Fußball Bundesliga
Holzhäuser auf Konfrontationskurs zu Watzke

Wolfgang Holzhäuser hat die von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke geforderte Neuverteilung der TV-Gelder kritisiert. Leverkusens Geschäftsführer hält dies für "eine reine Neiddebatte".

Die Diskussion um eine mögliche finanzielle Bevorzugung von Traditionsklubs hat an Schärfe zugenommen: Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung des Bundesligisten Bayer Leverkusen, ist in punkto Verteilung der TV-Gelder auf Konfrontationskurs zu seinem Dortmunder Kollegen Hans-Joachim Watzke gegangen. Der Geschäftsführer der Borussia hatte einen höheren Anteil der sogenannten Traditionsklubs an den Fernsehgeldern gefordert.

Für Holzhäuser ist das Thema "eine reine Neiddebatte", "eine Kampagne" von Klubs wie Schalke 04 und Borussia Dortmund, die auf Vereine wie Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim abziele. "Hier wird von denen, die in früheren Jahren das Maß aller Dingen waren, versucht, Strukturen zu manifestieren und vergangene Machtverhältnisse wiederherzustellen. Das ist nicht fair", sagte Holzhäuser bei einer Medienveranstaltung am Mittwochabend.

Watzke hatte zuvor erklärt, die Liga habe vor Jahren einen kapitalen Fehler gemacht, als sie Wolfsburg und Leverkusen, zwei Klubs, die Töchter von Dax-Unternehmen sind, einen Sonderstatus eingeräumt habe, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen.

DFL äußert teilweises Verständnis

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zeigt in Ansätzen Verständnis für die Forderung von Watzke nach einem anderen Verteilerschlüssel, hält den Faktor Tradition aber für schwer messbar. "Natürlich kann ich es nachvollziehen, dass sich sogenannte Traditionsvereine mit ihrer großen Fanbasis Gedanken machen, wenn Wettbewerber sich neue Finanzierungsquellen erschließen und sich in der oberen Tabellenhälfte festsetzen", sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, dem kicker.

Allerdings, so Seifert, könne man auch argumentieren, dass "einige Traditionsvereine jahrzehntelang Zeit hatten, sich eine andere wirtschaftliche Basis zu schaffen". Ob es das allein selige machende Kriterium sein könne, sich auf Tradition zu beziehen, müsse man kritisch überprüfen, meinte der DFL-Chef weiter.

Holzhäuser: Bayer oder Hoffenheim stärken guten Ruf der Bundesliga

Doch nach Meinung von Holzhäuser prägen gerade Klubs wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim das Gesicht der Liga. "Es sind gerade die Vereine, die entweder durch Konzerne oder Privatengagement unterstützt werden, die den guten Ruf der Bundesliga als wirtschaftlich solides Gebilde stärken", äußerte der ehemalige Liga-Präsident und hat noch einen Seitenhieb für die Konkurrenz parat: "Schlagzeilen über Liquiditätsprobleme und Schuldenstände schaden der Liga sicherlich mehr."

Geht es nach Watzke, dann sollten 50 Prozent des Fernsehgeldes oberhalb des Sockelbetrages nach dem Erfolgsprinzip verteilt werden - und 50 Prozent nach einer Regel, die auf weichen Faktoren beruhe. Wie zum Beispiel: Wie viele Sympathisanten hat ein Klub, wie viele Fans fahren zu Auswärtsspielen, was sagt die Gesellschaft für Konsumforschung?

Watzke: "Jeder wird doch von seinem Gefühl sagen: Natürlich hat Schalke 04 im Gesamtbild der Liga eine höhere Bedeutung als der VfL Wolfsburg. Aber das wird nicht abgebildet, wenn es um die Verteilung des Geldes geht." Derzeit fließt nach einem festen Schlüssel lediglich das sportliche Abschneiden in den vergangenen Spielzeiten ein.

Zugleich stellte der BVB-Boss im SID-Gespräch klar: "Ich habe nie von Traditionsklubs gesprochen, sondern: Wer leistet den meisten Input für die Liga? Mit den Traditionsklubs, das ist entstanden, weil nun mal der HSV, die Borussia oder Schalke Traditionsklubs sind. Aber es ist ja auch gut so: Herr Holzhäuser hat seine Meinung, ich meine, das ist demokratisch."

© SID

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