalfinale am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen (0:1) seinen Rauswurf bei Bayer durch ein Interview in der Süddeutschen Zeitung vor, als er Bayer-Manager Michael Reschke massiv attackierte: "Fakt ist, dass wir eigentlich von Anfang an keine gemeinsame Arbeitsebene fanden." In einer internen Abstimmung hatte sich zudem der größte Teil der Mannschaft gegen den Ex-Nationalspieler ausgesprochen.

Er war erst vor der Saison vom Zweitligisten Greuther Fürth zu den Rheinländern gewechselt. Erste Trainererfahrungen machte der Hesse von 2003 bis 2006 bei Darmstadt 98. Die Bayer-Mannschaft zeigte in der Hinrunde unter Labbadia begeisterten Fußball, brach im Frühjahr aber völlig ein und belegte am Ende nur Platz neun. Durch die Niederlage im Pokalfinale verpasste der Klub erneut die Teilnahme am internationalen Wettbewerb.

Am Dienstag wurde in einer Krisensitzung über das Schicksal von Labbadia verhandelt - die allgemein erwartete Entlassung blieb aber aus. "Dieses Job-Hopping muss aufhören", erklärte Holzhäuser nun am Freitag. Auch die plötzlichen Abgänge von Jol und Christian Daum in Köln lassen Holzhäuser moralische Argumente finden: "Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundvorstellungen nicht vereinbar." Seit dem Jahr 2000 allerdings wurden in Leverkusen fünf Trainer entlassen.

So geht es bei Holzhäusers strenger Linie in erster Linie wohl doch um einen finanziellen Poker. Eine hohe sechsstellige Summe soll es wohl schon sein. Dass eine Weiterbeschäftigung eines Trainers, der in der Mannschaft keinen Rückhalt hat und sich gedanklich bereits verabschiedet hat, keinen Sinn macht, wissen auch die Sportverantwortlichen in Leverkusen um Rudi Völler.

© SID

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