Fußball Bundesliga
Mainz dank Lehmann mit Remis gegen Stuttgart

Eine Tätlichkeit von Jens Lehmann bringt Mainz 05 ein spätes Tor gegen den VfB Stuttgart. Die Schwaben verpassen durch das 1:1 einen perfekten Einstand von Trainer Christian Gross.

"Enfant Terrible" Jens Lehmann hat für einen weiteren Eklat gesorgt, dem VfB Stuttgart einen möglichen Befreiungsschlag in der Bundesliga verdorben und mit Handgreiflichkeiten gegenüber Fans für weiteren Ärger gesorgt. Der 40-Jährige trat drei Minuten vor dem Ende des Punktspiels der Schwaben beim FSV Mainz 05 im Strafraum Aristide Bance auf den Fuß und rempelte den Stürmer leicht, was Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) als Tätlichkeit wertete und Lehmann die Rote Karte (87.) zeigte.

Den fälligen Foulelfmeter zum 1:1 (1:0)-Endstand zwischen dem FSV und dem VfB verwandelte Eugen Polanski gegen Lehmann-Ersatz Sven Ulreich und machte zugleich einen optimalen Bundesliga-Einstand des neuen Trainers Christian Gross zunichte, der am vergangenen Mittwoch mit dem 3:1 gegen Unirea Urziceni und dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale ein Traum-Debüt hatte. Stürmer Pawel Pogrebnjak (11.) hatte Stuttgart in Führung gebracht.

Heldt: "Ich glaube nicht, dass es sein letztes Spiel war"

"Die Szene mit Jens war unnötig. Ich kenne den Fußballer Lehmann recht gut, aber den Menschen Lehmann recht wenig. Ich werde mit ihm die Situation recht intensiv analysieren. Der Mannschaftserfolg steht bei mir über allem", sagte Gross. Sportvorstand Horst Heldt, der mit Lehmann nach dessen öffentlicher Kritik am Vorstand ohnehin schon im Clinch lag, wollte von einer vorzeitigen Trennung nichts wissen: "Er steigt ihm auf den Fuß. Aber ich muss erstmal mit dem Jens darüber sprechen. Ich glaube nicht, dass das sein letztes Spiel war. Er wird jetzt eine Sperre bekommen, aber er hat Vertrag bis 30. Juni 2010."

Lehmann hatte eine Abmahnung und eine Geldstrafe von angeblich 40 000 Euro erhalten, die der Ex-Nationalkeeper nicht akzeptierte. Jens Lehmann legte sich nach dem Spiel dann auch noch mit Fans an. Der Keeper verließ wenige Minuten nach Spielende fluchtartig und wortlos das Stadion-Innere und geriet dann mit einem VfB-Anhänger aneinander. Lehmann riss dem Mann die Brille vom Kopf, gab diese aber zurück, nachdem er dazu mehrfach aufgefordert wurde. Dann bekam der Torhüter, der sich auch noch mit einem Kameramann anlegte, nach längerer Suche ein Taxi zum Frankfurter Flughafen, um einen Flieger nach München zu erreichen. VfB-Mediendirektor Oliver Schraft teilte dem SID mit, dass der Verein darüber Kenntnis hatte und dies nichts Ungewöhnliches sei.

Stuttgart über weite Strecken überlegen

Zuvor konnten die mutig aufspielenden Stuttgarter in einer unterhaltsamen Begegnung vor allen Dingen in der ersten Halbzeit Akzente setzen. In die Karten spielte den Gästen nach der Gala in der "Königsklasse" am vergangenen Mittwoch gegen Urziceni die frühe Führung. Eine Hereingabe von Arthur Boka nutzte der Russe Pogrebnjak und bugsierte den Ball mit der Hüfte aus kurzer Distanz zu seinem dritten Saisontor über die Linie.

Auch in der Folge wussten die zuvor in acht Ligaspielen sieglosen Gäste zu überzeugen, während sich die über weite Strecken enttäuschenden Mainzer viele Ballverluste leisteten. Im Vergleich zum Sieg gegen Urziceni hatte der Schweizer Gross sein Team auf einer Position umstellen müssen - und taktisch glänzend eingestellt. Für Serdar Tasci (Gelbsperre) rückte Georg Niedermeier in die Innenverteidigung, zudem fehlte erneut Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (Muskelfaserriss).

Die Ausfälle machten sich aber nicht bemerkbar. Im Gegenteil: Die Mainzer konnten sich bei Keeper Heinz Müller bedanken, dass sie nicht schon zur Halbzeit höher zurücklagen. Vor allen Dingen nach einem Kopfball von VfB-Stürmer Ciprian Marica bot Müller sein ganzes Können auf und drehte den Ball in Weltklassemanier noch um den Pfosten (40.). Auf der Gegenseite war bei den wenigen Mainzer Chancen Jens Lehmann auf dem Posten. Der Ex-Nationaltorhüter klärte gegen Bance (17.) und Tim Hoogland (38.). Auch nach dem Wechsel wirkte das Anrennen der Gastgeber oftmals hilflos. Dennoch kamen Andre Schürrle (57.) und Bance (73.) zu guten Gelegenheiten, vergaben aber.

© SID

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