Fußball Bundesliga
Lehmann fordert Neuverpflichtungen

Jens Lehmann hat sich massiv für neues Personal bei seinem Klub VfB Stuttgart ausgesprochen. Nur mit einem Ersatz für Mario Gomez schaffe man es nicht, sagte Lehmann.

Horst Heldt versuchte, die Brandrede von Jens Lehmann ins Lächerliche zu ziehen - doch innerlich kochte der Manager von Bundesligist VfB Stuttgart auch einen Tag danach noch. "Jens hat ganz schön für Stimmung gesorgt", sagte Heldt über den Auftritt des Torhüters bei der VfB-Mitgliederversammlung am Dienstagabend, wo Lehmann seinen alten Kumpel Heldt in dessen immer verzweifelterer Suche nach Zugängen massiv unter Druck setzte - und schließlich ultimativ zum Handeln aufforderte.

"Da braucht man schon noch etwas mehr"

"Wir brauchen noch Verstärkungen. Nur mit einem Ersatz für Mario (Gomez) schafft man es nicht. Da braucht man schon noch etwas mehr", sagte Lehmann, der aus dem Trainingslager im österreichischen Leogang zugeschaltet war. In einem Appell an die 1923 Mitglieder im voll besetzten Carl Benz Center fügte der Keeper an: "Nehmen sie den Vorstand und den Aufsichtsrat in die Pflicht, weitere Investitionen in die Mannschaft zu tätigen."

Kapitän Thomas Hitzlsperger schloss sich Lehmanns Aufforderung grundsätzlich an, beide ernteten Applaus von den Mitgliedern. Denn auch den VfB-Anhängern geht die seit Wochen ergebnislose Suche nach einem neuen Angreifer auf die Nerven. Demba Ba und wohl auch Patrick Helmes wären gerne gekommen, der VfB sagte beiden wegen Verletzungen ab. Jetzt will Heldt Klaas-Jan Huntelaar für 18 Mill. Euro von Real Madrid an den Neckar holen, doch der Niederländer ziert sich.

"Glaube mir, wir werden Verstärkungen holen"

Heldt steht unter Druck wie noch nie in seiner Managerkarriere, und er versuchte deshalb, die Wogen zu glätten. "Lieber Jens", rief er Lehmann zu, "glaube mir, wir werden Verstärkungen holen." Als er am Mittwoch in Leogang angekommen war, versammelte er die Presse um sich und versuchte sich weiter in Deeskalation. "Wer Jens kennt weiß, dass er ein sehr offener und ehrlicher Mensch ist. Damit habe ich kein Problem", sagte er, fügte aber auch an: "Jeder hat seine Aufgabe. Jens soll möglichst wenig Tore reinbekommen, und darauf sollte er sich auch konzentrieren."

Via Sport-Bild hatte Heldt außerdem am Morgen dem Wunsch der Profis nach mehreren neuen Klassespielern eine klare Absage erteilt: "Wir holen für den Angriff einen hochkarätigen Neuzugang. Danach ist nach jetzigem Stand Schluss." Davon wollte er - nach einem Gespräch mit Lehmann? - am Nachmittag aber bereits nichts mehr wissen: "Ich sage viel, wenn der Tag lange ist."

Entscheidung bis Ende der Woche

Die Priorität "liegt auf dem Sturm", ergänzte Heldt, "aber wir halten auch darüber hinaus die Augen offen". Im Falle Huntelaar gehe es nicht ums Geld, ergänzte er, "wir sind nicht konkurrenzlos". Auch Tottenham Hotspur bemühe sich um den 25-Jährigen, "doch ich glaube, dass wir da im Gesamtprodukt attraktiver sein können", meinte Heldt. Bis Ende der Woche soll es eine Entscheidung geben, ergänzte er.

Diese Hoffnung bekommt durch eine Nachricht aus Madrid Nahrung. "Ich glaube, er ist sich seiner Situation bewusst geworden", sagte Madrids Sportdirektor Miguel Pardeza über Huntelaar, dem Real schon mitgeteilt hat, dass es nicht mehr mit ihm plant. "Wenn er noch ein, zwei Tage braucht, ist es nicht schlimm", versicherte Heldt.

Babbel bleibt gelassen

Teamchef Markus Babbel verfolgt das Gezerre im Trainingslager äußerlich gelassen. Doch wie er wirklich denkt, verrät er, wenn er über die Bedeutung des Camps in Leogang spricht. "Wir arbeiten viel im taktischen Bereich, um optimal vorbereitet zu sein", sagt er. Bei der Taktikschulung sollte der Neue eigentlich schon dabei sein.

Denn der muss sich schon Mitte August so sicher im Stuttgarter Trikot fühlen, dass er die Schwaben in die Champions League schießt. Wie wichtig die Einnahmen aus der Königsklasse sind, zeigte die vom VfB am Dienstag veröffentlichte Bilanz. Der Verein ist gesund und erwirtschaftete einen Gewinn, doch der Stadionumbau wird ihn künftig jährlich mit zusätzlichen vier Mill. Euro belasten. Und wegen der Plätze-Reduktion wird zunächst weniger Geld fließen. Finanzchef Ulrich Ruf rechnet mit "zwei, drei Mill. weniger im Jahr".

Ruf: "Müssen den Gürtel enger schnallen"

Rufs Fazit: "In den nächsten ein bis zwei Jahren müssen wir den Gürtel enger schnallen." So sucht der VfB nach der Balance zwischen Sparzwang und Investitionen. Zumal Präsident Erwin Staudt den Anteil der Kaderkosten am Umsatz senken will. Doch er weiß: "Wir suchen nicht nach einem Ergänzungsspieler, sondern nach einer Korsettstange - und das kostet Zeit und Geld."

© SID

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