Fußball Bundesliga
Bernd Schneider muss Karriere als Profi beenden

Bernd Schneider beendet mit sofortiger Wirkung seine Karriere als Profi-Fußballer. Eine Rückenmarksverletzung verhindert die Fortsetzung der Laufbahn des "weißen Brasilianers".

Der "weiße Brasilianer" dribbelt nicht mehr. Aus gesundheitlichen Gründen und seiner Familie zuliebe hat der 81-malige Nationalspieler Bernd Schneider am Freitag überraschend sein Karriereende bekanntgegeben. Der 35 Jahre alte Mittelfeldspieler, der seinen noch ein Jahr laufenden Profi-Vertrag bei Bayer Leverkusen auflöste, musste diese "schwere Entscheidung" aufgrund einer Rückenmarksverletzung, die er sich im April 2008 bei einem Sportunfall zugezogen hat, treffen.

"Trage Verantwortung für meine Familie"

"Ich habe seit diesem Unfall gesundheitliche Probleme. Deshalb bin ich nach Rücksprache mit meinen Ärzten in der vergangenen Woche zu der Entscheidung gekommen, einen Schlussstrich unter meine Profilaufbahn zu ziehen. Das war nicht einfach für mich, denn Fußball ist für mich Leidenschaft. Aber der Schritt musste leider sein, schließlich trage ich auch Verantwortung für meine Familie", sagte Schneider dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Der Vize-Weltmeister von 2002, der sich aufgrund seiner Kabinettstückchen im Finale von Yokohoma gegen Brasilien (0:2) den Spitznamen "weißer Brasilianer" verdiente, wird von Bayer ein Abschiedsspiel erhalten. "Das ist eine große Geste", bemerkte Schneider, der in seiner Karriere insgesamt 296 Erstliga- und 124 Zweitliga-Einsätze absolvierte. Zudem wird er dem Fußball und zunächst auch dem Werkslub verbunden bleiben.

Schneider sieht berufliche Zukunft "weiter im Fußball"

"Ich sehe meine berufliche Zukunft weiter im Fußball, wie die aber genau aussehen wird, weiß ich im Moment noch nicht. Ich freue mich aber, dass mir Bayer spontan angeboten hat, eine andere Tätigkeit im Verein auszuüben", berichtete der in Jena geborene Vollblutfußballer. In Leverkusen wird er zunächst mal im Scouting- und Jugendbereich mitarbeiten, gleichzeitig will er den Kontakt zu seinen alten Kollegen im Verein und auch bei der Nationalelf pflegen.

Joachim Löw würdigte im fernen Südafrika den Routinier: "Über viele Jahre hinweg war er ein wichtiger Spieler unseres Teams, der großen Anteil an vielen Erfolgen hatte. Spätestens seit der WM 2002 stand er bei den Fans ganz hoch im Kurs. Die spielerischen Qualitäten von Bernd und seine überraschenden Aktionen im Mittelfeld waren für die Nationalmannschaft von enormer Bedeutung."

Der Bundestrainer betonte zudem, dass Schneider "einer unserer Leitfiguren auf und außerhalb des Platzes" war, "der auch menschlich ein Vorbild ist. Es ist schade, dass er sich vor der Euro 2008 so schwer verletzt hat, dass er in der Bundesliga und in unserem Team seine tollen Fähigkeiten nicht mehr unter Beweis stellen konnte."

Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack erklärt zum Karriereende seines Freundes: "Diese Entwicklung ist schade. Die Nationalmannschaft verliert nicht nur einen überragenden Fußballspieler, sondern auch eine große Persönlichkeit. Ich hätte gerne mit Schnix noch ein großes Turnier zusammen gespielt. Dass dies nun nicht mehr möglich sein wird, bedauere ich sehr."

"Ein Stück der Geschichte von Bayer Leverkusen"

Auch bei Bayer machte man deutlich, dass man eine Identifikationsfigur verliert. "Bernd ist ein Stück der Geschichte von Bayer Leverkusen. Wir haben mit dem weißen Brasilianer fußballerische Sternstunden erleben dürfen. Er wird unserem Verein fehlen", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler ergänzte: "Bernd ist ein ganz großer Fußballer gewesen, der uns in Deutschland und bei Bayer mit seiner Spielkunst verzaubert hat. Zudem ist Bernd ein sehr angenehmer und bescheidener Mensch."

Schneider, der am 28. Juli 1999 in Guadalajara beim 2:0 gegen Neuseeland sein Debüt im DFB-Team gegeben hatte und sein letztes Länderspiel am 6. Februar 2008 beim 3:0-Auswärtssieg in Österreich bestritt, genoss die Wertschätzung. "Es ist schön, wenn so von einem gesprochen wird. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft in anderer Funktion noch einiges für den Fußball leisten kann."

Er selbst werde aus seiner aktiven Zeit, in der ihm trotz vieler positiven Erlebnisse ein Titel verwehrt geblieben war, neben der WM-Endrunde 2002 vor allem das Sommermärchen bei der WM 2006 in Deutschland in Erinnerung behalten. "Das war das Größte, was ein Fußballer erleben kann. Wie uns damals die deutschen Fans unterstützt und gefeiert haben, wird für uns alle unvergesslich bleiben", sagte er und träumte noch einmal von seiner aktiven Zeit.

© SID

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