Fußball Bundesliga
FC denkt über Sportdirektor nach - Overath bleibt

Bundesligist 1. FC Köln überlegt, Fachkompetenz für den sportlichen Bereich ins Boot zu holen. Auch über Michael Meier müsse nachgedacht werden, sagte Präsident Wolfgang Overath.

Am Ende eines fürchterlichen Abends mit Anfeindungen, Spott und Häme wurde Wolfgang Overath auch noch gedemütigt. Die aufgebrachten Mitglieder des Bundesliga-Tabellenletzten 1. FC Köln verweigerten dem Präsidenten und seinem Vorstand am Mittwochabend auf der Jahreshauptversammlung erstmals die Entlastung - und damit die Gefolgschaft. Das Misstrauensvotum war ein schwerer Wirkungstreffer für den Weltmeister von 1974, der zuvor in einer emotionalen, aber inhaltslosen Rede trotz Rücktrittsgedanken die Fortsetzung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bekannt gegeben hatte.

Nach einer kurzen Nacht Bedenkzeit zeigte sich Overath am Donnerstag trotzig und als der starke Mann, den er immer gerne verkörpert. "Ob und wann ich einmal zurücktrete, das bestimme ich selbst. Das bestimmt nicht eine Gruppe von Chaoten", sagte der 67-Jährige dem Kölner Express. Die Tragweite seiner Aussage wurde ihm wenig später offenbar bewusst, via Klub-Internetseite sprach er von einer "kleinen Gruppe von Mitgliedern, die gezielt Stimmung mit Zwischenrufen gemacht hat".

2 009 war Overath noch mit 98 Prozent für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt und der Vorstand entlastet worden - auch von der "kleinen Gruppe". Anno 2010 schlägt ihm und seinem Führungsteam, das Verbindlichkeiten von 24,122 Mill. Euro mitzuverantworten hat, blanke Ablehnung entgegen.

Nach über sechs Jahren Amtszeit, einem Abstieg und vielen Versprechungen hat die Lichtgestalt des Kölner Fußballs ihre Strahlkraft verloren. Mit seiner Rede konnte Overath das Ruder nicht rumreißen. "Zwei Seelen" hätten in seiner Brust geschlagen, solle er sich das nochmal antun, oder "kämpfe ich?". Er entschied sich für das Kämpfen. "Ich will Ihr Vertrauen zurückgewinnen. Darum lasse ich sie nicht im Stich", rief er den 3 119 Mitgliedern - Versammlungsrekord - vom Podium in der Staatenhalle am Rheinpark entgegen.

Vertrauen in Schaefer und Lottner

Die hatten aber die Nase so voll. Von dem Auf und Ab, lustlosen Profis, erbärmlichen Heimspielen für teures Geld und den leeren Phrasen ihres Präsidenten. Overath hatte weder Strategien noch Lösungsmöglichkeiten angeboten. Dafür aber einen Zehn-Punkte-Plan, der nur Kopfschütteln verursachte. In Punkt eins wurde festgehalten, dass "der FC über allem steht", an dritter Stelle wolle man "jeden Stein umdrehen", fünftens die vor der Saison geformte "FC-Leitkultur glaubhaft leben". Punkt neun sah einen Sieg des FC in Stuttgart vor.

Position zehn brachte dann endlich den erhofften Applaus. "Wir wollen Frank Schaefer und Dirk Lottner die Möglichkeit geben, arbeiten zu können", sagte der FC-Boss, ohne aber über das "Wie" zu referieren. Und zu einem klaren Bekenntnis zum äußerst beliebten Trainer Schaefer, Nachfolger von Zvonimir Soldo, konnte sich Overath erneut nicht durchringen. Die Fans wollten einen Zeitraum hören. Der Boss verweigerte das: "Ich habe bereits vorher gesagt: Wir wollen mit ihm weiterarbeiten, egal was passiert. Diese Aussage steht."

Overath: "Wir werden da was machen"

Dass Overath den Forderungen des Fan-Volkes nach einer Trennung von Manager Michael Meier nicht nachkam, verstand sich in diesem Zusammenhang von selbst. Jeder Mensch, der arbeitet, mache Fehler. Auch Michael Meier habe Fehler gemacht, aber er werde ihn nicht entlassen, sagte der Präsident, der aber irgendwie die Situation retten wollte und die Installation eines Sportfachmannes in Erwägung zog: "Wir machen uns Gedanken um die Situation des Sportdirektors und um Michael Meier. Wir werden da etwas machen."

Doch die Mitglieder hatten genug, spätestens bei der Abstimmung über die Entlastung des Vorstandes. Per Stimmkarte wurde Zustimmung oder Ablehnung angezeigt - im Ergebnis nahezu pari. Als Verwaltungsratschef Rolf-Martin Schmitz ohne genaue Auszählung kurzerhand zugunsten des Vorstandes entschied, gingen die Fans auf die Barrikaden. Ein Vorgehen wie in einer Bananen-Republik wollten sie sich nicht bieten lassen. Die Ohrfeige folgte bei der Wiederholung: 1 317 mal Nein auf grauem Untergrund - zwei Drittel votierten gegen Overath.

© SID

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