Fußball-Bundesliga
Geld schießt Tore

Die Bundesliga startet in eine Rekordsaison – und zerfällt gleichzeitig in Arm und Reich: Nie zuvor haben die Top-Vereine für so viel Geld neue Spieler gekauft. Das ist notwendig, um nicht international den Anschluss zu verlieren. Die Strategie birgt aber auch Risiken.
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DÜSSELDORF. Als die Spieler auf die Steintreppe zulaufen, kommt Bewegung in die Menge: „Roberto!“ „Pavel!!“, rufen die Fans, zücken ihre Foto-Handys und fangen ihre Stars per Schnappschuss ein. Doch für Autogramme haben die Deutschen Meister keine Zeit: Schnelligkeitstrainer Günter Kern scheucht die Nationalspieler Roberto Hilbert (Deutschland) und Pavel Pardo (Mexiko) zusammen mit den übrigen immateriellen Vermögensgegenständen des VfB Stuttgart im Sprinttempo übers Feld: „Hopphopphopp, jaaaaa – prima.“ An den Anhängern vorbei flitzen die laufenden Kosten des Bundesligaprimus.

Die Stuttgarter haben sich viel vorgenommen. Um den Titel zu verteidigen und in der Champions League möglichst weit vorzustoßen, hat der VfB tief ins Portemonnaie gegriffen: Mitte Juli holte er den rumänischen Stürmer Ciprian Marica – rund acht Millionen Euro soll seine Ablöse gekostet haben. Er schraubt damit die Transferausgaben der Stuttgarter auf rund elf Millionen Euro hoch.

Die Liga ist im Geldrausch. Insgesamt mehr als 170 Millionen Euro haben die 18 Vereine der obersten deutschen Fußballliga zur neuen Spielzeit, die am 10. August angepfiffen wird, in ihre Mannschaften investiert – so viel wie nie zuvor. Werder Bremen leistete sich mit den 7,8 Millionen für den brasilianischen Stürmer Carlos Alberto den teuersten Zukauf der Vereinsgeschichte, 5,8 Millionen machte der Hamburger SV für Mohamed Zidan vom Absteiger FSV Mainz locker. Das meiste Geld gab Bayern München aus und verpflichtete für zwölf Millionen Euro Ablöse Nationalspieler Miroslav Klose, Luca Toni vom AC Florenz aus Italien für elf und Franck Ribéry von Olympique Marseille gar für stolze 25 Millionen Euro. Insgesamt investierte der Rekordmeister mehr als 70 Millionen Euro.

Die Bundesliga rüstet auf – und stößt in neue Dimensionen vor. Dank der neu eingekauften Spitzenfußballer aus dem Ausland verkaufen die Bundesligaklubs nicht nur so viele Dauerkarten wie nie. Geht die riskante Rechnung auf, haben die deutschen Top-Vereine auch seit Langem wieder eine Chance gegen die von TV-Milliarden und potenten Investoren gepamperten Rivalen aus den englischen, spanischen und italienischen Ligen.

Denn sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg sind im Fußball eng verknüpft. So locken die neuen Stars nicht nur mehr Zuschauer, sondern auch Sponsoren. Die US-Investmentbank Morgan Stanley – maßgeblich für die Sanierung Borussia Dortmunds verantwortlich – hat beim Einstieg bei dem Bundesligisten ihre Mathematiker darauf angesetzt, den Zusammenhang zu entschlüsseln. Ergebnis der bislang unter Verschluss gehaltenen Studie ist, dass sich Investitionen in teure Spieler tatsächlich rechnen – zumindest kurzfristig. Mit erstaunlicher Treffsicherheit lässt sich ermitteln, dass ein Verein im Schnitt 1,7 Millionen Euro zusätzlich an Nettotransfersumme – den Ausgaben für Spielereinkäufe abzüglich der Einnahmen aus Verkäufen – investieren muss, um in einer Saison einen Platz in der Tabelle nach oben zu rücken. An den Bayern wird in der kommenden Saison demnach kein Weg vorbeiführen, Schalke wird im Titelrennen kaum eine Rolle spielen.

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