Fußball Bundesliga
Hertha BSC Berlin löst Vertrag mit Hoeneß auf

Manager Dieter Hoeneß hat den seit Monaten tobenden Machtkampf bei Bundesligist Hertha BSC Berlin verloren und muss den Verein verlassen. Der frühere Hertha-Torjäger Michael Preetz (41), der in die Geschäftsführung aufrücken soll, und der Schweizer Coach Lucien Favre sollen die neuen starken Leute bei Hertha unter Präsident Werner Gegenbauer sein. Die drei waren zuletzt auf Konfrontationskurs zu Hoeneß gegangen.

Manager Dieter Hoeneß hat den seit Monaten tobenden Machtkampf bei Bundesligist Hertha BSC Berlin verloren und muss den Verein verlassen. "Nach insgesamt fast dreizehnjähriger Tätigkeit in verschiedensten Funktionen bei Hertha BSC verlässt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Hertha BSC Gmbh & Co. Kgaa, Dieter Hoeneß, den Verein auf eigenen Wunsch vorzeitig zum 30.06.2009", hieß es in einer Pressemitteilung der Hertha am Sonntagabend.

Wie die Hertha weiter mitteilte, sei die Trennung zum Saisonende am Sonntag "freundschaftlich und einverständlich vereinbart" worden. "Die Vereinsgremien des Clubs und der Vorsitzende der Geschäftsführung (Hoeneß/Anmerk. d. Red.) hatten zuletzt unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Vereins- und Geschäftspolitik", hieß es weiter. Dieter Hoeneß, nach seinem Bruder Uli (30 Jahre im Amt) zurzeit dienstältester Manager im Fußball-Oberhaus, wird wohl eine Abfindung erhalten. Spekulationen zufolge soll es sich um die Summe von einer Million Euro handeln.

Vor allem die zum Teil öffentlich ausgetragenen Differenzen zwischen Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Hoeneß haben den Klub stark belastet. Zuletzt hatte Hoeneß dann auch noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Lucien Favre. Der Verein war zum Handeln gezwungen, da in nächster Zeit wichtige Entscheidungen bei Transfers anstehen. Favre hatte zuletzt bei Personalfragen vermehrt über Hoeneß geklagt. Das Präsidium befürchtete wohl, der erfolgreiche Coach könne dem Werben anderer Klubs erliegen und Hertha verlassen.

Favre wies einen vermeintlichen Machtkampf mit Hoeneß als Trennungsursache am Montag allerdings vehement zurück. "Ein solcher Machtkampf hat nie stattgefunden. Dieter Hoeneß und ich haben gut zusammengearbeitet, selbst wenn es in fußballerischen Fragen zum Teil unterschiedliche Auffassungen gab", ließ sich Favre über seinen Berater Christoph Graf zitieren. "Dieter Hoeneß hat mir die Chance gegeben, in der Bundesliga als Trainer einzusteigen. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein", sagte der Schweizer Coach.

Preetz wird Geschäftsführer Sport

Wer ein Großteil der Aufgaben von Hoeneß zukünftig übernehmen soll, teilte die Hertha am späten Sonntagabend mit. "Michael Preetz wird jetzt zum Geschäftsführer Sport berufen", bestätigte Herthas Präsident Werner Gegenbauer dem RBB. Der 41 Jahre alte ehemalige Torjäger wurde bei einem Auswahlverfahren für Führungskräfte ("Assessment Center") für geeignet befunden. Auch Klub-Jurist Jochen Sauer und drei weitere Kandidaten bestanden den Test. Hertha will die umfangreichen Aufgaben, die in den Verantwortungsbereich von Hoeneß fielen, nun auf mehrere Schultern verteilen. "Natürlich schmeckt mir das nicht, Opfer einer Kampagne zu sein", hatte Hoeneß noch am Freitag gesagt.

Seit Wochen litt der Klub unter dem Machtkampf der Bosse. Auslöser war ein Krach zwischen Hoeneß und Gegenbauer im Dezember 2008. Der Präsident hatte den Manager nach mehreren Auftritten in den Medien für seine Selbstdarstellung kritisiert und von "Dieter-Hoeneß-Festspielen" gesprochen. Seitdem war die Golf-Freundschaft beendet.

Auch mit Trainer Favre geriet Hoeneß immer häufiger aneinander. Bei Transfers lagen die Meinungen oft auseinander. Hoeneß wollte zur Winterpause den Brasilianer Junior Cesar verpflichten. Favre lehnte ab und blamierte den Manager in der Öffentlichkeit. Auch bei Torjäger Marko Pantelic, den Hoeneß gerne behalten hätte, wehrte sich der Schweizer gegen eine Weiterbeschäftigung - mit Erfolg.

Ära Hoeneß mit Licht und Schatten

Hoeneß, der als Spieler mit Bayern München fünfmal deutscher Meister wurde und dreimal den DFB-Pokal gewann, kam im November 1996 zu Hertha BSC Berlin. Zunächst arbeitete er als Vize-Präsident, wenige Monate später wechselte er ins Amt des Managers und verschaffte dem Klub moderne Strukturen. Hertha spielt seit 1997 ununterbrochen in der Bundesliga, konnte aber keinen großen Titel gewinnen.

In finanziellen Dingen bewies Hoeneß, der 1992 als Manager mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister geworden war, nicht selten ein unglückliches Händchen. Teure Verpflichtungen wie die von Alex Alves entpuppten sich als Flops. Hertha häufte zwischenzeitlich eine enorme Schuldenlast an, die im Jahr 2006 mit rund 54 Mill. Euro einen Höchstwert erreichte. Aktuell drücken den Verein Verbindlichkeiten von rund 33 Mill. Euro. Bei Neuverpflichtungen sind dem Klub die Hände gebunden, da ein Transferüberschuss von fünf Mill. Euro erzielt werden muss.

"Dieter Hoeneß hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich Hertha BSC in den vergangenen Jahren zu einem national wie international anerkannten Fußballverein entwickelt hat", hieß es am Ende der Pressemitteilung.

© SID

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