Fußball Bundesliga
Middendorp muss seinen Hut nehmen

Wie erwartet hat sich Arminia Bielefeld von seinem "Jahrhundert-Trainer" Ernst Middendorp getrennt. Das wurde nach einer Sitzung des Vorstandes mit dem Aufsichtsrat bekannt gegeben.

"Jahrhundert-Trainer" Ernst Middendorp ist bei Arminia Bielefeld entlassen worden. Drei Tage nach der 1:6-Pleite bei Borussia Dortmund haben die Ostwestfalen am Montag wie erwartet die Konsequenz aus der anhaltenden Talfahrt gezogen. Damit ist die dritte Amtszeit des 48-Jährigen auf der Alm nach nur knapp neun Monaten beendet. Erst Ende Mai hatte "Power-Ernst", nach dem Klassenerhalt in der Vorsaison noch gefeierter Held, seinen Vertrag bis 2009 verlängert.

Im abschließenden Hinrunden-Spiel am Samstag gegen den deutschen Meister VfB Stuttgart wird Amateur-Coach Detlev Dammeier die Profis betreuen, danach soll ein neuer Trainer übernehmen. Als Favoriten gelten der Ex-Cottbuser Petrik Sander, Jürgen Kohler oder Michael Frontzeck. Auch die Namen Jürgen Röber und Ewald Lienen werden gehandelt.

"Die Fakten lügen nicht"

"Die Fakten lügen nicht. Wir haben nur fünf Punkte aus den letzten elf Spielen geholt. Die Gegentore will ich gar nicht zählen. Es waren Spiele dabei, da dachte man, es geht gar nicht schlechter - und dann ging es doch noch", sagte Geschäftsführer Reinhard Saftig auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Saftig erklärte, dass man noch keinen neuen Trainer kontaktiert habe. Dennoch wolle man "eine schnelle Lösung" finden, damit der Middendorp-Nachfolger am 4. Januar den Trainingsauftakt nach der Winterpause leiten kann.

Middendorp, der vor gut zwei Jahren von den Arminia-Fans noch zum "Jahrhundert-Trainer" gewählt worden war, verabschiedete sich am Montag von der Mannschaft und reagierte verbittert auf die Entlassung: "Es ist für mich eine sehr emotionale Sache. Ich war diesem Verein 20 Jahre lang verbunden", meinte er und fügte mit Blick auf Saftig und Co. hinzu: "Der Verein ist nicht nur Ernst Middendorp. Es gibt eine ganze Menge Leute, die mitverantwortlich sind. Ich hoffe, dass sich alle dessen bewusst sind und sich in der Weihnachtszeit darüber Gedanken machen."

Markige Sprüche von Middendorp

Schon am Wochenende hatte Middendorp mit Entscheidungsträgern und Spielern abgerechnet. "Wer hat denn das Arminenherz? Herr Saftig? Frank Geideck hat es, ich habe es, Kauf, Böhme auch - und die anderen verpissen sich", meinte Middendorp. Saftig bezeichnete diese Äußerungen zwar als "Nachtreten", hob allerdings hervor, dass Middendorps Entlassung rein sportliche Gründe gehabt habe. Das Votum gegen den Coach in Geschäftsführung und Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen.

Middendorp war am 14. März nach seiner Tätigkeit in Südafrika nach Bielefeld zurückgekehrt und hatte den Klub mit vier Siegen in Serie (30. bis 33. Spieltag) vor dem Abstieg bewahrt. Zuvor war der impulsive Coach, der die Arminia einst von der Regionalliga in die Bundesliga geführt hatte, schon von 1988 bis 1990 sowie 1994 bis 1998 bei dem Traditionsklub tätig gewesen.

Nach einem fulminanten Start in diese Saison verlängerten die Klubbosse mit Middendorp, und von da an ging es stetig bergab. In der aktuellen Bilanz steht ein Sieg aus den letzten elf Spielen. Mit 2:28 Toren aus den letzten sieben Bundesliga-Gastspielen ist der einstige Tabellenzweite (5. Spieltag) und "Bayern-Jäger" (Middendorp) zur Schießbude der Liga und zum Abstiegsaspiranten verkommen. Bislang 38 Gegentore bedeuten zu diesem Zeitpunkt Vereinsrekord. "In der letzten Saison hatten wir nach 17 Spieltagen die Hälfte an Gegentoren kassiert", stellte Saftig nüchtern fest.

Von ihrer Jahrhundert-Trainer-Wahl haben die Fans längst Abstand genommen. "Middendorp raus!", skandierten die rund 2 500 Anhänger nach dem Schlusspfiff in Dortmund, nachdem die Profis den Beweis ihrer Bundesliga-Tauglichkeit einmal mehr schuldig geblieben waren. Noch nach dem 0:3 in Bochum hatte die Bielefelder Chefetage ohne Wenn und Aber zu Middendorp gestanden. "Er ist und bleibt unser Trainer. Wir führen keine Trainerdiskussion, nicht gestern, nicht heute, nicht morgen", hatte Saftigs Geschäftsführer-Kollege Roland Kentsch gesagt. Diese Aussagen sind gerade mal zwei Wochen alt.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%