Fußball Bundesliga
Hoeneß schießt gegen Fifa und Uefa

Uli Hoeneß ist ein Mann der klaren Worte. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) attackiert der Bayern-Manager die internationalen Verbände Fifa und Uefa. Im Zusammenhang mit der Absage der WM-Gala wirft der 54-Jährige dem Weltverband vor, "auf einem ganz gefährlichen Weg" zu sein. Die Fifa sei dabei, völlig zu überdrehen.

Eine derartige Eröffnungfeier müsse trotz hoher Kosten und geringem Publikumsinteresse durchgezogen werden und dürfe nicht nach zwei Jahren Planung "mit einem Federstrich" abgesagt werden, erklärte Hoeneß weiter. "Wenn der Verband so weitermacht, schafft er es noch, ein Spektakel wie die WM in Misskredit zu bringen."

"Monopole sind immer gefährlich"

Problematisch sei vor allem die Monopolstellung der Fifa, "und Monopole sind immer gefährlich. Diskussionen lassen sie nicht zu", sagte Hoeneß und fügte hinzu: "Die Verbände und Vereine sind gut beraten, den Dachverbänden, auch der Uefa, öfter mal die Zähne zu zeigen." Auch der europäische Verband treffe totalitäre Entscheidungen, etwa bei der Vergabe der TV-Rechte der Champions League. "Wir als Partner und Rechteinhaber der Uefa wurden nicht einmal gefragt, als Premiere den Zuschlag für das Pay-TV und das Free-TV in Deutschland bekam", sagte der Manager.

Zu den aktuellen Diskussionen um einen neuen Verteilungsschlüssel der deutschen TV-Einnahmen erklärte Hoeneß, er emfinde es als ungerecht, "dass uns vorgeworfen wird, wir hätten zu viel Geld. Es gibt eine Reihe von Klubs, die vor Jahren vergleichbare Möglichkeiten hatten wie wir. Wir haben nur mehr daraus gemacht." Mit den nun von der Mehrheit im Ligavorstand anvisierten Regelung, dem deutschen Meister in Zukunft rund 25 Mill. Euro statt bisher 16 zuzuschießen, sei er nicht zufrieden, stattdessen schwebten ihm 30 Mill. Euro vor.

Klage gegen Verteilung der TV-Gelder steht weiter im Raum

"Bei einer Lösung, die unseren Vorstellungen erheblich zuwiderliefe", behalte man sich weiter den Gang zum Bundeskartellamt vor, um die Möglichkeit einer dezentralen Vermarktung der Fernsehrechte prüfen zu lassen. Hoeneß weiter: "Vielleicht sollte die Liga bereit sein, uns und drei, vier anderen Vereinen, die Auslandsvermarktung ihrer Spiele zu überlassen." Das darin steckende Potenzial für Bayern bezifferte der Manager auf "fünf bis zehn Mill. Euro pro Jahr".

Das derzeitige Leistungsgefälle in den europäischen Topligen ist seiner Meinung nach jedoch nur bedingt auf die hohen TV-Einnahmen der Topklubs zurückzuführen. Beim englischen Meister FC Chelsea spiele etwa Öl-Milliardär Roman Abrahmowitsch die entscheidende Rolle, Barcelona profitiere in Spanien von der Schwäche von Real Madrid und Olympique Lyon habe es in Frankreich in den vergangenen Jahren vor allem durch gute Arbeit geschafft, an die Spitze zu kommen.

Bayern denkt über Ballack-Ersatz nach

Zum Vertragspoker um Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack sagte Hoeneß: "Wenn Michael gehen sollte, werden wir zuerst überprüfen, ob wir seinen Abschied aus den eigenen Reihen kompensieren können. Kommen wir zu anderen Erkenntnissen, werden wir versuchen, noch jemanden zu holen." Damit schloss sich der Manager erstmals Trainer Magath an, der sich zuletzt mehrfach für die Verpflichtung eines Führungsspielers ausgesprochen hatte. Auf die Frage, ob man den im Sommer 2007 auslaufenden Vertrag des Coaches verlängern werde, antwortete Hoeneß: "Na klar." Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte zuvor sogar einen unbefristeten Kontrakt in Aussicht gestellt.

Nach Ablauf seines Manager-Vertrages Ende 2009 kann sich Hoeneß einen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze vorstellen, sofern Franz Beckenbauer "etwas anderes vorhaben sollte". Zuvor sollen aber noch einige Titel eingefahren werden, so etwa die 20. Meisterschaft in dieser Saison. "Wenn alle gesund bleiben und wir unseren Rhythmus finden, wird es für Hamburg und Bremen ganz schwer, uns am Titelgewinn zu hindern", sagte Hoeneß.

© SID

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