Fußball Bundesliga
Kahn: "Man muss erst alles verarbeiten"

Oliver Kahn befürchtet nach dem Ende seiner Bundesliga-Karriere bei Bayern München nicht, in ein mentales Loch zu fallen. "Das kommt ja nicht unerwartet", so Kahn im Interview.

Nach dem Ende seiner Bundesliga-Karriere bei Bayern München will Oliver Kahn im Anschluss an die Asien-Reise mit dem deutschen Rekordmeister zunächst ausspannen und sich dann neuen Aufgaben widmen. In den 20 Jahren seiner Zeit als Profi sei rückblickend "alles drin" gewesen, sagte Kahn im Interview.

Frage: "Oliver Kahn, sie wirkten bei Ihrem Abgang von der Fußball-Bühne sehr gefasst. Gab es keinen Grund für Tränen?"

Oliver Kahn: "Die Jungs waren alle heiß auf den Rekord mit den Gegentoren. Deshalb musste ich mich noch einmal voll konzentrieren und die gleichen Mechanismen wie immer abrufen. Dennoch habe ich die Stimmung aufgesaugt. Ich denke, dass erst nach einigen Tagen alles aufbricht und der ganze Ballast abfällt. Das dauert bei mir etwas länger. Dann werde ich sicher auch die ein oder andere Träne verdrücken."

Frage: "War es für Sie noch einmal ein besonderer Moment, die Meisterschale in Empfang nehmen zu dürfen?"

Kahn: "Das ist immer wieder das Größte. Es ist phänomenal, dass ich noch einmal mit den Fans auf dem Marienplatz feiern durfte."

Frage: "Was bleibt nach so einer Karriere hängen?"

Kahn: "Es waren 20 Wahnsinnsjahre mit vielen Erfolgen und hochemotionalen Erlebnissen. Da war alles drin, mehr kann man nicht erwarten. Ich fühle nur Dankbarkeit, dass mein Körper so lange mitgemacht hat und dass ich bei so einem Verein so tolle Erfolge feiern durfte. Dieses Gefühl bestimmt meinen Abschied."

Frage: "Mit einem eigenen Tor hat es nicht mehr geklappt. Warum sind Sie am Schluss nicht mehr nach vorne gestürmt, um sich den Wunsch zu erfüllen?"

Kahn: "Ich habe die ganze Zeit auf den richtigen Augenblick gewartet. Wenn es 4:0 gestanden hätte, wäre ich in den letzten fünf Minuten sicher nach vorne gestürmt. Aber durch das Gegentor der Berliner wurde das schwierig. Wenn wir ein zweites Tor bekommen hätten, wäre das doppelt blöd gewesen. Deshalb war mir der Rekord für die Mannschaft wichtiger als ein eigenes Tor."

Frage: "Können Sie sich vorstellen, dass Sie rückfällig werden?"

Kahn: "Es gibt keinen besseren Moment, um aufzuhören. Da wird gar nichts mehr passieren. Es gibt kein Zurück. Sicher könnte ich noch ein, zwei Jahre spielen. Aber dies würde alles nur verzögern."

Frage: "Befürchten Sie, ohne den Fußball in ein Loch zu fallen?"

Kahn: "Ich konnte mich ein Jahr auf diesen Augenblick vorbereiten. Es ist ja nicht so, dass ich plötzlich den Stecker rausziehe, das kommt ja nicht unerwartet. Aber sicher muss man alles erst erleben und die Dinge verarbeiten. Vielleicht ist es ein Befreiung."

Frage: "Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?"

Kahn: "Jetzt steht erst einmal noch die Asien-Reise mit den Bayern an. Dann habe ich es verdient, mich treiben zu lassen und zu regenerieren. Danach habe ich bestimmt wieder die Energie, interessante Aufgaben zu übernehmen."

© SID

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