Fußball Bundesliga
Hoeneß droht Entlassung bei Hertha

Nach Zeitungsberichten steht Manager Dieter Hoeneß bei Hertha BSC Berlin vor dem Aus. Angeblich könne nur die Abtretung von Kompetenzen den ehemaligen Profi retten.

Er taumelt wie ein angezählter Boxer durch den Ring und wehrt sich gegen den drohenden Niederschlag: Für Manager Dieter Hoeneß wird die Lage beim Bundesligisten Hertha BSC Berlin immer ernster. Der Manager muss wegen zunehmender Spannungen im Klub mit seiner Entmachtung rechnen. Dem Vorsitzenden der Geschäftsführung droht nach 13 Jahren Hertha sogar das vorzeitige Aus.

"Mein Vertrag bei Hertha läuft am 30. Juni 2010 aus. Bis dahin werde ich mich für den Verein mit meiner ganzen Kraft einsetzen", sagte Hoeneß am Freitag auf SID-Anfrage und gab sich gegenüber Medienberichten trotzig. Demnach soll in der kommenden Woche über seine Entmachtung beraten werden. Hoeneß soll Kompetenzen seiner jetzigen Machtfülle im sportlichen Bereich abtreten. Verweigert er sich, muss er wohl mit einer vorzeitigen Abberufung rechnen.

Chaos bei Hertha auf Dauer nicht tragbar

Der Gegenwind im eigenen Klub wird für Hoeneß immer rauer. Zunächst zerbrach das freundschaftliche Verhältnis zum Präsidenten Werner Gegenbauer, der ihn im vergangenen Dezember wegen diverser Medien-Auftritte ("Dieter-Hoeneß-Festspiele") gerügt hatte. Nun scheint auch das Verhältnis zu Trainer Lucien Favre zerrüttet. Die Diskussionen mit Hoeneß vor neuen Transfers sollen dem Coach an die Nieren gegangen sein. Favre gilt im Klub nach der guten Saison mit Platz vier als unantastbar. Im Präsidium will man seinen Weggang auf keinen Fall riskieren.

Fraglich ist, wie man die Spannungen beseitigen kann. Präsident Gegenbauer, von Hoeneß selbst inthronisiert, soll sich darüber am Donnerstag mit den Präsidiums-Mitgliedern beraten haben. Eine Variante wäre, dass man Ex-Profi Michael Preetz, der Hoeneß ohnehin im nächsten Sommer beerben soll, bereits jetzt mehr Kompetenzen überträgt. Preetz arbeitet mit Favre auf Augenhöhe, seine eher ruhige und besonnene Art liegt dem sensiblen Coach aus der Schweiz. Fraglich ist allerdings, ob Hoeneß durch die Beschränkung seiner Kernkompetenz sein Gesicht wahren kann und es stattdessen nicht lieber auf einen offenen Bruch anlegt.

Eines ist klar: Auf Dauer kann sich Hertha in der Außendarstellung die Querelen nicht erlauben. Bei Fans und Sponsoren kommt das Bild vom Chaos-Klub nicht gut an. Allen ist bewusst: Die Verdienste von Hoeneß in der Vergangenheit sind unumstritten. Der 56-Jährige hat dem Klub seit 1996 moderne Strukturen gegeben und aus der einstigen Skandal-Nudel einen seriösen Verein geformt, auch wenn ihm ein großer Titel versagt geblieben ist. Hoeneß konnte in all den Jahren ohne nennenswerte Opposition schalten und walten. Doch mittlerweile reden in Präsident Gegenbauer und Trainer Favre zwei starke Gegenspieler mit, die nun der Hoeneß-Herrschaft ein Ende bereiten können.

© SID

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