Fußball Bundesliga
Ganz Wolfsburg im Meisterrausch

100 000 Fans feierten in Wolfsburg die erste deutsche Meisterschaft in der Geschichte des Vereins. Feuerwerk und Autokorsos verwandelten Wolfsburg in eine pulsierende Metropole.

Ein krachendes Feuerwerk, eine Lichterorgie in Grün und 100 000 begeisterte Fans - die erste deutsche Meisterschaft für den VfL Wolfsburg verwandelte die sonst so nüchterne Retortenstadt in eine für wenige Stunden pulsierende kleine Metropole. Nur im Schritttempo kam der Autokorso von der VfL-Arena ins Stadtzentrum voran, der Zeitplan der Feierlichkeiten geriet aus den Fugen.

Da war selbst Stadtoberhaupt Rolf Schnellecke völlig aus dem Häuschen. "Einen solche Triumph hat Wolfsburg noch nicht erlebt. Es müssen ja nicht immer die Bayern Meister werden", entfuhr es dem Oberbürgermeister und Ministerpräsident Christian Wulff, eigentlich mehr dem VfL Osnabrück zugetan, beschwor schon vor dem Wechsel von Trainer Felix Magath zu Schalke 04 dessen Rückkehr: "Irgendwann kommt Felix zu uns zurück."

Niemand vermisste den fehlenden Balkon

Ferne Zukunft für die Fans, die sich an der Meisterschale und ihren Lieblingen gar nicht sattsehen konnten. In schmucken Cabrios enterten die Wolfsburger Spieler die Showbühne vor dem Rathaus, niemand vermisste den fehlenden Balkon. Und die Begeisterung schwappte fast über, als Torschützenkönig Grafite, der beim 5:1 (3:1)-Sieg gegen Werder Bremen die Saisontore Nummer 27 und 28 erzielt hatte, seinen Verbleib bei den Niedersachsen versprach: "Ich will bleiben und schon in der nächsten Woche einen Vertrag unterschreiben."

Zu einem solchen Bekenntnis ließ sich sein Sturmpartner Edin Dzeko nicht hinreißen. Der Bosnier, auch beim ZDF-Torwandschießen mit 2:2 auf Ballhöhe mit dem Brasilianer, kann sich einen Wechsel, zum Beispiel in die Premier League, durchaus vorstellen. Aber zunächst stand die Party mit den Fans und anschließend die interne Feier im noblen Ritz-Carlton-Hotel für den Bosnier im Vordergrund: "Heute ist der beste Tag in meinem Leben."

Und als die Dunkelheit über Wolfsburg hereinbrach, schimmerten die Kraftwerkstürme des Volkswagen-Werks in meisterlichem Grün, irgendwie auch ein Zeichen der Hoffnung, dass der neue Coach Armin Veh den Erfolgsweg seines Vorgängers Felix Magath in der Meisterschaft und der Champions League fortsetzen kann. "Wir glauben an eine gute Zusammenarbeit", verkündete der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

Magath: "Ihr macht es mir nicht leicht!"

Da aber hatte Magath - ungewohnt emotional - bereits Abschied genommen von den VfL-Fans. "Ihr macht es mir nicht leicht! Ich bin schon viele Jahre Trainer. Es war bisher aber keine Station so schön wie die zwei Jahre hier in Wolfsburg", rief der 55-Jährige der jubelnden Masse zu und erntete derart tosenden Beifall, dass Volkswagen-Boss Dr. Martin Winterkorn merklich zusammenzuckte.

Aber wie es sich für rechtschaffende Autobauer gehört, artete die Siegesfreude nicht in unangenehme Begleitumstände aus. Zwar enterten einige hundert Fans nach dem Schlusspfiff den Rasen der VfL-Arena, doch sie erwiesen sich als handzahme "Wölfe", die lediglich das ins Maßlose übersteigerte Sicherheitsbedürfnis der DFL-Funktionäre karikierten. Und auch die Wolfsburger Polizei meldete eine ruhige Nacht ohne Verletzte, nur einige wenige Betrunkene mussten vorübergehend in Gewahrsam genommen werden.

© SID

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