Fußball Bundesliga
Holzhäuser warnt vor Termin-Chaos

Ex-Liga-Präsident Wolfgang Holzhäuser hat die DFL angesichts des neuen TV-Vertrages vor einem Termin-Chaos gewarnt und fordert eine Reduzierung der Bundesliga auf 16 Vereine.

Der ehemalige Liga-Präsident Wolfgang Holzhäuser hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor Abschluss des neuen TV-Vertrages vor einem Termin-Chaos im Profi-Fußball gewarnt. "Es muss Ordnung in der Terminplanung und bei den Anstoßzeiten herrschen. Termin-Chaos wird auch zum Chaos bei den Fans führen", sagte der Sprecher der Geschäftsführung des Bundesliga-Tabellenführers Bayer Leverkusen bei einem Treffen mit Medienvertretern in Köln. Bestimmte Maßnahmen, die derzeit diskutiert und womöglich beschlossen werden, würden "der Marke Bundesliga nicht nützen, sondern eher schaden".

"Hier wird nicht entzerrt, sonder verzerrt"

Der 58-Jährige sprach damit die neuen Szenarien bei der TV-Vermarktung der Bundesligaspiele an. Angedacht ist künftig ein Live-Spiel am Samstagabend um 18.30 Uhr unter Umständen parallel zur Ausstrahlung der Zusammenfassung von den Nachmittagsbegegnungen in der ARD-Sportschau. Außerdem sollen die beiden Sonntagsspiele nicht mehr um 17.00 Uhr, sondern versetzt um 15.30 bzw. 17.30 Uhr angepfiffen werden. Die DFL will mit dem neuen Fernsehvertrag zumindest wieder die zuletzt erzielten 409 Mill. Euro pro Jahr aus der Inlands-TV-Vermarktung erzielen.

"Bei den jetzt diskutierten Möglichkeiten besteht sogar die Gefahr, dass künftig an drei Tagen zu unterschiedlichen Anstoßzeiten von drei unterschiedlichen Sendern Übertragungen stattfinden. Hier wird nicht entzerrt, sondern verzerrt", betonte Holzhäuser.

Liga-Vorstand verärgert

Der Liga-Vorstand reagierte verärgert auf den Vorstoß des Bayer-Chefs. "Mit solchen Einzelmeinungen schadet man der Ausschreibung", sagte Vizepräsident Peter Peters und verwies darauf, dass Holzhäuser als Liga-Präsident "deutlich andere Ansichten gehabt" habe. Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball appellierte an alle Klubs, "potenzielle Bieter nicht zu verunsichern. Den Schaden würde die Solidargemeinschaft aller Vereine tragen müssen."

Holzhäuser wies allerdings auch auf die besondere Zwangslage hin, in der sich die DFL aufgrund der "kritikwürdigen und zweifelhaften Entscheidung" des Bundeskartellsamts befinde. Die Wettbewerbshüter hätten durch ihre Empfehlung "einerseits faktisch ein Monopol der öffentlich-rechtlichen Sender geschaffen". Zudem sei dafür gesorgt worden, dass die DFL dem Pay-TV-Sender Premiere entgegenkommen müsse, "um einen optimalen Preis zu erzielen". Dies beziehe sich vor allem auf die Spielplangestaltung.

Holzhäuser fordert Reduzierung der Bundesliga auf 16 Vereine

Der ehemalige Liga-Sekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) machte sich zudem für eine Reduzierung der Bundesliga von 18 auf 16 Klubs stark. "Wer seine Marke wertsteigern will, der muss sie verknappen und darf sie nicht auf dem Markt verschleudern", sagte Holzhäuser, "dann muss man aber durch Spiele, die finalen Charakter tragen, wie z. B. Relegations- oder sonstige Entscheidungsspiele, die Spannung so erhöhen, dass das Interesse und die Kauflust der Fußball-Kunden gesteigert werden."

Der Bayer-Geschäftsführer warnte eindringlich vor einem Rückgang der Einnahmen durch die TV-Vermarktung. Dies könne zu einer Mehrklassen-Gesellschaft in der Bundesliga führen: "Unüberbrückbarer Klassenunterschied in ein und derselben Liga, in der es kaum noch Überraschungen gibt, sind tödlich für die Marke Bundesliga." Solidarität sei leichter zu leben, wenn die größeren Klubs aufgrund der TV-Gelder wirtschaftlich eher in der Lage seien, Geld an die kleineren Vereine abzugeben. Holzhäuser: "Weniger Einnahmen durch die Fernsehvermarktung wären für alle katastrophal."

© SID

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