Fußball Bundesliga
Im Norden was Neues

dpa HAMBURG. Nach der Pleiten-Woche mit dem Pokal-Aus sowie den Niederlagen in Champions League und Bundesliga sind die Nordclubs Werder Bremen und Hamburger SV zu Krisenkandidaten geworden.

In der vergangenen Saison waren die beiden Fußball-Bundesligisten noch die Nummern zwei und drei hinter Branchenprimus Bayern München, doch vier Monate nach dem „Endspiel“ um Platz zwei wird das vermeintliche Spitzenspiel in der AOL-Arena zum Treffen der Enttäuschten. Bislang konnte der vorgegebene Kurs, sich sportlich auf höchstem Niveau zu etablieren, nicht eingehalten werden.

Werder hat erstmals unter Trainer Thomas Schaaf vier Pflichtspiele in Serie verloren, beim HSV registriert Kollege Thomas Doll erstmals seit Amtsantritt acht Partien ohne Sieg. Die Stimmung ist bei beiden Clubs vor dem Aufeinandertreffen am Wochenende im Keller.

Die Hamburger haben mit mageren drei Punkten aus vier Bundesliga- Spielen einen klassischen Fehlstart hingelegt. Pokal-Aus und verpatzter Champions-League-Einstand verleihen der Talfahrt gefährlichen Schwung. „Wir dürfen nicht alles in Frage stellen“, entgegnet Trainer Doll. „Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, damit wir wieder Selbstvertrauen kriegen“, meint Verteidiger Bastian Reinhardt.

Das große Manko beim HSV: Den Last-Minute-Verpflichtungen fehlt die Einbindung ins Team. Das braucht Zeit, die der HSV im laufenden Bundesliga- und Champions-League-Betrieb nicht hat. Learning by doing heißt die Methode, die mehr nach Heimwerker-Improvisation denn nach professioneller Planung klingt. Unzufriedene Spieler wie Ersatzkeeper Stefan Wächter oder zuvor Thimothee Atouba und Nigel de Jong begehren auf. Harmonie und Geschlossenheit haben zweifellos Schaden genommen.

Alle Abgänge - insbesondere die von Daniel van Buyten, Khalid Boulahrouz, Sergej Barbarez - seien laut Sportchef Dietmar Beiersdorfer „adäquat ersetzt“ worden. Gleichwohl: Der Nachweis von Vincent Kompany und Joris Mathijsen fehlt noch. Die Verletztenmisere (Rafael van der Vaart, Juan Pablo Sorin, Atouba) sowie Formschwäche (Mehdi Mahdavikia, Raphael Wicky) verschärfen die Lage. „Wir werden unseren Weg weitergehen und nicht in Aktionismus verfallen“, sagt Beiersdorfer.

Auch bei Werder Bremen liegen die Nerven blank. In der Krise werden bisher ungeahnte Konflikte sichtbar, etwa zwischen Miroslav Klose und Ivan Klasnic, die jahrelang zusammen als K & K-Sturm der Albtraum der gegnerischen Abweherreihen waren. „Wenn man sich nicht auf dem Platz bewegen will, kann ich auch nichts machen. Die Einstellung und die Motivation müssen von ihm selbst kommen“, kritisierte Klose seinen Sturmpartner.

Ein weiterer Konfliktherd ist im Mittelfeld das Verhältnis von Torsten Frings und Diego, die zuletzt auf dem Platz aneinander gerieten. „Es war ein kleines Gespräch“, versuchte Diego zu beschwichtigen, und Frings wiegelte ab: „Ich habe nichts gegen Diego.“ Das Mittelfeld, jahrelang das Kraftwerk der Bremer und maßgeblich an der Trefferquote von K & K beteiligt, stottert deutlich. Diego hat sein außergewöhnliches Talent schon mehrere Male bewiesen, wählt dabei aber eine andere Spielweise als Johan Micoud. In seinen vier Jahren in Bremen prägte Micoud mit seinem aggressiven Auftreten und schnellem Direktspiel das Geschehen. Dem erst 21-jährigen Diego ist die herrische Attitüde fremd, und er ist eher ein Dribbler. Das Problem ist aber vielmehr das Formtief seiner Nebenleute Frings und vor allem Borowski, der lethargisch wie schon lange nicht mehr wirkt.

Ein altbekanntes Phänomen ist hingegen die Defensiv-Schwäche, durchschnittlich zwei Gegentreffer pro Bundesligaspiel sind für ein Spitzenteam viel zu viel. Sehnsüchtig warten die Bremer auf den ersten Einsatz von Per Mertesacker, der an der Seite von Naldo als Abwehrchef spielen soll. An ihm sollen sich auch die neuen Außenverteidiger Clemens Fritz und Pierre Wome aufrichten.

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