Fußball Bundesliga
Bundesliga will "Zeichen gegen Rassismus setzen"

Im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus in den Stadien wird auch der deutsche Fußball aktiv. "Die Menschen müssen erkennen, was der Rassismus in deutschen Stadien anrichtet", erklärt DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger.

Der deutsche Fußball wehrt sich gegen Rassismus in den Stadien. 13 Jahre nach ihrer ersten Aktion gegen Fremdenhass setzen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Rahmen einer europäischen Aktionswoche und aus aktuellem Anlass am kommenden Wochenende ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung in den Stadien.

"Die Menschen müssen erkennen, was der Rassismus in deutschen Stadien anrichtet. Der entscheidende Punkt ist die Bewusstseinsbildung", erklärte DFB-Boss Theo Zwanziger, der sich als "politischer Präsident" insbesondere die Integration von Mädchen und Jungen mit Migrations-Hintergrund auf die Fahne geschrieben hat.

In allen Stadien von der Regionalliga bis zur Bundesliga werden von Freitag bis Montag Spieler und Zuschauer eine Karte mit der Aufschrift "Zeig dem Rassismus die Rote Karte" gemeinsam in die Höhe halten. In den vergangenen Wochen, seit dem Fall Asamoah in Rostock, war es bis hinunter zur Kreisklasse vermehrt zu Vorfällen mit fremdenfeindlichen Hintergrund gekommen.

"Wir wollen ein Zeichen setzen. Die Bundesliga steht für Internationalität, Weltoffenheit und Toleranz. Daher ist es uns ein Anliegen, diese europaweite Aktionswoche zu unterstützen", erklärte Ligaverbandspräsident Werner Hackmann. Im Jahr 1993 hatte der DFB nach Anschlägen auf Asylbewerberheime mit der Aktion "Mein Freund ist Ausländer" erstmals Stellung gegen rechtsradikale Gewalt bezogen.

Bereits am Dienstag hatte die Europäische Fußball-Union (Uefa) die Aktionswoche eingeleitet. In den Begegnungen der Champions League trugen die Kapitäne aller Vereine auf ihren Armbinden die Aufschrift "Vereint gegen Rassismus". "Wir können den Rassismus nicht in einer Woche besiegen, aber ich hoffe, dass nach diesen Aktivitäten mehr Mitglieder aus der Fußball-Familie den Kampf gegen Rassismus aufnehmen werden", erklärte der schwedische Uefa-Präsident Lennart Johansson.

Der französische Erstligisten AS Nancy ist mit seinem Kampf gegen Fremdenhass im Uefa-Cup allerdings schwer gescheitert. Die Uefa untersagte dem Team von Trainer Pablo Correa das Tragen von Trikots mit einem Anti-Rassismus-Slogan, da die von Nancy vorgesehene Fläche im Nacken nur für Sponsoren gedacht sei.

Eine öffentlichkeitswirksame Aktion von Seiten der mächtigen Sportverbände scheint dennoch unumgänglich. Denn die Euphorie um die von großer Gastfreundschaft geprägte WM verflacht zunehmend. Zudem vermeldete die Bundesregierung am Dienstag einen dramatischen Anstieg rechter Gewalt im gesamten Bundesgebiet. Das BMI errechnete einen Zuwachs fremdenfeindlicher Straftaten im Vergleich zum Vorjahr in Höhe von 21 Prozent. Gegenüber 2004 liegt der Anstieg sogar bei 56 Prozent.

In Fußball-Deutschland haben die Diskussionen um Fremdenhass wieder an Dynamik gewonnen, seit Nationalspieler Gerald Asamoah beim 9:1-Pokalerfolg seines Klubs Schalke 04 Anfang September bei Hansa Rostock II von den gegnerischen Fans mit rassistischem Gebrüll beleidigt worden war. Zu rassistischen Äußerungen kam es auch beim Spiel Alemannia Aachen gegen Borussia Mönchengladbach. Aachen wurde vom DFB-Sportgericht daraufhin zu einer empfindlichen Strafe in Höhe von 50 000 Euro verdonnert.

Hässliche Szenen spielten sich zudem beim von antisemitischen Vorfällen begleiteten Spielabbruch der Kreisliga-Begegnung zwischen VSG Altglienicke II und TuS Makkabi II in Berlin ab. Die Spieler des jüdischen Klubs Makkabi hatten in der Partie vom 26. September in der 78. Minute geschlossen das Spielfeld verlassen, nachdem sie wiederholt mit antisemitischen Parolen von einigen Zuschauern beleidigt worden waren.

© SID

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