Fußball Bundesliga
Neue Trainer: Klinsmann tanzt aus der Reihe

Die neuen Bundesligatrainer sind 100 Tage im Amt. Eine gute Bilanz können fast alle vorweisen - ausgenommen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann. Sein Team liegt hinter allen Erwartungen.

Neue Besen kehren gut - es sei denn, sie heißen Jürgen Klinsmann. So lautet das 100-Tage-Fazit der neuen Trainer in der Bundesliga. Während Klinsmann, der bereits am Dienstag den magischen Zeitraum zur ersten Zwischenbilanz erreichte, mit Rekordmeister Bayern München den schlechtesten Saisonstart seit 31 Jahren hinlegte und auf Rang elf rumdümpelt, stehen die anderen vier Trainer-Neulinge nach den ersten sieben Spielen geschlossen unter den Top Sechs.

Wie Klinsmann haben Martin Jol (Hamburger SV), Bruno Labbadia (Bayer Leverkusen), Fred Rutten (Schalke 04) und Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) die Pflichtzeit der Spieler auf dem Trainingsgelände verlängert. Wie Klinsmann setzen sie auf Akribie, neueste Trainingsmethoden, Disziplin und am liebsten Offensiv-Fußball. Und wie Klinsmann wollen sie auch Freude und positive Stimmung reinbringen. Anders als der frühere Bundestrainer tun sie dies aber bis jetzt größtenteils mit sportlichem Erfolg.

Konkurrenz hui, Klinsmann pfui

So wird nur in München mancherorts über den neuen Trainer gemosert, den Fans beim 3:3 am Samstag gegen den VfL Bochum schon am liebsten "raus" wünschten. Bei Tabellenführer Hamburg schwärmt man dagegen von der Zielstrebigkeit des früheren niederländischen Bayern-Profis Jol, der den Radikal-Umbau nach dem Saisonstart und Verlust von Superstar Rafael van der Vaart (Real Madrid) erstaunlich schnell mit guten Ergebnissen garnierte.

Beim Tabellenvierten Leverkusen sind alle begeistert von der Offensiv-Philosophie Labbadias. Beim Fünften Schalke überzeugt Rutten Spieler und Umfeld durch seine Autorität und sein taktisches Verständnis. Und in Dortmund hat der frühere TV-Bundestrainer Klopp den ganzen Klub erstaunlich schnell mit seiner Euphorie und seinem positiven und einnehmenden Wesen mitgerissen.

Getrübt wurde die Bilanz der beiden Ruhrpott-Klubs allerdings durch Rückschläge im Europapokal. Schalke verpasste durch die Demontage bei Atletico Madrid (0:4) die Qualifikation zur Champions League, Dortmund nach erschreckend schwachen Hinspiel und großer Moral mit anschließendem Elfmeter-Krimi gegen Udinese Calcio als einziger Bundesligist sogar die Gruppenphase des Uefa-Cups.

Ausschließlich positiv fällt die Bilanz also nur bei Jol aus. Unter ihm ist der HSV Tabellenführer der Bundesliga, steht im DFB-Pokal im Achtelfinale und im Uefa-Cup in der Gruppenphase. Und das, obwohl das Team lange nach Beginn der Vorbereitung komplett umgekrempelt wurde. "Wenn die Leute vor der Saison gesagt hätten, dass wir Tabellenführer sind, hätte man das nicht geglaubt. Aber die Jungs haben eine gute Einstellung und sind sehr gut erzogen", erklärte Jol und gab das Lob an seine Spieler weiter.

Klinsmann nicht feurig genug?

Auch Leverkusens Sportchef Rudi Völler suchte einen Trainer, "der neues Feuer reinbringt und der die Spieler begeistert". Genau diese Rolle füllt Labbadia bisher aus. "Wenn man zwei frühere Stürmer als Chef hat, spielt man auch Fußball, der Spaß macht", schwärmte Nationalstürmer Patrick Helmes, mit sieben Tore an der Spitze der Torjägerliste, von Labbadia und Völler.

Auf Schalke hakte das Offensivspiel zuletzt häufig. Doch in der Gesamtheit überrascht, wie ruhig und unaufgeregt Rutten den Verein bisher durch eine Saison mit dem Olympia-Aufreger um den Brasilianer Rafinha, das Champions-League-Aus und Fan-Anfeindungen gegen Stürmer Kevin Kuranyi führt.

In Dortmund hat Klopp außer an vier schwarzen Tagen mit zwei Niederlagen gegen Udine (0:2) und in Hoffenheim (1:4) nicht nur die Aufgabe des Team-Erneuerers, sondern auch des "Gute-Laune-Onkels" bestens erfüllt. "Jürgens größte Stärke ist, dass er sehr authentisch ist. Er ist für Borussia ein Glücksfall!", sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Das sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer im Übrigen nach dem 1:0 in der Champions League bei Steaua Bukarest auch über Klinsmann. Es folgten eine Negativserie und Zweifel bei etlichen Bayern-Fans.

© SID

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