Fußball Bundesliga
Präsident Hoeneß fordert "Mia san Mia" zurück

Neue Zeitrechnung, alte Werte: Bei Bayern München soll unter Neu-Präsident Uli Hoeneß an frühere Zeiten angeknüpft werden. "Wir müssen wieder das "Mia san Mia" leben", so Hoeneß.

Die neue Zeitrechnung bei Bayern München unter Präsident Uli Hoeneß begann mit der Beschwörung alter Werte. "Wir müssen wieder das "Mia san mia" leben, dürfen uns nicht von außen anpinkeln lassen und müssen uns mehr wehren - nicht mehr auch noch die andere Backe hinhalten. Wir müssen wieder der Klub werden, der selbstbewusst und gnadenlos seine Ziele verfolgt. Und am Ende auch verwirklicht", rief der neue Vereinschef den Mitgliedern zu.

Diese hatten Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung am Freitag mit einem Traumergebnis an die Spitze des sportlich schwächelnden, wirtschaftlich aber weiter kerngesunden Klubs gewählt. 99,2 Prozent der 4 490 Mitglieder stimmten für Hoeneß als Nachfolger des nach 15 Jahren als Klub-Oberhaupt zum Ehrenpräsidenten ernannten "Kaisers" Franz Beckenbauer. Am Ende des überraschend harmonischen Treffens rief ein Fan Hoeneß gar zum "Kini" (König) von Bayern aus.

Mitglieder feiern "Uliii"

Dabei war Hoeneß den Abend nach den sportlichen Enttäuschungen der vergangenen Wochen "mit einigem Muffensausen" angegangen - doch die Sorge des nach 30 Jahren scheidenden Managers war unbegründet. Die Mitglieder feierten ihren "Uliii" mit stehenden Ovationen, sein Vorgänger wurde mit salbungsvollen Worten verabschiedet, die Bilanz mit 2,5 Mill. Euro Gewinn stimmte, und in den höflichen Applaus für den umstrittenen Coach Louis van Gaal mischten sich kaum Pfiffe.

Und so richtete sich die "Abteilung Attacke" nicht wieder gegen rebellische Fans oder den eigenen Trainer, sondern gegen die vielen Gegner des Branchenführers. "Wir müssen gegen die draußen arbeiten, nicht intern gegeneinander", sagte Hoeneß. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dessen Rede von mancher Unmutsäußerung begleitet wurde, ergänzte in flehentlichem Tonfall: "Wir müssen die Kräfte bündeln. Sachlich und rational handeln - nicht irrational oder emotional."

Das gelte besonders in der Trainerfrage. "Wir tun gut daran, das Wort Geduld nicht nur zu strapazieren, sondern auch zu leben. Wenn unsere Raketen Ribery und Robben zurückkommen, werden wir eine Aufholjagd starten", sagte Rummenigge: "Die Saison ist noch nicht zu Ende. Wir werden kämpfen und fighten, um unsere Ziele zu erreichen."Ähnlich klang der abdankende "Kaiser": "Geduld haben, Zeit geben."

Beckenbauer machte in seiner nonchalanten Art jedoch auch sehr deutlich, wie sehr die stolzen Bayern die aktuelle Lage nervt. "Sie werden sich auch gewundert haben: Wo sind denn die Pokale?", meinte er schmunzelnd, und fügte an: "Deswegen bitte ich Louis van Gaal und die Spieler, den ein oder anderen Pokal in dieser Saison zu holen." Bis zur Winterpause, betonte die "größte Persönlichkeit, die unser Klub je hervorgebracht hat" (Rummenigge), solle der Abstand auf die Spitze verringert werden, "um dann in der Rückrunde anzugreifen".

Doch das waren schon genug der lauten Worte, der Rest der fast fünf Stunden dauernden Veranstaltung, die der neue Präsident Hoeneß um 23.46 Uhr beschloss, ging in der allseits versprühten Harmoniesoße unter. Beckenbauer und Hoeneß wurden mit emotionalen Einspielfilmen gewürdigt, wohlige Wärme füllte die einem Flugzeug-Hangar ähnelnde Halle C1 der Münchner Messe - und die Sorgen des neuen Chefs waren jetzt endgültig zerstoben.

Rummenigge nennt Hoeneß die "Seele des FC Bayern"

Als Rummenigge Hoeneß die "Seele des FC Bayern" nannte, hatte der so Gerühmte Mühe, die Fassung zu wahren. "Das ist schon an die Nieren gegangen, das war ein bewegender Moment. Deshalb war ich da auch sehr emotional", sagte er später. Derart aufgewühlt gab Hoeneß ganz den volksnahen, jovialen Klubboss. Er reichte der Opposition, "wenn es denn eine gibt", die Hand - und versprach, den Sorgen der Fans monatlich einen "Sprechtag" zu widmen.

Auch Christian Nerlinger, seinem Nachfolger auf dem Posten des Managers, will Hoeneß"als Ratgeber und Helfer zur Seite stehen. Da, wo er mich braucht. Aber ich werde ihn sicher nicht erdrücken." Das wird Nerlinger gerne gehört haben, schließlich weiß er um die laut Beckenbauer "sehr, sehr schwierige Aufgabe" in Hoeneß" Fußtapfen zu treten, "mit seinen großen Latschen".

Hoeneß will fortan "an ein bis drei Tagen" in seinem Büro an der Säbener Straße sitzen. Bis Juni muss er für die wirtschaftliche Sparte noch einen weiteren Erben finden. Einen Fachmann mit Herzblut und Bindung zum FC Bayern wünscht er sich dafür, eine Art jungen Uli Hoeneß also. Ganz in der Tradition des "Mia san mia".

© SID

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