Fußball
Bundesliga streitet mit der Polizei

Die Polizei will, dass Fußballclubs sich an den Kosten von Fan-Randale beteiligen. Doch die Vereine protestieren. Sie sehen Kriminelle am Werk, die den Fußball lediglich als Plattform nutzen. Eskaliert die Auseinandersetung?

sid FRANKFURT. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) geht auf Konfrontationskurs zur Gewerkschaft der Polizei (GdP). Geschäftsführer Holger Hieronymus erteilte gestern der Forderung nach einer finanziellen Beteiligung an den Einsätzen der Beamten bei Bundesligaspielen eine Absage. "Wir zahlen so viele Steuern, dass wir ein Recht auf den Schutz unserer Veranstaltungen haben. Wenn Sicherheit in Deutschland davon abhängt, ob man sie bezahlen kann, dann wäre das fatal", sagte Hieronymus.

Nach Ansicht der DFL ist der Aufwand der Bundesligisten für die Sicherheit bereits hoch genug. Die Profi-Klubs zahlen jährlich 23,4 Mio. Euro für 130000 Ordnungskräfte. Die GdP hatte zuletzt eine Beteiligung der Liga in Millionenhöhe gefordert.

Grund für den Streit ist die Zunahme von Gewalttaten. Politik und Polizei hatten nach den schweren Krawallen bei der Zweitliga-Partie zwischen St. Pauli und Hansa Rostock vor zwei Wochen Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der DFL geübt. "Diese Krawalle haben enorm zugenommen. Von 127 Länder-Großeinsätzen im vergangenen Jahr entfielen allein 40 Prozent auf den Fußball. Das ist zu viel. Wir haben mittlerweile Engpässe bei den Polizeikräften", sagte Konrad Freiberg, Chef der GdP.

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach wehrte sich gegen die Kritik. Das seien "pauschale Schuldzuweisungen der Polizei. Die Krawallmacher sind keine Fans, sondern Kriminelle, die den Fußball als Plattform nutzen", sagte er.

Zuletzt spielten sich die Auseinandersetzungen rivalisierender Hooligans vor allem außerhalb der Stadien ab. DFB und DFL fordern deshalb mehr Zusammenarbeit bei der Gewaltprävention. "Nur durch das gemeinsame Engagement der Politik und der Polizei mit unseren Vereinen und Verbänden können wir Lösungen finden", sagte Niersbach.

Sorgen bereiten Verband und Liga allerdings die zunehmenden Feuerwerkskörper in den Stadien. Diese schießen Hooligans vor allem auf den Stehplätzen ab - daher fordern Beobachter der Szene eine Abschaffung dieser Bereiche. "Wenn im Stadion Probleme entstehen, dann auf den Stehplätzen. Wir werden es jedenfalls nicht länger zulassen, dass eine kleine Minderheit den Großteil der Fans terrorisiert", sagte Niersbach.

Der Sportwissenschaftler und Fan-Forscher Gunter Pilz schlägt derweil vor, sich vor allem um die gewaltbereiten Fans zu kümmern, die sogenannten "Ultras". "Die Frage ist, ob aus dieser Szene neues Gewaltpotenzial hervorgeht. Es wird davon abhängen, wie es Verbänden, Vereinen und der Polizei gelingt, auf diese Szene sensibel zu reagieren", sagte er.

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