Fußball Bundesliga
Gelsenkirchen hilft Schalke aus der Klemme

Die Saison ist gerettet, 87 Millionen Euro Schulden sind auf einen Schlag „verschwunden“ – dennoch sind die fetten Jahre für Schalke 04 vorbei. Mit dem Ausverkauf des Tafelsilbers hat der Traditionsklub aus dem Revier den Kopf aus der Schlinge gezogen. Ein drohender Punktabzug ist damit aber noch nicht endgültig vom Tisch.
  • 1

HB/mr DÜSSELDORF/GELSENKIRCHEN. Die städtische Gesellschaft für Energie und Wirtschaft GEW, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, übernimmt gemeinsam mit einem nach Vereinsangaben "bedeutenden nationalen Kreditinstitut" für bis zu 15 Millionen Euro Kommanditanteile an der FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Immobilienverwaltungs KG, teilte der FC Schalke 04 am Donnerstag mit. Außerdem erhält die Arena-Betreibergesellschaft den Angaben zufolge von der GEW und der Bank ein Darlehen von 10,5 Millionen Euro. Dadurch wird sie in die Lage versetzt, vom Verein für die Finanzierung des Stadionbaus gewährte Darlehen in gleicher Höhe wieder an den FC Schalke 04 zurückzuführen. Damit fließen den klammen Knappen insgesamt 25,5 Millionen Euro in die leere Kasse.

Der Klub wertete das Abkommen als Etappenziel. „Das ist ein wichtiger Schritt. Damit ist die laufende Saison 2009/10 durchfinanziert. Wir befürchten definitiv keinen Punktabzug“, sagte Finanzvorstand Peter Peters mit Blick auf das Nachlizenzierungsverfahren bei der DFL, zu dem die Königsblauen am 31. Oktober beim Ligaverband antreten müssen. Der Termin der Bekanntgabe – nur zwei Tage vor der Einreichungsfrist für die Nachlizenzierungsunterlagen – sei „ein kurioser Zufall“. „Die Lizenz des FC Schalke 04 war zu jeder Zeit gesichert. Wir sehen der Nachlizenzierung gelassen entgegen“, sagte Peters. Auch die nächste Saison und die folgenden Jahre seien finanziell abgesichert. "Ein weiterer Verkauf von Rechten, Anteilen oder Spielern ist aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nicht notwendig."

Der traditionsreiche Fußball-Bundesligist wird von einem gewaltigen Berg von Schulden gedrückt: Der FC Schalke 04 hatte in seiner für das Kalenderjahr 2008 erstellten und veröffentlichten Bilanz zum 31. Dezember 2008 Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 137 Millionen Euro. Die Arenagesellschaft hatte nach Angaben des Vereins vom Mittwoch zum gleichen Zeitpunkt Gesamtverbindlichkeiten von insgesamt 113 Millionen Euro. Weil Schalke 77 Prozent an der Gesellschaft hält, liegt der Vereinsanteil an den Arena-KG-Schulden derzeit bei 87 Millionen Euro, die auch bilanziert werden müssen. Nach dem Verkauf der Kommanditanteile muss Schalke diesen Posten in der Konzernbilanz aber nicht mehr konsolidieren, weil der Anteil des Vereins durch den Deal auf unter 50 Prozent sinkt.

Schalke sicherte sich zugleich eine Rückkaufoption für die Arena-Anteile. Es sei „ganz wichtig“, dass die Anteile „nicht endgültig verkauft wurden“, sagte Peters. Nach Ablauf von zehn Jahren hat der Verein die Möglichkeit, diese Anteile zurück zu erwerben - ein wesentlicher Vorteil gegenüber der Lösung, auf die Stephen Schechter nach Informationen der "Welt am Sonntag" gedrängt haben soll: Der Londoner Finanzmakler Schechter, der den Schalkern vor sechs Jahren eine Anleihe in Höhe von 85 Millionen Euro vermittelt hatte, hatte den Schalkern angeblich vorgeschlagen, die Stadionbetreibergesellschaft in eine börsennotierte Immobiliengesellschaft, einen so genannten Reit, umzuwandeln.

Seite 1:

Gelsenkirchen hilft Schalke aus der Klemme

Seite 2:

Kommentare zu " Fußball Bundesliga: Gelsenkirchen hilft Schalke aus der Klemme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn anderswo (z.b. in Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, Köln, Hannover, berlin, bremen, Kaiserslautern u.a.) nicht-multifunktionale Stadien von vornherein komplett auf Kosten und Risiko des Steuerzahlers und ohne beteiligung der Vereine gebaut wurden und werden, dann ist es erst recht legitim, wenn sich auch die Stadt Gelsenkirchen zu einem Teil an der Finanzierung der multifunktionalen Schalker Arena (vorübergehend) beteiligt.

    Es ist ja auch nicht wahr, dass dort der Steuerzahler einen Profiverein ohne Gegenleistung subventioniert, wie in anderen Städten (Frankfurt, Kaiserslautern, Dortmund, berlin) übrigens schon mehrfach geschehen,ohne dass das kritisiert wurde. Denn die Stadt Gelsenkirchen (bzw. die GEW) kauft vielmehr Anteile an der multifunktionalen Arena, erwirbt also einen Wert (viele sagen: Schalkes Tafelsilber), der sehr wahrscheinlich Rendite abwerfen wird - und rettet damit sein Aushängeschild, seinen imageträger, seinen mit Abstand wichtigsten Wirtschaftsfaktor und zweitgrößten Steuerzahler und zweigrößten Arbeitgeber in der Stadt Gelsenkirchen.

    Man muss nun wirklich kein Schalke-Fan sein, um das vollkommen legitim zu finden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%