Fußball Bundesliga
Bremer Fans zeigen Courage gegen Rechts

Nach dem Spiel Bremens beim VfL Bochum sind Werder-Fans gegen einige Anhänger des eigenen Teams vorgegangen, die erneut ihre rechtsgerichteten Plakate ausrollen wollten.

Die Fans von Bundesligist Werder Bremen haben beim Auswärtsspiel in Bochum mit einer Aktion gegen eine rechtsgerichtete Gruppierung für Aufsehen gesorgt. Als kurz nach Spielende (0:0) im Stadion sechs Mitglieder der polizeibekannten Organisation "Nordsturm Hansestadt Bremen" zum wiederholten Mal ein Plakat mit ihrem Logo ausrollen wollten, skandierten die Fans der Grün-Weißen lautstark "Nazis raus" und provozierten - vereinzelt allerdings auch durch Handgreiflichkeiten - einen Einsatz der Polizei.

"Es entspricht den Vorstellungen von DFB und DFL, dass die Fans nicht wegschauen, wenn Wirrköpfe und Verblendete die Bühne des Fußballs missbrauchen wollen, sondern in Solidarität schnell und entschlossen handeln, um solche Chaoten in ihre Grenzen zu weisen. Wie sie reagiert haben, ist das, was ich immer unter dem Stichwort "Allianz der Vernünftigen" bezeichne", sagte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in einem Interview in der Montag-Ausgabe des Hamburger Abendblatts.

"Zum eigenen Schutz in Gewahrsam genommen"

"Elf Personen haben während des Spiels mehrfach ein Spruchband gezeigt, auf dem die vier Buchstaben "Nshb" der Gruppierung sowie ein stilisierter Totenschädel zu sehen waren. Sechs Personen aus dieser Gruppe, die der Polizei bekannt ist und dem rechten Spektrum angehört, wurden unmittelbar nach Spielende von uns im Block zu ihrem eigenen Schutz in Gewahrsam genommen", berichtete Polizei-Einsatzleiter Ulrich Grzella dem sid.

Grzella hob hervor, dass kein Straftatbestand vorliege. Deshalb wurden die Personen nach einer Befragung noch am Samstagabend von der Bundespolizei per Zug zurück nach Bremen geschickt. Eine Rückreise mit dem Fan-Sonderzug, die die Gruppe ursprünglich angestrebt hatte, habe die Polizei "aus Sicherheitsgründen" untersagt.

Allofs: "Eine gute Aktion unserer Fans"

"Eine gute Aktion unserer Fans", meinte Sportdirektor Klaus Allofs, "das ist nicht das Gedankengut von Werder Bremen". Der Ex-Nationalspieler glaubt, dass sich die Gruppierung in den Werder-Block "eingeschleust" hat.

Die Gruppe ist schon mehrfach unangenehm aufgefallen. Unter anderem sollen "Nordsturm"-Anhänger auch unter den Hooligans gewesen sein, die im Januar 2007 eine Veranstaltung eines links gerichteten Ultra-Fanklubs im Ostkurvensaal des Bremer Weserstadions überfallen hat. Damals wurden mehrere Personen zum Teil schwer verletzt.

Klub-Mediendirektor Tino Polster verwies nach den Zwischenfällen in Bochum auf das "sehr vitale Anti-Diskriminierungs-Programm", für das Werder vor dem Länderspiel gegen England am 19. November in Berlin als einer von drei Preisträgern mit dem "Julius-Hirsch-Preis 2008" ausgezeichnet wird. "Die wahren Fans haben in dieser Situation auf beeindruckende Weise Zivilcourage und Mut demonstriert. Ich denke, dass man stolz auf diese schnelle und kompromisslose Reaktion unserer Anhänger sein kann."

Zwanziger will sich bei Fans bedanken

Der Preis in Erinnerung an den in Auschwitz ermordeten jüdischen Nationalspieler war vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Jahr 2005 als eine Konsequenz aus der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Rolle des Verbandes in der NS-Zeit gestiftet worden. Er zeichnet den Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus. Der Jury gehören unter anderem DFB-Präsident Zwanziger, Dosb-Präsident Thomas Bach und Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, an.

Zwanziger will sich öffentlich bei den Bremer Fans für ihre Zivilcourage bedanken: "Ich habe bereits Kontakt mit Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball aufgenommen und mit ihm vereinbart, dass wir gemeinsam demnächst bei einem Treffen mit den Bremer Fans ein sichtbares Zeichen der Anerkennung zum Ausdruck bringen werden."

© SID

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