Fußball Bundesliga
DFB ermittelt wegen Rassismus-Rufen in Aachen

dpa FRANKFURT/MAIN. Nach rassistischen Schmährufen beim Bundesliga-Spiel Alemannia Aachen gegen Borussia Mönchengladbach hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Ermittlungen gegen beide Vereine eingeleitet.

Der DFB-Kontrollausschuss will die Vorfälle untersuchen, bei denen zunächst der Gladbacher Kahe und später neuen Erkenntnissen zufolge auch der Aachener Moses Sichone von Zuschauern beleidigt worden waren. Das teilte der DFB mit.

DFB-Chef Theo Zwanziger forderte von den deutschen Vereinen ein härteres Durchgreifen im Kampf gegen Rassismus, nachdem bereits eine Woche zuvor in Rostock der Schalker Stürmer Gerald Asamoah beschimpft worden war. „Wir erwarten wesentlich stärkere Maßnahmen“, sagte Zwanziger der „Leipziger Volkszeitung“.

Bei der Partie in Aachen hatten Zuschauer aus dem Fanblock der Gastgeber den Brasilianer Kahe als „Asylant“ beleidigt. Schiedsrichter Michael Weiner drohte mit einer Spiel-Unterbrechung und schrieb nach der Partie einen Sonderbericht für den DFB. In der vergangenen Woche hatten sich die DFB-Referees darauf geeinigt, sofort auf rassistische Schmähungen zu reagieren und im Wiederholungsfall beide Mannschaften vom Platz zu führen oder sogar das Spiel abzubrechen.

Der DFB berichtete, auch der aus Sambia stammende Aachener Abwehrspieler Sichone sei beim West-Derby beschimpft worden. Die Rufe seien aus dem Gladbacher Fanblock gekommen. Der Verband forderte „zeitnahe Stellungnahmen“ von beiden Vereinen an. Nach Auswertung der Berichte will der DFB über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden.

Der jüngste DFB-Bundestag hatte beschlossen, entsprechend der Richtlinien des Weltverbands Fifa „diskriminierenden und menschenverachtenden Verhaltensweisen“ stärker entgegen zu treten. Spielern und Offiziellen drohen Sperren und Geldstrafen, Vereine können für Fehlverhalten ihrer Fans mit Punktabzug und sogar Ausschluss aus dem Wettbewerb bestraft werden.

„Wir bedauern die Vorkommnisse sehr“, sagte Alemannia Aachens Geschäftsführer Bernd Maas am Montagabend. „Solche Äußerungen haben in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Jeder, der diese oder ähnliche Schmährufe verbreitet ­ gegen wen auch immer ­ ist bei uns und unseren Fans unerwünscht.“

In der vergangenen Woche war Zweitligist FC Hansa Rostock nach Rassismus-Rufen gegen Fußball-Nationalspieler Asamoah beim DFB- Pokalspiel der zweiten Rostocker Mannschaft gegen den FC Schalke 04 zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro verurteilt worden. Zudem muss die Hansa-Reserve ein Oberliga-Spiel ohne Zuschauer bestreiten.

Trotz der Vorfälle im Rostocker Ostseestadion sprach sich DFB- Präsident Zwanziger gegen eine Absage des Länderspiels am 7. Oktober gegen Georgien an selber Stelle aus. „Ganz ehrlich, zwei Sekunden lang habe ich darüber nachgedacht. Aber dann muss man auch bedenken: Wen triffst du mit dieser Entscheidung? Wir hätten viele getroffen, die mit Rechtsradikalismus nun gar nichts am Hut haben“, sagte Zwanziger der „Leipziger Volkszeitung“.

Zugleich forderte der DFB-Chef die Clubs zum Handeln auf: „Die Vereine müssen auf solche Elemente aufpassen. Sie müssen die Damen und Herren beim Schlafittchen packen und raus.“

DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) riefen zudem im Vorfeld des Fair-Play-Tages des Weltverbands Fifa an diesem Donnerstag zu bundesweiten Aktionen auf. Spieler, Schiedsrichter, Fans und Offizielle sollten sich für den Fair-Play-Gedanken einsetzen, forderten Zwanziger und DFL-Präsident Werner Hackmann in einer gemeinsamen Erklärung.

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