Fußball Bundesliga
Frauen-Bundesliga will raus aus Kinderschuhen

Heute fällt der Startschuss für die Frauen-Bundesliga. DFB-Präsident Theo Zwanziger erwartet eine spannende Saison, in der "die Leistungsdichte sichtbar zunimmt."

Der heutige Startschuss für die zwölfte Saison der eingleisigen Bundesliga soll zugleich der Startschuss für eine neue Zeitrechnung im deutschen Frauenfußball sein. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die eintönige Dominanz der wenigen Spitzenteams vor ihrem Ende steht und einem spannungsgeladenen Titelkampf Platz machen wird. Schuld an dieser Entwicklung ist die WM 2011 in Deutschland, die rund 1 000 Tage vor dem Eröffnungsspiel ihre Schatten bereits vorauswirft.

"Ich freue mich auf den Start der Frauen-Bundesliga, in der im Zuge der Anstrengungen vieler Vereine, professionelle Strukturen zu entwickeln, die Leistungsdichte sichtbar zunimmt", erklärte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, seit Jahren Freund und Förderer des Frauen-Fußballs. Diese Professionalisierung wird vor allem vom DFB vorangetrieben. Zwei Mill. Euro Spitzenförderung, 68 000 Euro an TV-Geldern pro Verein und ehemalige Mitarbeiter der Männer-WM 2006 stellt der Verband zur Verfügung.

All diese Maßnahmen dienen in erster Linie einem Zweck: Die internationale Führungsrolle des deutschen Frauen-Fußballs, die durch den mäßigen Auftritt und den dritten Platz bei Olympia erschüttert wurde, soll gefestigt werden damit die Nationalmannschaft in drei Jahren im eigenen Land zum dritten Mal in Folge den Gewinn des Weltpokals feiern kann.

Nachfolger für alternde Stars sollen sich zeigen

Zwanziger macht keinen Hehl daraus, dass die Bundesliga in den kommenden Jahren neben dem Kampf um den Titel und gegen den Abstieg auch diesem Ziel verpflichtet ist. "Rund 1 000 Tage vor dem Anstoß der Frauen-Fußball-WM in Deutschland geht es für viele Talente auch darum, sich in den Blickpunkt der Nationalmannschaft zu spielen", sagte der DFB-Boss. Im Klartext bedeutet dies, dass Nachfolgerinnen für die "alternden Stars" um Birgit Prinz gefunden werden sollen.

Eine verschärfte Konkurrenz (Zwanziger: "Der Letzte muss den Ersten schlagen können") kann dabei helfen. Neben Triple-Gewinner 1. FFC Frankfurt und Vizemeister FCR Duisburg haben Ex-Meister Turbine Potsdam sowie Bayern München ihre Ambitionen angemeldet. Auch der VfL Wolfsburg will vorne mitmischen. Dabei geht der Branchenprimus aus Frankfurt mit dem Vorteil des höchsten Etats (eine Million Euro) ins Rennen. Es folgen Wolfsburg (750 000 Euro), Duisburg, Bayern und Potsdam (jeweils 500 000 Euro).

Vier bis sechs Teams können "oben" mitspielen

Wenn es nach FFC-Manager Siegfried Dietrich geht, dann werden diese Summen schon in absehbarer Zeit in die Höhe schnellen. Der Funktionär, der mit seinem Klub "alle drei Titel verteidigen will" und der nach der WM 2011 das Halbprofitum anstrebt, geht davon aus, dass sich Männer-Bundesligisten zukünftig stärker bei den Frauen engagieren werden: "Die Klubs, die bis dahin nicht professionell arbeiten, werden es schwer haben."

Der hohe Etat des Rekordmeisters aus Frankfurt lässt Duisburgs Trainerin Martina Voss allerdings kalt. "Wir wollen Meister werden", sagte Voss und prophezeit einen harten Kampf an der Spitze: "Ich erwarte, dass vier bis sechs Teams oben mitspielen werden. Ich glaube, dass die Liga an Qualität gewonnen hat. Und ich bin froh, dass die Ergebnisse nicht mehr so vorhersehbar sind."

Allerdings ist die Liga in den kommenden Jahren auch dazu verdammt, eine größere Brisanz zu entwickeln. Nur so kann die Eliteklasse aus dem übermächtigen Schatten des Nationalteams - von dessen Erfolg sie nach wie vor abhängig ist - treten. Während das DFB-Team mittlerweile regelmäßig im TV zu sehen ist und die Stadien füllt, lag der Zuschauerschnitt in der vergangenen Bundesliga-Saison noch bei überschaubaren 885 Besuchern.

© SID

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