Fußball Bundesliga
Hoyzer-Verfahren womöglich fehlerhaft

Im Wettskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer ist möglicherweise ein fehlerhaftes Urteil gefällt worden. Der Berliner Zeitung zufolge habe man Hoyzer eine Manipulation zugeordnet, die er nicht selbst begangen habe.

Neue Wendung im Fall Hoyzer: Möglicherweise ist die Urteilsbegründung im Wett- und Manipulationsskandal um den ehemaligen Schiedsrichter fehlerhaft. Die Berliner Zeitung berichtet, dass die 12. Strafkammer des Berliner Landgerichts Hoyzer eine Manipulation zugeordnet habe, die gar nicht Hoyzer selbst, sondern dessen ebenfalls verurteilter Kollege Dominik Marks begangen habe.

Die angeblichen Unklarheiten im Urteil betreffen das Drittligaspiel des VfL Wolfsburg II gegen den Hamburger SV II am 6. November 2004, das in der Urteilsbegründung unter "Fall 8" aufgeführt wird. Zunächst heißt es, dass Dominik Marks die Partie gegen Zahlung von 7 000 Euro manipuliert und Hoyzer lediglich den Kontakt zu Drahtzieher Ante Sapina hergestellt haben soll. Später im Urteil heißt es dann, Hoyzer habe in sechs Fällen - darunter auch in "Fall 8" - "manipulierend in die von ihm geleiteten Fußballspiele eingegriffen".

Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten

Unklar ist allerdings, ob das Gericht bei der Urteilsfindung den "Fall 8" möglicherweise dennoch nur als Beihilfe zum Betrug wertete und Hoyzer nicht direkt anlastete. Und somit sei auch ungewiss, ob der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig, der über die Revision entscheiden wird, überhaupt Fehler in der Urteilsbegründung für erheblich hält. "Inwieweit die Rechtsanwälte von Hoyzer ihren Revisionsantrag auf mögliche Formfehler in der Urteilsbegründung stützen, ist mir nicht bekannt", sagte Gerichtssprecherin Gabriele Cirener.

Hoyzer war insgesamt zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Der "Fall 8" wurde dabei mit neun Monaten Haft geahndet. Die Einzelurteile wurden jedoch nicht addiert, sondern zu dem geringeren Gesamturteil zusammengefasst.

Aufhebung des Urteils unwahrscheinlich

Die Staatsanwaltschaft hat indes ihren Revisionsantrag gegen das Urteil zurückgenommen. Deren Sprecher Michael Grunwald wies Spekulationen zurück, nach denen dies aufgrund möglicher Fehler in der Urteilsbegründung geschehen sei. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es war eine interne Entscheidung der Staatsanwaltschaft nach Auswertung des Verfahrens."

Die komplette Aufhebung des Urteils allein wegen dieses angeblichen Begründungsfehlers scheint dennoch eher unwahrscheinlich. Selbst wenn der BGH die Urteilsbegründung im "Fall 8" als fehlerhaft einstuft und Hoyzer in diesem Punkt bestenfalls freigesprochen würde, dürfte aufgrund der fünf weiteren Teilstrafen das Gesamturteil nur unwesentlich verändert werden, vermuten Experten. Unabhängig davon wird der BGH das Urteil auf anderweitige rechtliche Fehler prüfen und das Verfahren möglicherweise an das Landgericht Berlin zurückverweisen.

© SID

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