Fußball Bundesliga
Schalke zieht Reißleine: Müller gefeuert

Bundesligist Schalke 04 hat Andreas Müller zum Sündenbock für die verkorkste Saison gestempelt und am Montag erwartungsgemäß die Trennung von dem umstrittenen Manager vollzogen. Das gab der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies nach einem Krisengespräch mit Müller im Beisein von Aufsichtsratsmitglied Jens Buchta auf der Geschäftsstelle am Montag in Gelsenkirchen bekannt.

HB GELSENKIRCHEN. Der 46-jährige Müller, der als Spieler, Co-Manager und Manager insgesamt 21 Jahre dem Traditionsklub angehörte, war von Tönnies zum Rapport bestellt worden. "Wir haben Andreas Müller beurlaubt. Es war ein einstimmiger Aufsichtsratsbeschluss. Das sportliche Konzept, das er uns schon vor einigen Wochen vorgelegt hat, hat uns nur teilweise überzeugt", sagte Tönnies vor mehreren Dutzend Medienvertretern.

"Kein schöner Tag für mich"

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Gremiumsmitglied Buchta wollten Müller in dem für "Highnoon" anberaumten Gespräch zunächst zum freiwilligen Rückzug bewegen. "Wir haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. Das hat er aber nicht angenommen", sagte Tönnies nach der knapp einstündigen Unterredung. Müller habe sich, so Tönnies, "zweifelsohne Verdienste" in den letzten Jahren erworben, deshalb sei es eine schwierige Entscheidung und "kein schöner Tag für mich gewesen". Den formalrechtlichen Beschluss der Trennung wird der Aufsichtsrat erst in seiner außerordentlichen Sitzung am kommenden Samstag fällen.

Der von Müller zu Saisonbeginn verpflichtete Trainer Fred Rutten darf "auf Schalke" weiterarbeiten und wird zum Teil dessen Aufgaben mit übernehmen. "Seine Arbeit stand nie infrage", betonte Tönnies. Einen neuen Manager werde es vorerst nicht geben. "Die sportlichen Belange werden von Rutten, Präsident Josef Schnusenberg und Geschäftsführer Peters gemeinsam bearbeitet", erläuterte der Fleischfabrikant. "Es liegen bereits viele Bewerbungen auf dem Tisch", so Tönnies, "aber wir befinden uns noch nicht in der Entscheidungsfindung, wir machen keinen Schnellschuss. Unser erstes Ziel ist es, bis zum Saisonende sportlich erfolgreich zu sein. Dann sehen wir weiter. " Immer wieder wurden Schalke-Idol Olaf Thon, aber auch Schalkes dänischer Ex-Profi Ebbe Sand gehandelt. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass der Niederländer Rutten nach dem Vorbild von Felix Magath in Wolfsburg über das Saisonende hinaus in Doppelfunktion arbeitet.

Internationales Geschäft in Gefahr

Ein kürzlich von Müller dem Aufsichtsrat präsentiertes Konzept konnte das Gremium nicht mehr restlos überzeugen. Tönnies: "In diversen zentralen Punkten gibt es keine Übereinstimmung. Das hat unsere Zweifel geschürt, dass Müller auch in Zukunft noch die richtigen Entscheidungen für Schalke 04 treffen und auch umsetzen wird." Gleichwohl dankte der 52-Jährige dem Manager für das Geleistete: "Wir haben ihm viel zu verdanken. Aber zuletzt ist es ihm leider nicht mehr gelungen, Schalke auf Erfolgskurs zu halten".

Müller, der im Mai 2006 die Nachfolge von Rudi Assauer als Manager auf Schalke angetreten hatte, stand bereits seit November wegen seiner Einkaufspolitik massiv in der Kritik. Er setzte zahlreiche Transfers in den Sand, vor allem die Spielmacherposition konnte von Müller nicht adäquat besetzt werden - das große Manko im Spiel der Königsblauen. Vor Wochenfrist war der Traditionsklub im DFB-Pokal im Viertelfinale am Zweitligisten FSV Mainz 05 gescheitert (0:1). Zuvor war bereits in der Champions-League-Qualifikation und im Uefa-Cup frühzeitig Endstation gewesen.

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