Fußball Bundesliga
Scholl setzt zum letzten großen Dribbling an

Der "ewige Scholli" hat heute seinen letzten großen Auftritt auf der Fußball-Bühne. Nach 392 Bundesligaspielen nimmt der bei Bayern München zum Ehrenspieler ernannte Mehmet Scholl "ohne Wehmut" Abschied.

Ein letztes Mal noch wird sich heute der Vorhang heben. Dann feiert Mehmet Scholl im Trikot des FC Bayern München seinen endgültigen Abschied von der Fußball-Bühne. Noch einmal wird der 36-Jährige zum Dribbling ansetzen, seine berühmten Haken schlagen und vielleicht den ein oder anderen Freistoß schießen. Nach dem letzten großen Auftritt im Spiel um den Franz-Beckenbauer-Cup gegen den FC Barcelona (18.00 Uhr/live in der ARD) sagt der ewige Scholli "ohne Wehmut" servus, wie schon nach seinem letzten der insgesamt 392 Bundesligaspiele im Mai.

"Ich freue mich für Mehmet, dass er einen so tollen Abschied bekommt", sagt Trainer Ottmar Hitzfeld. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erklärt, warum Scholl nach Giovane Elber am Mittwoch zum zweiten Ehrenspieler des deutschen Rekordmeisters ernannt wird: "Mehmet ist für uns wie ein Heiliger. Er hat uns bei Verhandlungen nie wie eine Zitrone auszuquetschen versucht."

Geläuterter Medienheld

Anerkennung und Zuneigung waren Scholl schon immer gewiss. Zunächst als Lausbub, als Straßenfußballer mit dem besonderen Spielwitz, als Teeniestar, als Sprücheklopfer, und erst recht später als erwachsener und geläuterter Medienheld, der nicht mehr gewillt war, sich für Titelseiten und Schlagzeilen herzugeben.

Bei seinem vorletzten Bundesliga-Auftritt in Cottbus erhoben sich die Energie-Fans für ihn von den Sitzen und applaudierten. "Das musst du erst mal schaffen als Bayernspieler", schrieb Ex-Profi Ansgar Brinkmann am Dienstag in einem offenen Brief in der Süddeutschen Zeitung.

In dieser Hinsicht hat Scholl alles erreicht, rein sportlich blieb er der Unvollendete. Seine Karriere wirkt wie ein Versprechen, das nie ganz eingelöst wurde. Er kann keine Weltmeisterschaft vorweisen, und insgesamt 36 Länderspiele klingen nicht nach großer Karriere. "Die Ehe Scholl-DFB war nie so richtig glücklich", meint Scholl.

Überleben im Haifischbecken

Sein Körper streikte immer wieder und verhinderte wohl den Aufstieg zum Weltstar. "Die Tiefen waren tiefer als die Höhen hoch", räumt Scholl ein. Die Sympathie und der Respekt der Menschen bedeute ihm jedoch mehr als irgendein weiterer Titel. Sein größter Erfolg sei ohnehin, "im Haifischbecken FC Bayern nicht gefressen worden zu sein und 15 Jahre überlebt zu haben".

Nur Weltmeister ist er nicht geworden, ansonsten gewann Scholl alles und mehrfach dazu. Allein mit den Bayern achtmal die Meisterschale und fünfmal den Pokal - das ist Rekord.

Karriere in der Kegelabteilung

Was ihn aber wirklich bewegt, hat er nie preisgeben wollen. Erst über Igor Luther, Kameramann bei der Oscar-prämierten "Blechtrommel" und Vater von Scholls Lebensgefährtin, ist den beiden Autoren Edi Augustin und Ferdinand Neumayr im Film "Frei: Gespielt" (ab 23. August im Kino) der Zugang zum Menschen Scholl gelungen. Freimütig erklärt er darin zum Beispiel, dass ihn 1996 die Trennung von seiner damaligen Lebensgefährtin kurz nach der Geburt seines Sohnes "innerlich zerrissen" hat. "Ich war am Ende." Oder dass ihm ein Single-Urlaub in Griechenland die Augen geöffnet hat.

Mittlerweile sieht sich Scholl aber dank seiner "sehr schlauen Freundin" auf "einem guten Weg, glücklich zu werden". Zunächst will er jetzt seine Freiheit genießen, und ob er später wirklich einmal in die Jugendarbeit des FC Bayern, wie von Manager und seinem väterlichen Freund Uli Hoeneß angedacht, integriert wird, ist noch offen. Erhalten bleibt Scholl dem Verein aber auf jeden Fall. In der zweiten Mannschaft der Kegelabteilung ist er schon für die Saison 2007/08 gemeldet.

© SID

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