Fußball Bundesliga: Hitzfeld verlässt München im Sommer

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Hitzfeld verlässt München im Sommer

Nun steht es fest: Trainer Ottmar Hitzfeld wird Bayern München im Sommer verlassen. Der Erfolgs-Coach bestätigte dem Sport-Informations-Dienst (sid), seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen.

Das Rätselraten hat ein Ende: Trainer Ottmar Hitzfeld hat seinen Abschied vom deutschen Rekordmeister Bayern München zum Saisonende offiziell bekanntgegeben. "Ich habe meine Entscheidung dem Verein schon vor drei Wochen mitgeteilt, dass ich im Sommer aufhören werde. Ich werde im nächsten halben Jahr noch mal versuchen, erfolgreich zu sein und möglichst viele Titel zu holen. Dann werde ich mich wieder etwas zurückziehen", sagte Hitzfeld dem Sport-Informations-Dienst (sid) am Mittwoch.

Zwei Optionen für die Zukunft

Gründe für diese Entscheidung wollte der Bayern-Trainer nicht nennen. Für seine weitere Zukunft habe er zwei Optionen: die Schweizer Nationalmannschaft oder einen Expertenjob beim Fernsehen.

Damit endet die zweite Zusammenarbeit der Münchner nach 1998 bis 2004 mit dem 58 Jahre alten Coach zum Vertragsende am 30. Juni 2008 nach nur 16 Monaten. Hitzfeld hatte am 1. Februar 2007 die Nachfolge von Felix Magath angetreten.

Uli Hoeneß hatte zuvor via Bild-Zeitung die Auflösung des Zweckbündnisses angekündigt, das noch vor knapp einem Jahr als Traumehe gefeiert worden war. Die für Mitte Januar anberaumten Gespräche haben sich damit erledigt.

"Ich habe ja mal gesagt: Es gibt drei Optionen, die für mich in Frage kommen. Das waren Bayern München, Schweizer Nationalmannschaft oder für das Fernsehen zu arbeiten. Jetzt sind es noch zwei Optionen", sagte Hitzfeld und kündigte an, eine Entscheidung im Frühjahr fällen zu wollen. Verhandelt habe er bislang noch nicht.

Mit den Eidgenossen, bei denen Jakob "Köbi" Kuhn seine Tätigkeit nach dem kontinentalen Turnier in Österreich und der Schweiz beenden wird, hatte sich Hitzfeld zwischen den Feiertagen aber bereits getroffen. An seinem neuen Alterssitz in Lörrach war er mit dem Schweizer Nationalmannschafts-Delegierten Ernst Lämmli zusammengekommen, um erste Sondierungsgespräche über ein Engagement zu führen. Ein "ganz unverbindliches Gespräch unter alten Bekannten" sei das gewesen, erklärte Lämmli danach und fügte zuversichtlich hinzu: "Wir werden uns schon finden."

Dass er Interesse am Amt des Schweizer Nationaltrainers hat, hatte Hitzfeld bereits vorzeitig anklingen lassen: "Die Arbeit als Schweizer Nationaltrainer hat mich schon immer interessiert. Die Bundesliga ist nicht alles. Ich weiß, dass das Gehalt als Schweizer Coach nicht mit dem eines Bundesligatrainers zu vergleichen ist. Aber das ist für mich auch nicht der ausschlaggebende Punkt."

Konsequenzen aus der Kritik

Mit der Entscheidung für ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Rekordmeister zieht Hitzfeld wohl auch die Konsequenzen aus der Kritik von seinen Vorgesetzten. Nach dem 2:2 im Uefa-Cup hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den langjährigen Weggefährten mit der Aussage öffentlich diffamiert, "Fußball ist keine Mathematik".

Hitzfeld beklagte danach "die Vehemenz der Kritik". Das sei ein "heftiger Schlag" gewesen und "eine gefährliche Entwicklung, wenn die Spieler sehen, dass der Trainer vom Vorstand gerügt wird". Inzwischen hat Hoeneß diese Entgleisung als Fehler eingestuft, erklärte aber zugleich, er sei inhaltlich bei Rummenigge und bezeichnete Hitzfeld als "Rotationsweltmeister".

"Die letzten Wochen waren hart. Es war auch viel Polemik dabei", sagte Hitzfeld nach dem 6:0-Kantersieg gegen Aris Saloniki vier Tage vor Heiligabend. Gegenüber der Sport Bild bilanzierte der Trainer in einem Zwischenfazit seiner zweiten Amtszeit zudem: "Die Gewalt der Medien-Schelte hat mich wohl am meisten überrascht. Das ist definitiv verrückter geworden."

Vor einem "Irrenhaus" warnte der Coach jüngst, als er Kapitän Oliver Kahn nach seiner öffentlichen Kritik an den Superstars Franck Ribery und Luca Toni für das letzte Bundesliga-Spiel der Hinrunde bei Hertha BSC Berlin (0:0) suspendierte.

Bayern nun auf Trainersuche

Dem Herbstmeister dürften nach der vorzeitigen Entscheidung über den Abschied Hitzfelds noch einige turbulente Tage bevorstehen, vor allem bei Misserfolg. Bereits jetzt befindet sich der Verein auf Trainersuche, die Spekulationen über Hitzfelds Nachfolge sind in vollem Gange. Die Kandidatenliste gilt als lang, in Wahrheit aber ist sie durch das Anforderungsprofil der Münchner stark eingegrenzt.

Von den Favoriten der Befragten in einer Umfrage im Auftrag der Sport Bild dürften nicht viele Namen übrig bleiben. 27,6 Prozent sprachen sich für den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann aus, 13,6 Prozent entfielen auf Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Bernd Schuster von Real Madrid (7,8) und Hitzfeld-Vorgänger Felix Magath (Wolfsburg/7,5) folgen noch vor Jose Mourinho (vereinslos/6,2) sowie Arsene Wenger (Arsenal/5,5). Gerade einmal 1,6 Prozent sprachen sich für den zwischenzeitlich hoch gehandelten Rafael Benitez vom FC Liverpool aus. Als weitere Kandidaten wurden bereits die Niederländer Marco van Basten (Bondscoach), Frank Rijkaard (Barcelona) und Guus Hiddink (Russland) sowie der Mainzer Jürgen Klopp gehandelt.

© SID

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