Fußball Bundesliga
Schalke beurlaubt Rutten mit sofortiger Wirkung

Bundesligist Schalke 04 und Trainer Fred Rutten haben den ersten Teil der "Trennung auf Raten" vollzogen. Wie der Niederländer am Donnerstag bestätigte, wird er den Verein spätestens zum Saisonende verlassen müssen. Die von vielen Medien schon als perfekt gemeldete sofortige Entlassung des erfolglosen Coaches wurde aber noch nicht vollzogen. Noch nicht.

Bundesligist Schalke 04 hat die Reißleine gezogen und Trainer Fred Rutten mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Präsident Josef Schnusenberg teilte dem 46-Jährigen die Entscheidung in einem "sehr sachlichen und teilweise auch emotionalen Gespräch" am Donnerstagnachmittag mit. Wie der Tabellenachte bekannt gab, wird der verbliebene Trainerstab Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck vorübergehend das Training leiten. Erst am 9. März hatten sich die Schalker von Manager Andreas Müller getrennt und damit auf den enttäuschenden Saisonverlauf reagiert.

Noch am Donnerstagmittag hatte es nach einer Trennung auf Raten zwischen den Königsblauen und Rutten ausgesehen. Der Niederländer hatte nach dem Training verkündet, dass man sich spätestens am Saisonende trennen werde. Rutten hatte sein Amt erst vor dieser Saison angetreten und besaß einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010.

"Geschäftsführer Peter Peters hat mir in den vergangenen Tagen gesagt, dass es nächste Saison keine Zukunft für Fred Rutten auf Schalke gibt", sagte Rutten nach dem Training den Journalisten. Beim niederländischen Meister PSV Eindhoven soll er nun Top-Kandidat auf den Trainerposten im Sommer sein.

Zunächst war darüber spekuliert worden, dass die Schalker die unmittelbare Trennung nicht vollziehen werden, um eine Abfindung zu sparen und vielleicht sogar eine Ablösesumme kassieren zu können oder zumindest dem künftigen Manager die Entscheidung zu überlassen. Doch nach Ruttens Aussagen sah der Klub wohl keine andere Möglichkeit mehr. Bei der Suche nach einem Manager ist weiterhin der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn der Favorit.

Rutten erklärte am Donnerstag, er bedauere das vorzeitige Ende der Zusammenarbeit, "denn Schalke ist ein super Verein und hat sehr großes Potenzial mit Fans in ganz Deutschland, die nahe am Verein sind". Zudem versicherte er vor der endgültigen Trennung: "Ich bin hier Cheftrainer und mache meine Arbeit. Es macht mir immer noch Spaß, hier zu arbeiten. Ich bin nicht mit Eindhoven im Gespräch, sondern konzentriere mich auf meine Sache mit Schalke."

Büskens: "Es geht nicht um uns, sondern um Schalke 04"

Doch der Verein entschied anders und vertraut zunächst dem Trio Büskens, Mulder und Reck. "Ob wir am nächsten Freitag beim Spiel in Bielefeld auf der Bank sitzen werden tangiert mich jetzt nicht sonderlich. Es geht nicht um uns, sondern um Schalke 04. Wir sind in einer Phase, in der sich der Verein neu aufstellt. Wichtig ist, dass Ruhe in den Klub kommt", sagte Büskens dem Reviersport.

Die Interimslösung Büskens/Mulder hatte in der vergangenen Saison nach der Entlassung von Mirko Slomka aus den letzten sechs Saisonspielen 16 von 18 Punkten geholt.

Danach war Rutten vor Saisonbeginn von Twente Enschede verpflichtet worden, nachdem er den niederländischen Erstligisten überraschend in die Qualifikation zur Champions League geführt hatte. Unter ihm schied Schalke, das in der vergangenen Saison noch im Viertelfinalist der Königsklasse stand, jedoch in der Champions-League-Quali, im Uefa-Cup und im DFB-Pokal vorzeitig aus. In der Liga haben die Königsblauen sieben Punkte Rückstand auf einen Uefa-Cup-Platz. Der begehrte dritte Rang, der zur Qualifikation an der Champions League berechtigen würde, ist sogar schon elf Zähler entfernt.

Stevens: "Diese Unruhe ist ganz schlecht"

Derweil meldeten sich am Donnerstag auch wieder die beiden Macher aus erfolgreichen Schalker Zeiten mit harscher Kritik zu Wort. Ex-Manager Rudi Assauer monierte in der Nordwest-Zeitung Oldenburg, die Verantwortlichen seien "im Moment ein bisschen kopflos" und versicherte: "Wenn ich wiederkommen soll, müssen 20 Leute verschwinden." Und auch Ex-Trainer Huub Stevens, der sich für eine Rückkehr in Stellung gebracht hatte, aber bisher nicht kontaktiert wurde, sagte im kicker: "Das kann ja gar nicht sein, wie viele Leute dort mitreden. Diese Unruhe ist ganz schlecht."

Die Entscheidung, wer den Manager-Posten übernimmt, soll nach einer Ankündigung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Clemens Tönnies vielleicht noch in dieser Woche fallen. Nach Absagen von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und des Frankfurter Managers Heribert Bruchhagen, ist Kahn der klare Favorit. Auch Wolfsburgs Felix Magath bleibt offenbar ein Kandidat. Nach Angaben des kicker soll sich Tönnies sogar auch nach Arsene Wenger, Teammanager des FC Arsenal, informiert haben.

© SID

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