Fußball Bundesliga
Bayern nach Hoeneß-Attacke auf van Gaal Pulverfass

In der Liga läuft es wieder, im Pokal und der Champions League hat der FC Bayern beste Aussichten. Doch ausgerechnet jetzt geht Präsident Uli Hoeneß auf Trainer Louis van Gaal los.

Uli Hoeneß sprach ruhig und in sachlichem Ton, doch seine Worte bargen Sprengstoff. Die "Abteilung Attacke" von Fußball-Rekordmeister Bayern München teilte kräftig aus - und landete bei Trainer Louis van Gaal einen schmerzhaften Volltreffer. Der Coach habe einige Spieler "permanent falsch eingeschätzt", er sei beratungs- und kritikresistent, höre schlicht nicht zu. "Ein Fußball-Verein heutzutage darf keine One-Man-Show mehr sein", sagte Hoeneßüber den "General", mit dem er "nicht mehr viel zu bereden" habe.

Van Gaal dürfte, sollte er die Hoeneß'schen Angriffe in der Sendung Sky90 am Sonntagabend verfolgt haben, sein Rotweinglas wutenbrannt auf den Flachbildschrim gefeuert haben. Eine Replik des Niederländers steht noch aus, sie dürfte am Dienstag auf der Abschlusspressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel beim rumänischen Meister CFR Cluj (Mittwoch, 20.45 Uhr) folgen. Hoeneß' Attacke kommt für van Gaal zur Unzeit: Er hat große personelle Probleme, am Montag meldete sich auch noch Ivica Olic für sechs Monate ab.

Wie sehr Hoeneß den Klub in seinen Grundfesten erschüttert hatte, wurde am Montag deutlich. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sah sich veranlasst, Hoeneß und van Gaal zu klärenden Gesprächen zu sich zu bitten. Eine gemeinsame Unterredung werde "zeitnah" folgen, hieß es in einer Mitteilung.

Van Gaal beratungsresistent

Sportlich läuft es wieder besser beim FC Bayern - und so wagte sich Hoeneß, um den es zuletzt ruhiger geworden war, mit einem Thema vor, das ihm unter den Nägeln zu brennen schien. "Es ist schwer, mit ihm zu reden, weil er die Meinung anderer Leute nicht akzeptiert", sagte er über van Gaal und gab eine ziemlich genaue Beschreibung des Wesens eines Diktators ab. Der Coach habe eben jene Spieler kontinuierlich geschwächt, auf die es angesichts der misslichen Lage mit Ausfällen von Robben, Ribery, van Bommel, Klose und anderen jetzt ankomme.

"Es wäre besser gewesen, wenn der ein oder andere Spieler stark gemacht worden wäre. Da ist dem einen oder anderen Unrecht geschehen", sagte Hoeneßüber Profis wie Mario Gomez, Anatolij Timoschtschuk und Martin Demichelis, die van Gaal erst geflissentlich ignorierte und sogar verkaufen wollte. Dann, als zahlreiche Stars ausfielen, musste er gezwungernermaßen auf sie setzen.

"Ich sitze auf der Tribüne und sehe drei Tore von Leuten, die längst weg sollten", sagte Hoeneßüber das 4:2 gegen den SC Freiburg, bei dem Demichelis, Gomez und Timoschtschuk trafen. "Da sind vier, fünf Spieler bei uns falsch eingeschätzt worden. Dabei sind sie sehr wohl sehr brauchbar", sagte Hoeneß. Das sei van Gaal auch schon so nähergebracht worden. "Der Vorstand hat gesagt: Jetzt ist genug. Jetzt sind sie da und helfen uns, die Kohlen aus dem Feuer zu ziehen." Allein: "Er wird die Kritik aufnehmen, aber nicht annehmen."

Attacke wohl überlegt

Hoeneß hatte sein verbales Bombardement geplant. Sein Auftritt beim Pay-TV Sky-Sender stand seit rund vier Wochen fest, und obwohl er wegen eines Staus erst unmittelbar vor Sendungsbeginn im Studio eintraf, war er gut vorbereitet. Hoeneß verglich van Gaal auch mit anderen "großen Trainern" - und der Coach kam dabei äußerst schlecht weg. Alle anderen, meinte Hoeneß, seien "irgendwo zugänglich für Vorschläge" gewesen. Van Gaal nicht.

Etwas überraschend kam Hoeneß' Volte schon: Nach stürmischem Saisonbeginn hatten die Bayern van Gaal demonstrativ den Rücken gestärkt und dessen Vertrag bis 2012 verlängert. "Man muss Dinge zu einem Zeitpunkt auf den Punkt bringen, wo man noch Chancen hat, Probleme zu lösen", sagte Hoeneßüber den Grund für sein Vorpreschen. Schließlich "wollen wir noch deutscher Meister werden. Wenn man sich nur in den Armen liegt, wird man nicht deutscher Meister."

Spieler halten sich zurück

Die Spieler werden Hoeneß' Aussagen wohlwollend vernommen haben, öffentlich zugeben wollte das gleichwohl keiner. "Ich brauche keine Sonderbehandlung oder Getätschel, wenn ich nicht spiele", sagte in Andreas Ottl einer, den van Gaal auch erst in höchster Not brachte. Gomez betonte, er habe "immer akzeptiert, dass der Trainer entscheidet".

Die Entscheidungsfindung bezüglich der Startelf in Cluj ist für van Gaal am Montag etwas einfacher geworden. Olic muss wegen eines Außenmeniskus- und Knorpelschadens operiert werden. In Rumänien fehlen den Bayern damit bis zu neun Profis, bei Holger Badstuber (Schambeinentzündung) hofft van Gaal noch. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagte Olic über seine Verletzung. Van Gaal wird am Sonntagabend vor dem Fernseher ähnlich gedacht haben.

© SID

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