Fußball Bundesliga
Bielefeld sucht noch den "Retter"

Nach der Entlassung von Trainer Michael Frontzeck kehrt in Bielefeld keine Ruhe ein. Als Favorit für den Posten des neuen Cheftrainers gilt wohl Koblenz-Coach Uwe Rapolder.

Der "Retter" ist noch nicht gefunden, die Spekulationen schießen ins Kraut und die Fans proben den Aufstand: Bei Bundesligist Arminia Bielefeld ist nach der Entlassung von Trainer Michael Frontzeck noch nicht die erhoffte Ruhe eingekehrt. Wer die Mannschaft im wichtigen letzten Saisonspiel am Samstag (15.30 Uhr/live bei Premiere) gegen Hannover 96 betreuen und zumindest den Sprung in die Relegation schaffen soll, ist noch offen.

Noch nicht einmal klar ist, ob Sportchef Detlev Dammeier als Coach einspringt, ein "Feuerwehrmann" mit klarem Rettungsauftrag wie Jörg Berger kommt oder bereits ein Coach, der das Team unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit auch in der kommenden Saison trainieren soll. Am Montag gab es weder ein Training, noch eine Pressekonferenz, und die Verantwortlichen wanderten von Sitzung zu Sitzung.

Nahezu jeder Coach Kandidat

In den Medien und Internetforen wird derweil nahezu jeder Coach als Kandidat genannt, der entweder frei ist oder im entferntesten eine Arminia-Vergangenheit hat. Als Favorit kristallisiert sich dabei überraschenderweise Uwe Rapolder heraus, obwohl dieser noch mit dem Zweitligisten TuS Koblenz gegen den Abstieg kämpft und sein Abschied nach der ersten Amtszeit 2005 alles andere als geräuschlos erfolgte.

Rapolder kündigte damals nach etlichen Treueschwüren den Wechsel zum 1. FC Köln an und wurde kurzerhand entlassen. Gerüchte über eine Rückkehr gab es zwar immer wieder. Doch als diese 2007 zuletzt aufkamen, schritt der Vorstand ein. Rapolder erklärte damals, er wäre gerne Nachfolger des zurückgetretenen Thomas von Heesen geworden. Die "Hochzeitsgesellschaft" (also die Fans) hätten dies angeblich auch gerne gesehen, nur der "Brautvater" (also der Vorstand) habe es verhindert.

Rapolder: "Habe mich in Bielefeld sauwohl gefühlt"

Die neuen Gerüchte dementierte Rapolder nicht. Sein Name werde in Bielefeld eben immer genannt, sagte er nur. Und er denke gerne an die Arminia zurück, "weil ich da vor fünf Jahren eine Ära eingeleitet habe, die sehr lange gehalten hat. Ich habe mich da sauwohl gefühlt."

Die neuerliche Panne in Koblenz mit drohendem Punktabzug nach einem Wechselfehler hat dem 50-Jährigen die Freude an seiner dortigen Tätigkeit möglicherweise engdültig verdorben. Noch eine Woche zuvor hatte er eifrig über die Zustände im Verein genörgelt. Ein mögliches Szenario ist deshalb: Dammeier oder Ex-Nationalspieler Jörg Böhme (derzeit Co-Trainer der 2. Mannschaft) betreuen das Team gegen Hannover, Rapolder - für den Fall, dass die Arminia in die Relegation muss und Koblenz nicht - bereits in den Entscheidungsspielen gegen den Dritten der 2. Liga sowie in der neuen Saison.

Fans wütend auf Vorstand

Derweil konzentriert sich die Wut der Fans auf den Vorstand. Die einen betrachten die Entlassung von Frontzeck, der nur sieben von 50 Spielen gewann und laut Bild nur 100 000 Euro Abfindung erhält - als ungerechtfertigt. Für die anderen ist sie zu spät erfolgt. Für das Spiel gegen Hannover wurde vielerorts zu einer Demonstration gegen die Vereinsführung aufgerufen.

An der Gerüchtebörse werden dagegen neben Rapolder zahlreiche Namen gehandelt. Für den Fall des Klassenerhalts soll der Ex-Schalker Mirko Slomka gute Chancen haben, beim Abstieg könnte der bei Zweitligist LR Ahlen im Frühjahr entlassene Ex-Armine Christian Wück mit dem Neuaufbau betraut werden. Auch derzeit arbeitslose Fußballlehrer wie Michael Skibbe, Rudi Bommer oder der einst als Profi in Bielefeld aktive Frank Pagelsdorf werden genannt.

Gerüchte auch um Labbdia

Gleiches gilt für den früheren Arminen-Coach Benno Möhlmann, der seine Zukunft bei Zweitligist Spvgg Greuther Fürth noch offen ließ oder den einstigen Bielefelder Publikumsliebling Bruno Labbadia. Gerüchte um dessen Zukunft hatte die Vereinsführung von Bayer Leverkusen aber zuletzt heftig dementiert.

© SID

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