Fußball Bundesliga
Lehmann lenkt ein und zahlt

Jens Lehmann hat nach seiner Kritik am Vorstand des VfB Stuttgart eingelenkt und seine Abmahnung sowie die Geldstrafe über 40 000 Euro akzeptiert.

Querulant Jens Lehmann hat eingelenkt und damit den Weg für einen würdigen Abgang von der Fußball-Bühne beim VfB Stuttgart zum Saisonende geebnet. Der 40-Jährige akzeptierte am Donnerstag die Bestrafung für seine öffentliche Kritik am Klub-Vorstand. "In dem Gespräch sind die Sachen aus dem Weg geräumt worden. Er hat die Geldstrafe und die Abmahnung akzeptiert", sagte Stuttgarts Sportvorstand Horst Heldt nach einem erneuten Treffen mit dem Torhüter, dem auch der neue Trainer Christian Gross beiwohnte.

Lehmann selbst bestätigte am Donnerstagabend in der Sendung Kerner bei Sat.1, dass er die Geldstrafe 'natürlich bezahlen' werde, "auch wenn es eine andere Summe ist als die, die immer genannt wird". Sie sei aber sehr hoch.

Am vergangenen Sonntag war der Ex-Nationalkeeper dann im Spiel Stuttgarts beim FSV Mainz 05 (1:1) in der 87. Minute des Feldes verwiesen worden, weil er Aristide Bance im Strafraum auf den Fuß getreten hatte. Bei Kerner entschuldigte er sich dafür. "Bei mir ist das leider so, dass ich mich nicht immer richtig verhalte. Ich gebe mein Bestes, aber es klappt nicht immer. Besonders in Drucksituationen, da passieren mir Dinge, die nicht passieren sollten", sagte Lehmann: "Es tut mir vor allem für die Mannschaft leid, wir hätten drei Punkte holen können, die wir verdient gehabt hätten - jetzt haben wir nur einen Punkt und das durch meine Aktion, die ich hätte vermeiden können."

Nach seinem Fehltritt auf dem Platz wurde er später auch noch gegenüber einem Fan handgreiflich. Dem VfB-Anhänger riss er vor dem Stadion die Brille von der Nase und sorgte so zum wiederholten Male für helle Aufregung und Diskussionen. "Der Fan hat meiner Meinung nach nicht das Recht, mich direkt nach dem Spiel so zu konfrontieren - meine Reaktion war aber auch nicht richtig. Ich wusste einfach in dem Moment nicht, wie ich ihn sonst zum Schweigen bringen soll. Es war nicht passend", sagte er.

Sperre wird wahrscheinlich akzeptiert

Für die Rote Karte hatte Lehmann vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Sperre von drei Spielen erhalten. Ob er gegen diese Berufung einlegen wird, ist noch nicht geklärt. Aber: "Ich weiß es nicht zu 100 Prozent, aber ich denke, dass wir die Sperre akzeptieren werden", sagte Heldt weiter.

Lehmann, der sich zu den Turbulenzen vom Wochenende am Donnerstag in der Sat.1-Sendung Kerner äußerte, wird in den Spielen am Samstag (15.30 Uhr/live bei Sky und Liga total) gegen 1 899 Hoffenheim sowie zum Auftakt der Rückrunde gegen den VfL Wolfsburg (16.1.) und beim SC Freiburg (22.1.) fehlen.

"Mehr Gelassenheit würde ihm gut zu Gesicht stehen"

"Er ist sehr differenziert. Aber ein bisschen mehr Gelassenheit würde ihm gut zu Gesicht stehen", sagte der neue Coach Christian Gross nach dem erneuten Gespräch mit dem eigenwilligen Sportler. Dass die VfB-Verantwortlichen erneut Gnade walten ließen, hat Lehmann nicht zuletzt Christian Gross zu verdanken. Der Eidgenosse hatte sein Veto gegen eine Entlassung eingelegt und ist nun überzeugt, "dass Jens nach der Vorbereitung hoch motiviert in die Rückrunde starten und alles für einen tollen Abschluss seiner Karriere im Sommer 2010 tun wird".

Lehmanns früherer Rivale Oliver Kahn hatte den zur Zeit auch noch am Knie verletzten Lehmann bereits zum Rücktritt aufgefordert. Laut Sky-Experte Stefan Effenberg, früher selbst kein Kind von Traurigkeit, ist Lehmann "voll von Adrenalin und Emotionen". Es sei niemand frei von Fehlern, sagte Effenberg weiter, deshalb habe Gross "genau richtig reagiert, dass er ihn nicht rausgeschmissen hat".

Wer im letzten Hinrundenspiel des VfB am Samstag gegen 1 899 Hoffenheim (18.30 Uhr live bei Sky und Liga total) im Tor steht, wollte der Schweizer nicht sagen. Die Tendenz geht aber in Richtung Sven Ulreich, der in Mainz nach dem Platzverweis von Lehmann zwischen die Pfosten rückte. "Sven Ulreich hat Vorteile", sagte Gross immerhin. Konkurrent von Ulreich ist Alexander Stolz.

© SID

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