Fußball Bundesliga: Kahn ohne Wehmut beim letzten Trainingslager

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Kahn ohne Wehmut beim letzten Trainingslager

"Man denkt nicht daran, dass es das letzte Trainingslager ist. Man schaltet auf Autopilot", beschreibt Torwart Oliver Kahn seine Situation vor dem Rückrundenstart beim FCB. Den Klinsmann-Hype hält er für übertrieben.

Wie oft er sich durch eine Vorbereitung in seinen 20 Jahren als Bundesliga- und Nationalspieler gequält hat, weiß Oliver Kahn nicht mehr so ganz genau. Eins weiß er aber sicher: Das aktuelle Trainingslager von Bayern München im südspanischen Marbella wird für ihn das letzte sein. Im Sommer ist für den 38 Jahre alten Torwart endgültig Schluss. Doch Wehmut will sich bei Kahn überhaupt noch nicht einstellen. Mit viel Ehrgeiz verfolgt der "Titan" auch in den letzten Monaten seiner schillernden Karriere seine Ziele.

"Man denkt nicht daran, dass es das letzte Trainingslager ist. Man schaltet auf Autopilot", sagte der 38-Jährige am Mittwoch. Für ihn sei es deshalb wie immer in den "40 oder 50 Trainingslagern, die ich mitgemacht habe. Man versucht konzentriert zu arbeiten und sich optimal vorzubereiten." Fragen würde er sich aber schon manchmal, wie er immer wieder die Disziplin aufgebracht habe, "um das durchzuziehen".

Große Gefühle zeigt Kahn nicht, wenn es um seinen Abschied nach der Saison geht. Vielmehr kann man sogar den Eindruck gewinnen, dass der ehemalige Nationalkeeper froh über das baldige Ende seiner Laufbahn ist. "Ich habe soviele Erfolge und Misserfolge, Emotionen und Erlebnisse gehabt: Irgendwann reicht es. Warum sollte ich deshalb auch Wehmut zeigen", meinte er gelassen.

Auch sein Vorhaben, das letzte Jahr noch einmal sehr bewusst zu erleben, ließ sich bisher nicht in die Tat umsetzen. Die Vorrunde habe gezeigt, "dass ich das nicht genießen kann. Dazu ist man zu sehr im Tagesgeschäft drin". Und überhaupt hätte er nach dem letzten Spiel noch genug Zeit, darüber nachzudenken.

Was nach weit über 500 Bundesligaspielen und 86 Länderspielen kommt, weiß Kahn, der im Moment wegen Nackenproblemen im Training kürzer treten muss, derzeit noch nicht. Er denke aber nicht, "dass ich ohne Fußball ins Schleudern kommen werde". Im Moment gebe es auch nichts, "was mich besonders reizen würde".

"Mittelfristig" will er auf jeden Fall nichts mit Fußball zu tun haben. "Ich brauche Distanz. Ich freue mich darauf, andere Dinge zu machen. Ich bin nicht dazu geboren, um ewig Fußballer und Torwart zu sein". Er habe viele Perspektiven, "aber ich will mich nicht festlegen lasen. Diese Fragen werde ich in aller Ruhe klären".

Bis es so weit ist, sich um die Zukunft Gedanken zu machen, will Kahn noch einmal alles dafür tun, um beim FC Bayern einen erfolgreichen Abschluss zu haben. "Meine Aufgabe als Kapitän sehe ich darin, alle Dinge zusammenzubringen, dass wir den gewünschten Erfolg haben werden und im Sommer auf dem Marienplatz stehen." Deshalb sieht es der ehemalige Karlsruher auch nur ungern, wenn immer wieder über das Thema Jürgen Klinsmann und die kommende Saison gesprochen wird: "Wir dürfen als Mannschaft nicht zulassen, dass permanent über die Zukunft gesprochen wird. Wir leben im Hier und Jetzt und müssen schauen, dass wir Erfolg haben."

Und dass sich der Erfolg einstellen wird, davon geht der Keeper aus: "Wenn ich unsere Mannschaft sehe, glaube ich, dass wir relativ souverän deutscher Meister werden. Wir arbeiten hart dafür. " Dass es Probleme geben könnte, weil Ottmar Hitzfeld als Trainer nur noch bis zum Saisonende da ist, glaubt Kahn nicht. Hitzfeld wirke "sehr, sehr konzentriert. Er weiß, dass auch für ihn nur der maximale Erfolg zählt. Er wird rigoros reagieren, wenn einer diesen gefährden würde".

Neben Titeln hat Kahn für die Rückrunde noch einen Wunsch. In bisher 543 Bundesliga-Spielen hat der 38-Jährige, der 1994 zu den Bayern kam, noch keinen Treffer erzielt. "Das ärgert mich schon ein bisschen, wenn ich die Statistiken anschaue und da steht eine Null", erzählt er mit einem Schmunzeln und beschreibt sein Wunschszenario: "Vielleicht klappt es im letzten Spiel gegen Hertha beim Stand von 1:1 in der 90. Minute und es geht noch um die deutsche Meisterschaft."

Doch Kahn wäre nicht Kahn, wenn er auch diesen Gedanken gleich wieder verwirft: "Aber dann wären wir ja nicht souverän deutscher Meister geworden."

© SID

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