Fußball Bundesliga
Gladbach schnallt den Gürtel enger

Der Gang in die 2. Bundesliga wird für Borussia Mönchengladbach nicht nur sportlich ein ganz schwerer. Auch finanziell müssen die "Fohlen" kräftig abspecken. Der Etat wird um 40 Prozent heruntergefahren.

Sportlich eine Katastrophe, finanziell ein Drahtseilakt: Seit anderthalb Wochen muss sich der fünfmalige deutsche Meister Borussia Mönchengladbach mit der künftigen Situation als Mitglied von Liga zwei vertraut machen.

"Natürlich ist der Abstieg bitter. Natürlich wissen wir, dass im nächsten Jahr rund acht Mannschaften aufsteigen wollen. Aber immerhin haben wir nicht, wie bei unserem ersten Abstieg 1999, 15 Mill. Euro Schulden", sagte Geschäftsführer Stephan Schippers dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Trotzdem: Wir müssen den Cent nicht nur umdrehen, wir müssen ihn auch noch röntgen, ehe wir ihn ausgeben."

Absturz wird nur wenig abgefedert

Der Sturz ist nämlich tief und wird finanziell nur ein wenig abgefedert. Der offizielle Bundesliga-Report 2007 der Deutschen Fußball Liga (DFL) weist die Zahlen gnadenlos auf. Die Absteiger der Spielzeiten 2003/2 004, 2004/2 005, 2005/2 006 - also ein Querschnitt der letzten drei Jahre - hatten in ihrem letzten Bundesliga-Jahr noch ein Plus von 565 000 Euro erwirtschaftet.

Das erste Jahr in der 2. Liga schlug mit einem durchschnittlichen Minus von 1,7 Mill. Euro zu Buche. Die Erträge gingen im Schnitt um 28,7 Prozent zurück, aber die Absteiger haben ihre Kosten auch um 21 Prozent reduzieren können.

Mönchengladbach wird den Etat um 40 Prozent von 60 auf auch noch stolze 36 Mill. reduzieren. Damit lässt der Klub eindeutig seine Aufstiegsambitionen erkennen. Schippers: "Leider ändern sich die Betriebskosten des Stadions nicht. Strom, Wasser, Reinigung - all das bleibt bei drei Mill. Euro - und fünf Mill. müssen wir für das Baudarlehen zurückzahlen." Bleiben 28 Millionen, wobei der reine Gehaltsrahmen für die Lizenzspieler auf 13 Mill. Euro gesenkt wird.

Betriebsbedingte Kündigungen vermeiden

Drei Mitarbeiter haben gekündigt, zwei weibliche gehen in Mutterschaftsurlaub. Schippers: "Ich kann nichts versprechen - aber wir werden alles versuchen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden." Das wird schwierig genug. Von den TV-Einnahmen der Liga in Höhe von 450 Mill. Euro gehen 79 Prozent an die Vereine der Bundesliga - und nur 21 Prozent an die der 2. Liga. Das sagt einiges.

Natürlich werden auch nationale Sponsoren, die auf TV-Präsenz Wert legen, ihr finanzielles Engagement zurück fahren. Claus Horstmann, Finanz-Geschäftsführer beim 1. FC Köln, der den Wiederaufstieg verpasst hat, gibt einen Rat: "Man muss sich viel, viel intensiver um regionale Sponsoren kümmern, die keinen gesteigerten Wert auf TV-Präsenz legen. Die werden für einen Verein in der 2. Liga deutlich wichtiger als in der Bundesliga."

Jansen-Verkauf könnte für Polster sorgen

Außerdem verweist Horstmann auf ein anderes Problem: "Finanziell würde der 1. FC Köln auch ein drittes Jahr 2. Liga durchstehen. Dank des Sondererlöses Podolski (10 Mill. Euro Ablöse für Nationalspieler Lukas Podolski, d.Red.) haben wir ein Polster. Aber die sportliche Ausstrahlung fehlt. Spieler gehen weg oder kommen nicht. Das ist das große Problem im Abstiegsfall." Marcell Jansen lässt aus Gladbach grüßen.

Bei der Borussia stecken sie jetzt schon in einem Dilemma: Sie müssen die Eintrittspreise senken, wissen aber noch nicht, um wie viel. Schippers: "Wir haben vier Jahre lang die Preise nicht erhöht, wir haben die Mehrwertsteuererhöhung nicht weitergegeben - wir befinden uns im Moment im Prozess der Preisfindung." In Köln haben sie die Preise vor einem Jahr nur um zehn Prozent gesenkt. Horstmann: "Wir mussten ja auch sehen, was vergleichbare Veranstaltungen an Eintrittspreisen nehmen. Und eins haben wir auch gelernt: Die Fans sind treu."

Das Dauerkartengeschäft wird auch in Mönchengladbach zurückgehen, dafür werden im Erfolgsfall die Tageskassen gestürmt werden. Schippers: "Alleine deswegen können wir gar nicht zu viel Personal abbauen." Warten muss der Nachwuchs: Ein Ausbau des Trainingsgeländes (Umkleide, Duschen) wird vorerst auf Eis gelegt. Schippers: "Die müssen jetzt weiterhin 500 Meter bis zum Stadion laufen."

© SID

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