Fußball Bundesliga
Königs: "Die Sehnsucht nach Fußball wächst"

Im Gespräch äußert sich Rolf Königs, Präsident von Borussia Mönchengladbach, über Fußball in Zeiten der Wirtschaftskrise: "Fußball muss bezahlbar bleiben."

Borussia Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs spricht im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über wirtschaftliche Aussichten, sein Verhältnis zu den Fans und seine Philosophie der Vereinsführung.

sid: "Herr Königs, Ihnen gehören in 22 Ländern 86 Firmen, die Autopolster und komplette Sitze herstellen. Spüren auch Sie die Krise?"

Rolf Königs: "Natürlich. Wenn keine Autos mehr gebaut werden, werden auch keine Sitze mehr gebraucht. Ich will nicht schwarz malen, aber aus der Bankenkrise ist eine Wirtschaftskrise geworden."

sid: "Und wann erreicht die Krise die Bundesliga?"

Königs: "Die Krise wird nicht vor den Stadiontoren halt machen. Spannend wird es in der nächsten Sommerpause, wenn der Dauerkartenverkauf für die Saison 2009/2 010 beginnt und neue Sponsoring-Verträge abgeschlossen werden."

sid: "In der Schweiz gibt es seriöse Prognosen, dass im Sport- und Kulturbereich 25 Prozent der Sponsorengelder wegfallen könnten."

Königs: "Ich halte das als Durchschnittswert für eine realistische Schätzung, aber wir als Borussia werden diesen Rückgang nicht haben."

sid: "Weshalb nicht?"

Königs: "Weil Bundesligafußball nicht seinen Stellenwert verlieren wird, wir als Borussia eine gute Position am Markt und zu jedem unserer 250 Sponsoren eine persönliche Beziehung haben. Die haben uns in der 2. Liga nicht im Stich gelassen, die werden das auch jetzt nicht tun. Allerdings werden wir in der Betreuung unserer Sponsoren noch härter arbeiten müssen."

sid: "Und wenn die Fans ausbleiben, werden die Eintrittspreise erhöht."

Königs: "Zunächst einmal glaube ich grundsätzlich, dass in Zeiten der Krise die Sehnsucht nach Fußball noch wächst. Aber ich weiß auch, dass gerade in Mönchengladbach Fußball bezahlbar bleiben muss. Wir werden bei den Eintrittspreisen keine Verhältnisse wie in England oder Italien zulassen."

sid: "Das wird die Fans freuen. Wie ist eigentlich ihr Verhältnis zu ihnen?"

Königs: "Als ich auf einer Fanversammlung mal sagte, wir müssten die Marke Borussia pointierter positionieren, scholl es mir entgegen: Wir sind keine Marke, wir sind ein Fußballverein! Ich denke, die Fans müssen gar nicht alle Details über die Führung eines mittelständischen Unternehmens - und das ist der Verein Borussia - verstehen. Die Fans, wie auch unsere Sponsorenpartner, müssen aber eins wissen: Wir sind solide, seriös und zuverlässig. Sonst hätten wir nicht mehr als 40 000 Mitglieder, 620 Fanklubs mit 16 000 Mitgliedern und 7 000 Mitglieder in unserem Jünter-Klub, dem Klub für 0 - 10-jährige."

sid: "In Hamburg will offensichtlich eine Fangruppe die Macht im Verein übernehmen. Was halten Sie davon?"

Königs: "Ein Fußballverein soll Emotionen wecken, aber man kann ihn nicht alleine mit Emotionen führen."

sid: "Wie führt man denn einen Abstiegskandidaten wie die Borussia?"

Königs: "Als wir 1999 antraten, war der Verein so gut wie pleite. Wir hingen zu 60 Prozent von den Fernseheinnahmen ab. Heute haben wir bei einem Umsatz von 60 Mill. Euro einen gesunden Mix von je einem Drittel aus TV, Sponsoring und Ticketverkauf. Das ging nur mit der Methode, mit der wir 1978 angesichts der Textilkrise unseren Familienbetrieb vor dem Konkurs gerettet haben: Sanieren, restrukturieren, konsolidieren. Borussia war 2002 schuldenfrei. Wir haben seitdem - als Verein, wohlbemerkt! - ein WM-taugliches Stadion gebaut. Und wir müssen heute nicht zu Banken laufen, die an der Krise noch verdienen, indem sie mittelständischen Unternehmen hohe Zinsen abverlangen, falls sie überhaupt Geld gewähren."

sid: "Was halten Sie eigentlich von der 50+1 Regelung, die besagt, dass ein Verein immer die Mehrheit in der Profiabteilung haben muss? Hannovers Präsident Kind will diese Regelung abschaffen, um über Investoren an frisches Geld zu kommen."

Königs: "Ich bin ein überzeugter Kämpfer für die 50+1-Regelung. Ich unterstütze sie ohne Einschränkung. Borussia hat von Michael Kölmel vor Jahren die Fernsehrechte zurückgekauft. Alle Rechte gehören inzwischen uns, dem Verein. Kein Recht im Stadion ist verkauft. Wir wollen behalten, was uns gehört."

sid: "Dann steht noch die 6+5-Regelung im Raum. Fifa-Chef Joseph S. Blatter wünscht, dass beim Anpfiff sechs Spieler auf dem Rasen stehen, die für die jeweilige Nationalmannschaft spielberechtigt wären."

Königs: "Prinzipiell halte ich das für eine gute Idee, auch wenn kaum ein Verein sie derzeit in jedem Spiel umsetzt. Abgesehen von den nicht zu unterschätzenden politischen Hemmnissen: Wir bei Borussia versuchen, dies mittelfristig umzusetzen. Bei unserem Sieg in Bielefeld waren sechs Spieler unter 21 Jahre alt und vier davon kamen von der Borussia. Die Deutsche Fußball Liga will nicht, dass die Tabelle der Vereine betreffend der Qualität der Ausbildungszentren veröffentlicht wird, aber ich möchte schon erwähnen dürfen, dass wir in der Spitzengruppe liegen. Kurzum: Wenn Ausbildung belohnt wird und sich das Zukaufen von Stars nur noch bedingt lohnt, weil ihre Einsatzchance begrenzt wird, halte ich das sportlich und zur Erhaltung eines fairen Wettbewerbs für wünschenswert. Gerade für kleinere Vereine."

sid: Sie erscheinen selten in den Medien. Der 1. FC Nürnberg wird bereits spöttisch als der 1. FC ARO bezeichnet, weil der Präsident den Patriarchen gibt. Wie ist eigentlich ihre Philosophie über Vereinsführung?"

Königs: "Ich bin ein Teamspieler. Ich will, dass meine Mitarbeiter entscheiden, nicht erklären müssen. Wir sind Dienstleister für unsere Fans und unsere Sponsoren. Wir machen keine Politik, sondern Business. Und über allem steht Borussia. Leider sind wir derzeit wirtschaftlich besser aufgestellt als sportlich, da müssen wir die sportliche Seite verbessern."

sid: "Weshalb sind Sie eigentlich Präsident?"

Königs: "Ich bin bekennender Gladbacher, denn hier fing für mein Unternehmen Aunde im Jahre 1 899 alles an. Die Borussia ist das Aushängeschild unserer Stadt, und für die will ich arbeiten - ehrenamtlich, unentgeltlich. Die Borussia ist mein Hobby, der ich mein Wissen und Können zur Verfügung stelle. Und ein Hobby betreibt man nur, wenn es Spaß macht."

© SID

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