Fußball Bundesliga
Diskussion um Torkamera flammt neu auf

Nach dem nicht anerkannten Führungstreffer von Hoffenheims Josip Simunic gegen Bayern München (1:1) werben alle Beteiligten einmal mehr kräftig für einen Einsatz von Torkameras.

Gleich zum Start in die neue Saison ist die Diskussion um die Einführung von Torkameras in der Bundesliga neu entfacht worden. Stein des Anstoßes war der Treffer von Hoffenheims Innenverteidiger Josip Simunic (10.), dem Schiedsrichter Babak Rafati (Hannover) am Samstagabend die Anerkennung verweigerte, beim 1:1 im Spitzenspiel zwischen den Kraichgauern und Bayern München. Sogar der Unparteiische gab zu: "Nach dem Studium der Fernsehbilder hätte ich das Tor geben müssen."

DFL-Chef Christian Seifert steht der Einführung von Torkameras durchaus positiv gegenüber. "Technisch wäre das kein Problem. Die Kameras sind nur noch so groß wie ein Fingernagel", sagte der 40 Jahre alte Vorsitzende der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball Liga im DSF-Doppelpass. Allerdings sind der DFL die Hände gebunden. Seifert: "Die Fifa ist dagegen, sie will einheitlich von der Kreisliga A bis zur Bundesliga spielen lassen."

Sowohl die Hoffenheimer als auch die Verantwortlichen vom deutschen Rekordmeister aus München sprachen sich für technische Hilfsmittel aus. "Die technischen Voraussetzungen sind ja inzwischen da, um einen Videobeweis in solchen Situationen unkompliziert umzusetzen. Ich bin auch überzeugt, dass er irgendwann kommen wird", sagte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick: "Aber das ist eine Sache des Weltverbandes Fifa - und solange der sich nicht dazu durchringen kann, müssen wir uns mit solchen krassen Dingen abfinden."

Süffisant bemerkte der 1 899-Coach über die Gralshüter im International Board des Weltverbandes Fifa: "Die darüber entscheiden, haben ein Durchschnittsalter von 82,5 Jahren..."

Auch die Bayern-Verantwortlichen befürworten Tor-Kameras

Unterstützung in Bezug auf technische Hilfsmittel bekam Rangnick von den Bayern, die von der Fehlentscheidung von Schiedsrichter Babak Rafati (Hannover) profitiert hatten. "Das sind menschliche Fehler. Deswegen bin ich ein totaler Verfechter der Torkamera", sagte Manager Uli Hoeneß.

Auch Meistertrainer Felix Magath ist für technische Hilfsmittel, sieht aber einen anderen Ansatz. "Ich bin für den Chip im Ball. Es handelt sich hier um Profisport und hat nichts mit dem Amateur-Fußball zu tun. Es geht hier um Existenzen", sagte der neue Coach von Schalke 04 im DSF und widersprach damit der Argumentationsgrundlage der Fifa.

Wie Magath hält auch DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel den Chip im Ball für die beste Lösung. "Das war der Wunsch des DFB, weil es den Mensch als Fehlerquelle ausgeschlossen hätte. Aber es wurde anders entschieden, die Fifa möchte keine technischen Hilfsmittel. Jetzt testen Fifa und Uefa den Torrichter", sagte Strigel dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Deutlich wurde auch Münchens neuer Trainer Louis van Gaal. "Es ist absolut lächerlich, dass in unserer modernen Zeit die Technik nicht genutzt wird", sagte van Gaal und nahm vor allem die Fifa und die Europäische Fußball-Union (Uefa) in die Pflicht: "Ich habe schon 1988 damals in den Niederlanden Versuche in diese Richtung gemacht. Aber Fifa und Uefa wollen das nicht. Das sagt alles."

Respekt bekundete Münchens Coach van Gaal indes seinem Trainerkollegen Rangnick. "Ich ziehe den Hut vor ihm, dass er nach dem Spiel noch so ruhig hier sitzt", sagte van Gaal.

Der Aufreger hatte sich in der 10. Minute beim Stand von 0:0 ereignet. Nach einem Kopfball von Hoffenheims Neuzugang Simunic an den Innenpfosten konnte Münchens Keeper Michael Rensing den Ball eindeutig erst hinter der Linie klären.

Auch Leverkusen fühlt sich benachteiligt

Auch im Spiel zwischen Aufsteiger FSV Mainz 05 und Bayer Leverkusen (2:2) sorgten zwei fragliche Entscheidungen für reichlich Gesprächsstoff. "Wir sind um zwei Punkte beschissen worden", schimpfte Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Referee Deniz Aytekin (Oberaspach) hatte ein vermeintliches Foul von Bayer-Neuzugang Sami Hyypiä an Aristide Bance mit einem Freistoß geahndet, den der Mainzer Daniel Gunkel zum Endstand verwertete (81.).

"Der Schiedsrichter steht zwei Meter daneben. Außerdem ist Bance drei Meter groß, und Fußball ist kein Schach. Das war nilmals ein Freistoß", haderte Völler und regte sich zudem über den nicht anerkannten "Siegtreffer" von Theofanis Gekas (85.) auf. Aytekin hatte das Tor fälschlicherweise wegen einer angeblichen Abseitsstellung des eingewechselten Griechen nicht anerkannt.

© SID

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