Fußball Bundesliga
Heynckes: "Ich habe wieder Gefallen am Trainerjob"

Durch sein fünfwöchiges Gastspiel bei Bayern München ist Jupp Heynckes wieder auf den Geschmack gekommen. Der 64-Jährige soll Bayer Leverkusen zurück in die Erfolgsspur führen.

Nach Bundesliga-Neuling Bruno Labbadia setzt Bayer Leverkusen nun auf den erfahrenen Jupp Heynckes. Der 64-Jährige, der beim fünfwöchigen Intermezzo auf der Bank von Bayern München den Spaß am Trainer-Dasein wiedergefunden hat, soll den Werksklub zurück in den Europacup führen.

"Ich habe wieder Gefallen am Fußball und am Trainerjob. Es hat mir in München große Freude bereitet, mit einer Mannschaft zu arbeiten und das Bundesliga-Feeling wieder einzuatmen", sagte Heynckes bei seiner Vorstellung in Leverkusen, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag erhält: "Ich habe ein gutes Bauchgefühl. Bayer ist eine sehr gute Adresse. Ich glaube, hier lässt sich einiges bewegen."

Heynckes geht mit Labbadia hart ins Gericht

Gleichzeitig richtete er deutliche Worte an seinen Vorgänger Bruno Labbadia und die neuen Gepflogenheiten in der Bundesliga, es mit Verträgen nicht mehr allzu ernst zu nehmen. "Das kann ich nicht gut heißen. Ich habe noch nie einen Vertrag gebrochen. Auch nicht, als ich 1996 als Trainer von CD Teneriffa ein Angebot vom FC Barcelona hatte. Da sind die Klubs aber auch ein Stück selbst schuld. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Vereine Ausstiegsklauseln in Verträgen bei Trainern einbauen", sagte der Welt- und Europameister.

Zuvor war es zwischen Leverkusen und Hamburg zum Pokerspiel um Labbadia gekommen. Nachdem der Coach nicht wie wohl selbst erhofft von Bayer den Laufpass erhalten hatte, bat er am Donnerstag selbst um eine Vertragsauflösung. Einen Tag später erfolgte schließlich die Freigabe, nachdem sich beide Vereine auf eine Ablösesumme von schätzungsweise 1,3 Mill. Euro geeinigt hatten.

Das kommt quasi einem Geniestreich von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser gleich, denn eine Zukunft hätte Labbadia in Leverkusen wohl kaum mehr gehabt. "Natürlich gab es Differenzen. Sein Interview vor dem Pokalfinale hat allen geschadet. Trotzdem hätten wir versucht, das noch hinzubekommen", meinte Sportchef Rudi Völler.

Labbadia provozierte Abgang

Labbadia hatte mit einem Rundumschlag vor dem Pokalfinale gegen Spieler und Manager Michael Reschke seinen Rauswurf provoziert. Reschke, der gegen Labbadia intrigiert habe, blieb ein Rauswurf erspart, er bekommt aber ein "modifiziertes Aufgabenfeld" (Holzhäuser).

Spätestens seit dem Pokalfinale war das Tischtuch zwischen Labbadia und der Mannschaft zerschnitten. An diesem Punkt will Heynckes arbeiten. "Wir müssen Harmonie und Verständnis untereinander schaffen, offen und ehrlich miteinander umgehen, damit sich die Spieler wohlfühlen", meinte der 506-malige Bundesliga-Coach, der einst den Ruf eines autoritären, antiquierten Trainers hatte. Das hätte auch in München gut funktioniert, wo er mit vier Siegen und einem Unentschieden die Bayern noch in die Champions League geführt hatte.

Heynckes hinterließ bei seinem Amtsantritt in Leverkusen jedenfalls einen aufgeräumten Eindruck. Er habe in den vergangenen zwei Jahren große gesundheitliche Probleme gehabt, die überstanden seien. "Da habe ich viel nachgedacht. Jeder Mensch macht Prozesse durch, die einen Dinge anders sehen lassen. Ich denke aber nicht, dass ich mich verändert habe", sagte der gebürtige Mönchengladbacher.

Heynckes sei von Anfang an erste Wahl bei Bayer gewesen, wie Sportchef Rudi Völler betonte: "Ich habe ihn als Trainer und Mensch immer geschätzt. Er ist autentisch geblieben." Mit seiner Erfahrung soll der Trainer-Dino die junge Bayer-Mannschaft nach zwei Jahren ohne Europacup wieder ins internationale Geschäft führen.

Heynckes letzte Bundesliga-Stationen vor München endeten abrupt

Seine letzten drei Stationen in Deutschland waren jedenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Am 31. Januar 2007 hatte sich Heynckes eigentlich schon in den Ruhestand verabschiedet, nachdem er bei seiner alten Liebe Borussia Mönchengladbach nach nur sieben Monaten gescheitert war und zum Schluss sogar Morddrohungen erhalten hatte. Davor war es bei Eintracht Frankfurt (1994/95) und Schalke 04 (Juni 2003 bis September 2004) zur Trennung gekommen.

Erfolgreicher war Heynckes in Spanien. Die Krönung war der Champions-League-Titel mit Real Madrid 1998. Aber auch bei Athletic Bilbao und CD Teneriffa wird noch heute in höchsten Tönen von "Don Jupp" gesprochen.

In Leverkusen wird er wohl mit Peter Hermann als Co-Trainer zusammenarbeiten. Der 57-Jährige, der bereits von 1976 bis 2008 in diversen Funktionen bei Bayer tätig war, soll vom 1. FC Nürnberg zurück ins Rheinland geholt werden.

© SID

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