Fußball Bundesliga
Meisterschafts-Favoriten müssen sich beweisen

Bayern will für den Pokalauftritt entschädigen, Bremen die verkorkste Vorbereitung vergessen. In Friedhelm Funkel und Lucien Favre treffen zwei gefrustete Trainer aufeinander: Der erste Bundesliga-Samstag birgt Brisanz.

Drei Monate Bundesliga-freie Zeit sind zu Ende, heute startet das Gros der Erstligavereine wieder in den regulären Spielbetrieb - mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Im DFB-Pokal schrammte der runderneuerte FC Bayern München bei Regionalligist Wacker Burghausen noch knapp an einer Blamage vorbei, nun soll im Auftakt-Heimspiel gegen Aufsteiger Hansa Rostock der Grundstein für eine Bundesliga-Saison der Superlative gelegt werden. Auch die Titel-Konkurrenz will gleich zu Beginn die eigenen Ansprüche unterstreichen, wobei vor allem Werder Bremen nach der verkorksten Vorbereitung mit vielen Verletzten beim VfL Bochum gefordert ist. Spannung verspricht zudem das ausverkaufte Nord-Derby zwischen Hannover 96 und dem Hamburger SV (alle heute, 15.30 Uhr/live bei Premiere).

"Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Jetzt beginnt die Punktejagd für uns", sagte Ottmar Hitzfeld, der gegenüber dem Münchner Merkur einräumte, dass man in Burghausen "haarscharf an einer Katastrophe vorbeigekommen" sei. Präsident Franz Beckenbauer, der nach dem mühevollen Pokalsieg erst nach Elfmeterschießen die Mannschaft wegen ihres trickreichen, aber wenig zielstrebigen Spiels als Zirkustruppe gebrandmarkt hatte, glaubt ohnehin nicht an einen Sturmlauf des für rund 70 Mill. Euro verstärkten Starensembles. "Es wird keinen Durchmarsch geben, sondern ein lange spannendes Titelrennen", erklärte Beckenbauer in der Bild-Zeitung.

Verzichten wird Hitzfeld zumindest in der Startelf auf den italienischen Weltmeister Luca Toni, der erst am Donnerstag wieder ins Training eingestiegen war. Zudem steht hinter Hamit Altintop ein kleines Fragezeichen. Der Mittelfeldspieler, der mit einer starken Vorbereitung auf sich aufmerksam gemacht hat, hatte im Training einen Schlag aufs Knie bekommen und musste pausieren.

Die Gäste, die bislang 27 Prozent der Spiele beim Rekordmeister gewinnen konnten und damit einen Ligarekord halten, wollen sich trotz solch imposanter Namen wie Franck Ribery nicht verstecken. "Wir kommen nicht nach München, um das Stadion zu fotografieren", sagte Trainer Frank Pagelsdorf, der offenbar mutig zwei Stürmer aufbieten will.

Den Mut nicht nehmen lassen wollen sich die Bremer trotz der schwachen Leistungen in Vorbereitung und Pokal. "Mit unserem Kader ist unser Anspruch natürlich, um die Champions-League-Plätze mitzuspielen, daran hat sich auch durch die Vorbereitung nichts geändert", erklärte Sportdirektor Klaus Allofs. Und Trainer Thomas Schaaf nahm der Mannschaft jegliches Alibi: "Wir sind bereit. Wir haben auch mit den Spielern, die uns zur Verfügung stehen, ein starkes Team."

Immerhin lichtete sich das Werder-Lazarett in den vergangenen Tagen etwas, zudem sind die Bremer gern an der Ruhr zu Gast. Nur einen Punkt aus den letzten fünf Heimspielen gegen das Team von der Weser konnte der VfL Bochum holen, zuletzt setzte es ein happiges 0:6. "Es wird Zeit, dass wir diese Statistik umbiegen", forderte Trainer Marcel Koller.

Mit besten Empfehlungen treffen dagegen Hannover und der HSV im kleinen Nord-Derby aufeinander. Glanzlichter aus der Vorbereitung wie der 3:0-Sieg gegen Bernd Schusters Startruppe von Real Madrid haben aufhorchen lassen. "Wir müssen vom 40-Punkte-Denken wegkommen", hatte Trainer Dieter Hecking erklärt. Gegen Hamburg, Lieblingsgegner der 96er, müsse nun der "riesige Spagat zwischen erfreulichen Leistungen der Vorbereitung und dem Druck der neuen Saison" bewältigt werden.

Startschwierigkeiten in die neue Saison befürchtet unterdessen Lucien Favre, neuer Trainer bei Hertha BSC Berlin, angesichts der zögerlichen Transfer-Politik. Zwar dementierte Manager Dieter Hoeneß eine Meldung der Neuen Zürcher Zeitung, dass Favre angeblich seinen Rücktritt angeboten habe, doch zufrieden ist der Schweizer mit seinem jetzigen Kader noch nicht. Sein Frankfurter Kollege Friedhelm Funkel, Top-Kandidat der Buchmacher für die erste Trainerentlassung, dürfte ebenfalls vor einer schweren Saison stehen. Er selbst peilt mehr als 40 Punkte an, die Mannschaft mehr als 45, und der Aufsichtsrats-Chef Herbert Becker erwartet nicht weniger als "einen einstelligen Tabellenplatz, mehr gewonnene und attraktivere Heimspiele".

Zudem treten Bayer Leverkusen und Energie Cottbus im Duell der Pokal-Verlierer gegeneinander an, der VfL Wolfsburg empfängt Arminia Bielefeld.

© SID

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