Fußball Bundesliga
Uli Hoeneß will Stars stärker schützen

Manager Uli Hoeneß von Rekordmeister Bayern München hat seine heftige Kritik an der harten Gangart gegen seine Stars wiederholt. Zugleich hat der 55-Jährige die Schiedsrichter zu schärferen Eingreifen aufgefordert.

Uli Hoeneß, Manager des deutschen Rekordmeisters Bayern München, hat die Schiedsrichter aufgefordert, schärfer durchzugreifen und damit seine heftige Kritik am harten Einsteigen gegen die Bayern-Stars wie Franck Ribery wiederholt. "Da wollen die Leute schönen Fußball sehen und machen ihn mit bösen Fouls kaputt. Ribery wurde permanent in die Hacken getreten. Hier wird bewusst die Gesundheit der Spieler gefährdet", kritisierte der Weltmeister von 1974 im Fachmagazin kicker (Montag-Ausgabe).

Hoeneß war im Punktspiel der Bayern am Samstag gegen Hannover 96 (3:0) nach einem Foul von Altin Lala an Mittelfeldstar Franck Ribery an der Seitenlinie heftigst mit Gäste-Coach Dieter Hecking aneinandergeraten. "Das, was ich im Ligapokal schon angesprochen habe, hat sich bestätigt. Mannschaften die sportlich nicht mithalten können, gleichen das durch übertriebene Härte aus. Herr Roth und die Schiedsrichter müssen reagieren und zur Not auch mal sieben, acht Mann vom Platz stellen", sagte der Bayern-Manager in Richtung von Volker Roth, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), und fügte an: "Vielleicht lernen sie es dann. Sie sollen den Ball spielen, nicht die Knochen des Gegners kaputt treten. Geht es so weiter, gibt es bald Kreuzbandrisse. Dann gute Nacht Fußball."

Auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld monierte angesichts der momentanen Überlegenheit seiner Bayern, "dass alle gegen uns sehr hart einsteigen. Das wird sich noch steigern". Deshalb forderte der Erfolgscoach ebenfalls ein konsequenteres Eingreifen. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) verwies Schiedsrichter-Boss Roth auf den Sommerlehrgang der deutschen Unparteiischen in Altensteig-Wart, auf dem die Referees besonders in Bezug auf das von Hoeneß angesprochene Thema gebrieft worden seien. "Die Schiedsrichter sind im Sommerlehrgang angewiesen worden, die Gesundheit aller Spieler zu schützen. Das ist das Wichtigste", sagte Roth.

Bereits fünf Platzverweise an den ersten drei Spieltagen

Daran halten sich die Referees offenbar auch. So zeigte Spielleiter Michael Weiner (Giesen) im Freitagsspiel zwischen dem VfL Bochum und dem Hamburger SV (2:1) HSV-Innenverteidiger Vincent Kompany für sein Einsteigen gegen Tommy Bechmann die Rote Karte, die viele Beobachter als zu drastisch empfanden. Zudem zog Weiner achtmal Gelb.

Am dritten Spieltag gab es darüber hinaus drei weitere Gelb-Rote Karten sowie in den Spielen in München, Stuttgart und Nürnberg jeweils sieben Verwarungen. In der vergangenen Saison hatte es an den ersten beiden Spieltagen bereits sieben Rote und zwei Gelb-Rote Karten gegeben, nach den ersten drei Runden dieser Spielzeit sind bislang fünf Spieler des Feldes verwiesen worden (1x Rot, 4x Gelb-Rot).

Eugen Strigel, Schiedsrichter-Lehrwart beim DFB, sagte dem sid, dass "die Linie" der Unparteiischen bislang in der laufenden Saison "ungefähr gestimmt" habe. "Die Schiedsrichter achten auf die Gesundheit. Sicherlich war aber Naldos Einsteigen eine Rote Karte, denn es war ja schon sein zweites Foul", erklärte Strigel zum harten Einsteigen des Innenverteidigers von Werder Bremen gegen Nationalstürmer Miroslav Klose beim 0:4 gegen die Bayern am zweiten Spieltag.

Der Lehrwart wies auch auf die noch gar nicht lange zurückliegende Kritik aus der Liga hin, dass die Schiedsrichter "zu kleinlich pfeifen" würden. Deshalb will Strigel am kommenden Montag (2. September) auf der Trainertagung die "Meinungen" einholen. Strigel: "Natürlich haben wir Regeln. Aber wir nehmen die Meinungen ernst und denken darüber auch nach."

Völler: "Sonderbehandlung für Stars ist ein Witz"

Bundestrainer Joachim Löw hatte zuletzt ebenfalls eine Verrohung der Sitten beklagt: "Es ist aufgefallen, dass das Zweikampfverhalten einiger Spieler zu wünschen übrig lässt. Viele gehen davon aus, dass sie einen Zweikampf gewonnen haben, wenn sie vorsätzlich die Situation mit unfairen Mitteln wie Fouls, Auflaufen lassen oder Trikotzupfen bereinigt haben. Das ist aber eine falsche Denkweise und ein Fehlverhalten."

Innerhalb der Bundesliga sind die Meinungen zur Forderung von Uli Hoeneß geteilt. Unterstützung erhält er von seinem Bruder und Hertha-Manager Dieter ("Die Szenen im TV haben schon den Eindruck erweckt, dass Hannover Ribery aufs Korn genommen hat. Ich bin sowieso ein Verfechter, dass alle Offensivspieler besser geschützt werden müssen."), Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zeigte wenig Verständnis für die Kritik.

"Wir spielen doch kein Schach. Ribery weiß es doch selber - in Frankreich wird noch mehr getreten. Eine Sonderbehandlung für Stars ist ein Witz", meinte der Weltmeister von 1990, der 1993 mit Olympique Marseille die Champions League gewann, in der Bild-Zeitung.

© SID

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