Fußball-Bundesliga
Kalt bläst der Wind im Winter

Mit der Partie Dortmund gegen Mönchengladbach beginnt heute Abend der 17. und letzte Spieltag der Hinrunde in der Fußball-Bundesliga. Was bringt der letzte Auftritt der 18 Teams vor der Winterpause? Die Entscheidung um einen fragwürdigen Titel und viele unangenehme Antworten.

BERLIN. Eiskalte Böen blies der Winterwind in das gerötete Gesicht von Stefan Effenberg. Der ehemalige Profi des FC Bayern München war zum Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon eingeflogen worden. Doch nicht einmal der formidable 3:2-Auftritt seines ehemaligen Arbeitgebers im Stade Gerland vermochte den 40-Jährigen zu erwärmen, so unerbittlich wirbelten Regentropfen gegen seine Wangen. Aber es stand ihm nach Abpfiff wohlgelaunt Uli Hoeneß zur Seite, und weil der Manager der Bayern sich zuletzt hatte hinreißen lassen zu mancher Pöbelei gegen die TSG 1899 Hoffenheim, versuchte Effenberg seinem Gesprächspartner einen weiteren Seitenhieb zu entlocken - um sich daran lächelnd zu erwärmen. Er befragte Hoeneß nach Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick.

Doch Hoeneß widerstand der Verführung. Er trug die Jacke offen und die Freude über den Gruppensieg rot glänzend im Gesicht. Er wolle nicht über Hoffenheim reden, denn dies sei die Champions League, sagte Hoeneß, aber: Man werde im nächsten Jahr dazu einiges zu sagen haben: "Ich habe gewettet, dass die uns in die Champions League begleiten."

Seit jeher sind die Adressen des mächtigen Bayern-Funktionärs ein untrügliches Zeichen dafür, wen der Rekordmeister im Kampf um die Vormachtstellung in der Bundesliga ernst nimmt, und so konnten sich die Hoffenheimer vor und unmittelbar nach dem Spitzenspiel vor einer Woche, das die Bayern mit Mühe 2:1 gewannen, geadelt schätzen: Hoeneß hatte gleich mehrere Tage lang verbal scharmützelt. Dass dieser Schießerei nun ein versöhnliches Lob folgte, bedeutet reziprok: Hoeneß sieht nach der spielerisch so leichtfüßigen ersten Halbzeit gegen Lyon (3:0) keinen Gegner mehr.

Ein Spieltag in der Hinrunde steht noch aus, und die Bayern sind sich sicher: Mit einem Sieg beim VfB Stuttgart kehren sie nach Monaten der Abstinenz auf den angestammten ersten Platz zurück. "Wir wollen zeigen, dass die Herbstmeisterschaft nach München gehört", rief der ebenfalls frohrote Vorstandsvorsitzende Karl Heinz Rummenigge später auf dem Bankett den Spielern zu, und ahnte wohl dabei kaum, dass wenige Kilometer weiter weg, im Kraichgau, sein Ausruf erhört wurde.

Ralf Rangnick setzte sich am Morgen nach der Nacht der roten Nasen vor die Mikrophone und antwortete auf die Frage nach der Bedeutung des letzten Spieltags, an dem der Tabellenführer den FC Schalke 04 empfängt: Sie läge nicht im Gewinn "dieses Pseudotitels Herbstmeisterschaft. Wir wollen einfach nur gewinnen".

Ein Sieg freilich hielte seine Elf mit großer Wahrscheinlichkeit an der Spitze, Hinrunden-Titel hin oder her. Und dann wäre es endgültig erwiesen, dass sie keine Welle der Euphorie trägt und kein "Lauf", sondern dass ihr der spektakulärste Aufstieg in der Bundesliga-Geschichte geglückt ist: Mit dem klug angelegten Geld seines Mäzens Dietmar Hopp, mit visionären Einkäufen und mit einem Trainer, der vielleicht ein Besserwisser sein mag, was letztendlich aber egal ist: Denn Rangnick ist der geistige Vater eines so klugen und mutigen Teams, wie es die Liga noch nicht erlebt hat.

Seite 1:

Kalt bläst der Wind im Winter

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%